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14.11.2013

12:40 Uhr

Wulff-Prozess

Was soll das?

Christian Wulff steht vor Gericht. Wegen 719,40 Euro. Ein unsinniger Prozess? Oder zwingend in einem Rechtsstaat? Ergötzen wir Deutschen uns an seinem Sturz oder ist Wulff selbst schuld? Fünf Redakteure, fünf Meinungen.

Erster Auftritt

Wulff vor Gericht

Erster Auftritt: Wulff vor Gericht

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Eine amerikanische Freundin sagte einmal zu mir, dass sie den Eindruck habe, dass die Deutschen dem Fall ihrer Prominenten lieber zuschauen als deren Aufstieg. Widersprochen habe ich ihr nie. Das etwas zynische „Bad News is good News“ gilt als alte Journalistenweisheit. Und so ist das immense Medienecho, das Christian Wulff sowohl damals als auch heute entgegenschlägt, eigentlich kaum verwunderlich.

Doch nur weil etwas nicht verwunderlich ist, ist es noch längst nicht angemessen. Inzwischen geht es noch um 719 Euro und 40 Cent. Die Titelseiten wird der Prozess jedoch weiterhin füllen. Auch bei dieser Summe. 22 Verhandlungstage, 46 Zeugen – der ein oder andere Journalist wird sich da die Hände reiben – das gibt viel her.

 Prozessauftakt: Wulff kritisiert die Staatsanwaltschaft

Prozessauftakt

Wulff kritisiert die Staatsanwaltschaft

Erstmals seit mehr als einem Jahr hat sich Ex-Bundespräsident Christian Wulff zu den Vorwürfen der Bestechlichkeit geäußert. Er habe sich „immer korrekt verhalten“, sagte er vor dem Start seines Prozesses in Hannover.

Kritik an der teils harschen Berichterstattung wird schnell abgebügelt. Denn ja, Christian Wulff sei zwar auch ein Mensch, aber eben einer, der mal Bundespräsident war. Da gelten andere Maßstäbe. Und ja, das Grundproblem Wulffs war sicherlich das mangelnde Bewusstsein für die „Würde seines Amtes“. Und dennoch sträube ich mich gegen diese doch recht einfache Argumentationskette. Denn wenn schon das Wort „Würde“ fällt, dann bitte auch im Kontext einer „würdevollen“ Berichterstattung. Schlagzeilen wie „Wer hat Angst vorm bösen Wulff?“ gehören meiner Meinung nach nicht dazu.

Wir als Journalisten erhalten nach der Hetzjagd zu Beginn der Affäre eine zweite Chance. Die Chance einen Prozess inhaltlich zu begleiten, der endlich zur Aufklärung beiträgt. Und am Ende mehr ist als nur die Inszenierung eines tiefen Falls. (Jessica Springfeld)

Kommentare (31)

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14.11.2013, 13:06 Uhr

für 20.ooo € wird die anklage fallen gelassen ... ( BILD ) . Na leute dem passiert nix . der zahlt das geld und ist fein raus . wenn wir normalos sowas machen kommen wir unter 100 jahre knast nicht weg .
das ist deutsche gerechtigkeit ... lach mich tot .

der ganze prozess ist ne farce . kostet den steuerzahler ein schweine geld und .... nix passiert . nur medienrummel, dass die bildzeitung wieder kohle macht ( vorher hat sie ihn fallen gelassen ... )

pro-d

14.11.2013, 13:12 Uhr

Bringen wir es auf den Punkt, alles was man ihm vorwirft war iwi richtig und seit vielen Jahren bekannt. Kein Politiker hat eine reine Weste, oder meint hier einer, dass Erika KEINE Vergangenheit hat. Selbst Herr Gauck konnte früher jederzeit in den Wesen reisen, mit der ganzen Familie. Was das bedeutet sollte klar sein, oder?Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Leser

14.11.2013, 13:24 Uhr

Doch, es ist eine Lappalie! Nicht nur, weil der strittige Betrag in keinem Verhältnis zum früheren Einkommen Wulffs steht, sondern weil er die sprichwörtliche Maus verkörpert, die ein kreißender Berg gebahr. Mit welch einem Getöse und Empörung wurde da die Integrität eines Bundespräsidenten in Frage gestellt. um dann am Ende auf ein eine handvoll Euros zu verweisen, für die Herr Wulff keine Rechtfertigung vorbringen kann und für die jetzt noch die deutsche Justiz bemüht werden muss. Der Vorwurf grenzt fast schon an Beleidigung.

Wenn es nicht des Deutschen Lust am Voyeurismus beim Fall einer öffentlichen Person ist, der den Prozess für legitim erklärt, dann - mir graut davor - die unmündig-kindische Illusion vom perfekten Staatsrepräsentanten, -Lenker oder gar .... ? Ne, Leute, ist Euer moralischer Kompass keine 700 Euro wert, dass Ihr so ein Spektakel braucht? Laßt mal die Kirche um Dorf!

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