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10.03.2012

12:04 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Verkommen Buchläden bald zu Schlecker-Filialen?

VonFrank Wiebe

Die großen Buchläden werden zunehmend von Online-Stores ins Abseits gedrängt. Sieht es dort bald aus, wie in Schlecker-Filialen, wo eine einsame Kassiererin nur mal abends kurz durchwischt?

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Kolumnist. Pablo Castagnola

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Kolumnist.

Ich kenne eine Jugendbibliothek, wo neben dem Regal ein Schild klebt mit der Aufschrift: „Schock Deine Eltern - lies ein Buch!“. Vielleicht heißt der passendere Spruch schon bald: „Schock Deine Freunde - verschenk ein Buch!“ Denn Bücher sind durchaus eine bedrohte Produkt-Spezies. Vor einigen Wochen erzählten mir zwei gute Bekannte, dass sie schon seit Jahren nicht mehr im Buchladen waren.

Die beiden lesen durchaus - aber sie bestellen bei Amazon. Und online muss man ja inzwischen gar keine unhandlichen Papiermonster mehr bestellen - einfacher und platzsparender geht es als E-Book. Viele große Buchketten, die jahrelang expandiert haben, schrumpfen wieder - nicht nur in den USA, auch in Deutschland.

Der Programmdirektor eines großen Verlags klagte neulich, dass diese Ketten heute zum Teil von Managern geleitet werden, die aus ganz anderen Branchen kommen und wenig von Büchern, aber viel von Prozentrechnung verstehen. Das Geschäft ist gnadenlos geworden, weil die Gewinnspannen vieler Buchläden weggeschmolzen sind. Der Verlagsmensch setzte hinzu: „Irgendwann sieht es in den Läden aus wie bei Schlecker, da sitzt nur noch eine Frau an der Kasse, die abends noch schnell ein bisschen aufräumt und durchwischt.“

Ich bin ein hoffnungslos altmodischer Mensch. Deswegen gehört es zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, in Buchläden herumzustöbern - obwohl sie ja doch alle mehr oder minder dasselbe anbieten. Gibt es künftig nur noch Cafés mit Bücherregal für Leute wie mich? Oder zeigt man sich dadurch als passionierter Leser, dass man auf den E-Book-Reader statt aufs Smartphone starrt?

Natürlich gibt es sie noch, die Buchhändler, die ihre Bücher lieben und auch lesen. Bei mir in der Kleinstadt existiert ein Laden, wo hilflose Eltern „gute“ Bücher für ihre Kinder kaufen, weil sie wissen, dass der Chef die tatsächlich gelesen hat und sie ordentlich berät. Den Mann kann ich auch fragen, ob er einen Krimi auf Lager hat, der meiner Frau gefällt (die hat einen anderen Geschmack als ich).

Kommentare (8)

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Rapid

10.03.2012, 13:31 Uhr

"Von der ersten Auflage dieses Buches wurden 220 Exemplare in Leder gebunden und vom Autor signiert"
Ein solches Exemplar zu ergattern und zu besitzen macht nun wirklich Spaß. Das ist wie der Jäger auf der Pirsch.
Lange vergriffen, taucht es, nur kurz auf, für ein paar Tage vielleicht oder auch nur Stunden und ist sofort wieder verschwunden.
Ich hatte kürzlich das Glück fündig zu werden. Bei dem Buch handelte es sich um die Lederausgaben des Liebingsbuchs von Frank Schirrmacher FAZ nach dem ich schon seit Jahren vergeblich auf der Suche war.
Wenn es überhaupt angeboten wird, kann man leicht zwischen 700 und 800 Euro berappen. Ich hatte Glück, für 300 Euro war das gute Stück meins. Wo wohl? Natürl,ich bei eBay.
In einem Buchladen und sogar in einem sehr gut sortiertem Antiquariat sucht man vergeblich.
Und da wir hier in einer Wirtschaftszeitung sind dererlei Bücher sind auch ein Investment mit garantierter Wersteigerung wie bei einem Porsche.
Der Vorteil bei einem Buch ist allerdings, es braucht nie einen Ölwechsel, und wenn man seinen Inhalt zur Kenntnisnehmen will und es liest, umso besser.

Radiputz

10.03.2012, 14:22 Uhr

@rapid
Sie "Wichtigtuer" und wie bitte beginnt Kapitel 149 Seite 242 besagten Buches, wenn Sie es schon gelesen haben?

Rapid

10.03.2012, 14:30 Uhr

@radiputz
Was heißt hier "Wichtigtuer"? Ich habe das Buch schon vor 40Jahren gelesen kurz nachdem es 1970 erschienen ist. Da waren Sie wahrscheinlich noch nicht einmal in Aussicht gestellt.
Also gut Kapitel 149 beginnt
Beim Spielen "schnupften" sie also, und zwar mäßig - wie man eine schwarze Brasil raucht oder einen Mokka bestellt.Das sind Galoppstrecken. Man legt dann eine Schrittreprise ein. Es scheint,daß ein mäßiges Koka-Kauen nicht viel schädlicher als das Kettenrauchen ist...

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