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25.01.2012

20:20 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Fünf Punkte, die Unternehmen verwundbar machen

VonFrank Wiebe

Wenn fünf Risikofaktoren zusammenkommen, kann man selbst mit unhaltbaren Vorwürfen ein großes und bekanntes Unternehmen in Existenznot bringen. Was ein neuer Prozess in München und eine alte Affäre lehren.

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Kolumnist. Pablo Castagnola

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Kolumnist.

Vor gut zehn Jahren wurde der Finanzvertrieb MLP durch Vorwürfe, falsch bilanziert zu haben, beinahe in die Knie gezwungen. Das Unternehmen räumte ein, schlecht kommuniziert zu haben, stellte sich neu auf - ließ sich aber auch von einem Gericht bescheinigen, dass die Bilanzierung korrekt war. Diese ganze „Affäre“ wird nun durch einen Prozess in München in neues Licht getaucht.

Denn auf der Anklagebank sitzt unter anderem Markus Straub, ehemals eine wichtige Figur in der Schutzvereinigung der Kleinanleger (SdK). Straub war damals der große Kritiker von MLP. Zwar geht es bei dem Münchener Prozess um andere Unternehmen. Aber der Vorwurf gegen Straub und die anderen lautet, Kurse manipuliert zu haben. Und genau diesen Eindruck hatte man auch damals bei der „MLP-Affäre“, die eher eine SdK-Affäre war. Denn die Vorwürfe waren ganz offensichtlich falsch, und Straub war, unter anderem in einem persönlichen Telefongespräch, Argumenten nicht zugänglich.

Aus heutiger Sicht ist die damalige Affäre ein Lehrstück dafür, wie verwundbar selbst ein großes, bekanntes Unternehmen sein kann - MLP war immerhin mal ein Dax-Konzern. Und als solches Lehrstück ist der Vorgang immer noch hochaktuell.

Was macht ein Unternehmen angreifbar? Zunächst war die Aktie von MLP zeitweise extrem teuer, das Kurs-Gewinn-Verhältnis erreichte Spitzenwerte von mehr als 100. In so einer Situation löst jede Kritik oder negative Nachricht heftige Reaktionen aus - beinahe unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt.

Der zweite Punkt: Ein ungewöhnliches Geschäftsmodell erhöht das Risiko. MLP hatte damals eine eigene Lebensversicherung im Konzern, benutzte sie aber hauptsächlich, um Verträge direkt an den Rückversicherungsmarkt durchzuleiten. So wollten die Heidelberger sich einen größeren Teil der Marge sichern, ohne tatsächlich selber ins Versicherungsgeschäft einzusteigen. Diese ungewöhnliche Geschäftsstruktur führte aber auch zu einer ungewöhnlichen Bilanz - und das ist der dritte Risikopunkt.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

26.01.2012, 02:42 Uhr

Pardon, lieber Herr Redakteur,
aber Sie vergessen, daß letztlich nur eins wirklich unangreifbar ist: eine gesunde IDENTITÄT, ein aufrechtes SELBST - Bewußtsein.
gerade hier beim Handelsblatt ist die wahre Fundgrube für manche DES - Rätsels - Lösung zu finden: die einen schaffen es, selbst in Krisenzeiten unter gleichen äußeren Bedingungen gegen jeden Trend gesunde Zahlen vorzuweisen, die anderen dagegen meinen, sie müßten "out-sourcen" "Berater§ zur Entscheidungsfindung einstellen, sich unnötig dem WERBE - Strom ausliefern, Staaten glauben, sie müßten öffentliche Aufgaben "privatisieren" um überleben zu können.

Wenn ich MLP höre, dann denke ich nach wie vor: Geld sollte nicht angelegt werden dürfen/müssen der reinen Rendite wegen.

Wir müssen jede Gelegenheit nutzen, unsere Entscheidungs - Freiheit zu wahren, um Dinge tun zu können jenseits des überhandnehmenden reinen Rendite - Denkens, d.h. die einen sozialen und zukunftsträchtigen Sinn beinhalten (eine "gesunde Identität haben").

Verkaufen Sie bitte Ihren Journalismus nicht leichtfertig!
Es wäre zu schade um das HANDELSBLATT.

Es gibt weniger prätentiöse WEBSITES:
http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/
führt für den aufmerksamen Leser zu :
http://www.quadriga-capital.de/index1280.html

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