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21.01.2012

17:19 Uhr

Wirtschaftsordnung

Das Deutschland-Modell ist (noch) kein Exportschlager

VonTorsten Riecke

Deutsche Autos stehen bei unseren europäischen Nachbarn hoch im Kurs. Auf weniger Begeisterung stoßen hingegen unsere ordnungspolitischen Vorstellungen. Dies stellt eine große Herausforderung für die nächsten Jahre dar.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung und Analyse beim Handelsblatt. Andreas Labes für Handelsblatt

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung und Analyse beim Handelsblatt.

Es war zwar keine Kapitulation, aber doch ein Eingeständnis. „Deutschland hat die wirtschaftspolitische Debatte in Europa gewonnen“, sagte Mario Monti diese Woche. Der neue italienische Ministerpräsident bestätigte damit nur, was seit Monaten in Europa und darüber hinaus die Runde macht. Mit einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent in 2011, einer Arbeitslosenquote von zuletzt 6,6 Prozent und dem Stabilitätssiegel von Standard & Poor’s für die Staatsfinanzen gilt Deutschland weltweit als Musterknabe.

Doch wie das mit Musterknaben eben so ist: Sie werden oft beneidet, klammheimlich sogar bewundert, doch beliebt sind sie fast nie. So darf die deutsche Kanzlerin kommende Woche zwar die Eröffnungsrede beim Treffen der globalen Führungselite in Davos halten. Das „Erfolgsmodell Deutschland“ spielt im offiziellen Programm des Weltwirtschaftsforums aber kaum eine Rolle. Die Prototypen des neuen deutschen Wirtschaftswunders kann man in den Schweizer Bergen an den Fingern einer Hand abzählen.

Auf den meisten Podien geben Angelsachsen den Ton an. Das liegt nicht nur an der Weltsprache „Englisch“, die es Amerikanern und Briten erleichtert, in den großen internationalen Debatten die Lufthoheit zu behalten. Und es liegt auch nicht nur daran, dass wir Deutsche uns international – zum Beispiel bei der Besetzung von Spitzenpositionen – noch immer unter Wert verkaufen. Deutschland ist vor allem deshalb unverstanden und unbeliebt, weil wir es bislang nicht geschafft haben, aus unserem Erfolgsmodell ein Erfolgsrezept zu machen, das man in die Welt genauso gut exportieren kann wie deutsche Autos.

Während der „Davos Man“ nächste Woche mit leuchtenden Augen auf die dort ausgestellten deutschen Luxuskarossen blicken wird, dürfte die „Eiserne“ Kanzlerin zwar freundlichen Beifall für ihren Sparappell bekommen, aus den Händen wird man ihr die Blaupausen für das Erfolgsmodell Deutschland jedoch nicht reißen. Auch wenn chinesische Ökonomen sich inzwischen vor Ort über das deutsche Beschäftigungswunder informieren, Europa widerwillig dem deutschen Spardiktat folgt und Amerika unserer Industriepolitik nacheifert.

Was das Ausland an deutschen Autos und anderen Exportschlagern schätzt, vermissen unsere Partner an der deutschen Wirtschaftspolitik: maßgeschneiderte Angebote, die sich flexibel und pragmatisch an Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen. Stattdessen wirbt Merkel für eine „One size fits all“-Austeritätspolitik. Die trifft jedoch nicht jeden Geschmack, und nicht jedes Land passt in den deutschen Anzug.

Kommentare (8)

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Einweckglas

22.01.2012, 17:40 Uhr

Genau....betreiben wir mal wieder ein wenig Kuschelpolitik. Wird wahrscheinlich genauso so ein erfolgreiches Konzept wie die Kuschelpädagogik.

Einanderer

23.01.2012, 09:48 Uhr

Wer meint dass die D. Wirtschaftspolitik nur aus eisernem Sparen besteht zeigt damit deutlich wieviel Einblick und Verständnis er für die Thematik hat. Davos ist auch nur ein High Society Event.

Mollemopp

23.01.2012, 12:59 Uhr

"...dürfte die „Eiserne“ Kanzlerin zwar freundlichen Beifall für ihren Sparappell bekommen, aus den Händen wird man ihr die Blaupausen für das Erfolgsmodell Deutschland jedoch nicht reißen..."

Es reicht wenn ein Land so dumm ist, wie Deutschland und sich zu Tode spart. Da können alle anderen gut von leben. Ich als Regierungschef eines anderen Landes würde Frau Merkel zurufen: "Bravo, sparen sie weiter! Und vergessen sie nicht ihre nächste fällige Tranche an die EU zu überweisen, damit wir alle, von ihrem Erfolg profitieren können." Man mus nicht besonders schlau sein, um KanzlerIn in Deutschland zu werden. Es reicht, wenn die die einen Wählen dümmer sind.

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