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31.03.2012

14:03 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Frauen sind anders - aber wie?

VonFrank Wiebe

Die Probleme der Deutschen Bank, Frauen in Führungspositionen unterzubringen, lenkt den Blick auf den klassischen Geschlechterkampf. Die Diskussion um Quotenregelungen fördert ganz schnell alte Klischees zutage.

Handelsblatt-Kolumnist Frank Wiebe. Pablo Castagnola

Handelsblatt-Kolumnist Frank Wiebe.

Die Deutsche Bank hat offenbar Mühe, Frauen in ihr Top-Management zu bringen. Bei der jüngsten Um- und Neubesetzung von Vorstand und Group Executive Committee kamen jedenfalls nur Männer zum Zuge. Man kann jetzt über Seilschaften, Vorurteile oder fehlende Kindergartenplätze diskutieren. Aber sind das die entscheidenden Gründe?

Vor ein paar Monaten hatte ich ein Gespräch mit einer sehr erfolgreichen Bankerin aus einem anderen Geldhaus. Nach ihrer Darstellung ist es für sie schwierig, Frauen in ihrer Abteilung, dem Kapitalmarktgeschäft, zu befördern. Denn Frauen, sagt sie, scheuen das Risiko, die Verantwortung für Handelspositionen zu übernehmen. Sie sind mindestens so intelligent und fleißig wie Männer - aber haben offenbar mehr Angst, für schlechte Zahlen geradezustehen, wenn das Geschäft nicht gut läuft.

Bei einer Beförderung kommt man aber kaum an den Leuten vorbei, die dieses Risiko auf sich nehmen. Und die Deutsche Bank hat bei ihrer letzten Runde vor allem Leute aus dem Kapitalmarktgeschäft nach oben befördert. Es gibt noch weitere Beispiele. Wir hatten vor einiger Zeit den Vertreter einer großen angelsächsischen Anwaltskanzlei im Haus. Er erzählte, dass sein Unternehmen seit 20 Jahren versucht, Frauen in die oberste Führung, in die Riege der Partner, zu bekommen. Vergeblich.

Denn Frauen, so sagt er, sind nicht bereit, sich der Ochsentour zu unterziehen und jahrelang jedes Wochenende durchzuarbeiten - sie haben noch andere Interessen im Leben. Die besten Frauen, die in der Kanzlei anfangen, werden lieber Richterinnen. Ein drittes Beispiel: Als die Diskussion über Frauenquoten in Vorständen mal wieder hochkochte, erzählte der Chef eines mittelständischen Unternehmens aus der Metallbranche: „Wir haben fast überhaupt keine Frauen, nicht einmal auf der Ebene der Sachbearbeiter. Offenbar interessieren sich Frauen einfach nicht für unsere Branche.“ Der Mann wirkte nicht gerade wie ein Macho.

Kommentare (8)

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Kuchenteig

31.03.2012, 15:42 Uhr

Frauen sind kein Mysterium, sondern recht einfache Geschöpfe, die nach einfachen Gesetzen handeln und funktionieren. Warum gibt es nur wenige Frauen in Führungspositionen? Die Frage ist nur für den schwierig zu beantworten, der die Gründe überall sucht - nur nicht bei der Frau selbst. Denn dann wird es plötzlich ganz einfach! Man blicke nur in eine normale Mittelklasse-Wohnsiedlung in normaler urbaner Gegend mit jungen Durchschnittsfamilien, ein oder zwei Kinder. Die meisten Frauen dort gehen entweder nicht oder nur 4 Stunden am Tag arbeiten. Warum sollten sie auch arbeiten gehen? Das Ehemännchen tut das doch schon und bringt artig das Geld regelmäßig nach Hause. Das wird vom Staat auch noch mitfinanziert. Für Madame gibt es also Urlaub auf Lebenszeit und auf Kosten des Mannes. Was fängt Madame mit ihrer Zeit an? Sektfrühstück mit den Damen aus der Nachbarschaft im heimischen Garten, Nordic Walking am Mittag im nahegelegenen Waldgebiet, Schwimmkurse am Nachmittag - die Maniküre und Shopping dürfen natürlich nicht vergessen werden. Warum sollte die Dame also eine Führungsposition in einem Großkonzern übernehmen? Wenn ich irgendwo in der Südsee am Strand in der Hängematte liege, den ganzen Tag Sonnenschein, Cocktail rechts und links in der Hand und da kommt einer daher, der mich fragt, ob ich in Deutschland Spargelstechen will. Was werde ich dann antworten? Richtig! Leck mich am ...! Man sieht also, Frauen sind eigentlich total einfach!

Knaeckebrot

31.03.2012, 23:00 Uhr

Den Kommentar finde ich übertrieben und kontraproduktiv. Aber den Artikel stimme ich zu. Ich studiere BWL und habe auch viele Kommilitoninnen. Viele von ihnen sind gut in dem was sie machen und könnten sicher erfolgreich sein. Aber wenn ich höre was die Mehrzahl nach dem Studium anfangen will, dann wundere ich mich auch nicht mehr, dass wir keine Frauen in Führungspositionen haben. Reines Fachwissen reicht heutzutage einfach nicht mehr aus. Man muss die Extrameile gehen wollen und global einsetzbar sein! Wenn diese Eigenschaften nicht vorliegen wird eine Frau genauso wenig befördert wie ein Mann. Von daher sehe ich die ganze Diskussion hinfällig! Im Unternehmen kommen langfristig (!) diejenigen weiter die Leistung bringen und diese auch zeigen!

leo

01.04.2012, 08:30 Uhr

Ich bin völlig Ihrer Meinung!
Das heißt aber, dass der Klärungsbedarf bei Männern besteht: warum sie das mitmachen? Ist es so eine Art "Besitzerstolz", das alte "meine Frau muss nicht arbeiten"? Statussymbol? Ich verstehs nicht.

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