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14.04.2012

18:18 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Warum sich Finanzkrisen selbst verstärken

VonFrank Wiebe

Eine der Ursachen der Finanzkrise war die Tatsache, dass das gesamte System dazu neigt, das Auf und Ab der Märkte noch künstlich zu verstärken. Allein die EZB stemmt sich gegen die Ungleichgewichte.

Frank Wiebe

Der Autor

Frank Wiebe ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

DüsseldorfEine der Ursachen der Finanzkrise war die Tatsache, dass das gesamte System dazu neigt, das Auf und Ab der Kapitalmärkte noch künstlich zu verstärken. Dazu trägt die moderne Bilanzierung nach Marktwerten ebenso bei wie das Risikomanagement der Banken, das unter den Stichwörten Basel II und Basel III diskutiert wird. Wenn Banken ihre Wertpapiere nach aktuellen Kursen bilanzieren, erzeugt das im Boom zusätzliche Gewinne und in der Krise zusätzliche Verluste. Und wenn das Risikomanagement komplizierten Modellen überlassen wird, führt das oft dazu, dass diese Modelle in guten Zeiten mit zu optimistischen und in schlechten mit zu pessimistischen Annahmen gefüttert werden.

Nach der Krise hieß es: Dieses „prozyklische“ Verhalten der Finanzbranche muss verändert werden. Aber bisher ist nicht viel passiert. Im Gegenteil: Die künftigen Risikoregeln für Versicherer – Stichwort „Solvency II“ – wirken im Zweifel noch zusätzlich prozyklisch. Denn auch dort werden recht simple Eigenkapitalregeln durch individuelle Risikomodelle ersetzt.

Eigentlich sollte aber diese Art von automatischen Destabilisatoren zumindest besser überwacht werden. Es fiel das Stichwort „makroprudentielle Aufsicht“. Damit war gemeint, dass man auch die großen Trends des gesamten Systems im Auge behalten muss und nicht nur die einzelne Bank. Zuständig für diese Über-Aufsicht ist der European Systemic Risk Board, von dem man bisher nicht allzu viel gehört hat.

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Tatsächlich ist aber unter anderem durch die Einführung von Stresstests, bei denen dann auch noch Staatsanleihen zu Marktpreisen bewertet wurden, der prozyklische Charakter des Systems noch verstärkt worden. Denn wenn sich die Euro-Krise verflüchtigt, werden die Stresstests wieder geringeren Bedarf an Eigenkapital signalisieren. Richtig wäre aber, gerade in guten Zeiten Eigenkapital aufzubauen.

Kommentare (24)

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Otto

14.04.2012, 18:31 Uhr

Wehrt Euch gegen ESM und die gesamte unglückliche Eurorettung. Lest http://www.stop-esm.org/unterzeichner und schaut was auf Euch zukommt. Mit Kleinigkeiten braucht Ihr Euch nicht mehr befassen.

yoski

14.04.2012, 18:41 Uhr

Finanzkrisen entsethen durch Jahrzehnte lange Fehlinvestitionen und dadurch das man auf Pump ueber seine Verhaeltnisse lebt. Immobilienblasen, faule Kredite, unrealistische Rentenversprechen, unproduktive Buerokratie, Korruption, abwuergen der Privatwirtschaft durch hohe Steuern und immer neue Verordnungen, usw. tragen alle zu Finanzkrisen bei. Hat man erstmal eine Wirtschaftskrise und gleichzeitig eine Schuldenkrise wie in den PIIGS Staaten dann ist nichts mehr zu retten. Je laenger man den unweigerlichen Staatsbankrott verzoegert je teurer wird es am Ende.

Petra

14.04.2012, 19:17 Uhr

Mit folgendem Link können sich informierte Bürger kostenfrei (!) einer Verfassungsbeschwerde anschließen!

http://buendnis-
buergerwille.de/fileadmin/user_upload_bbw/pdf/Formular_Verfassungsbeschwerde.pdf

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