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29.05.2017

06:00 Uhr

Lena Böhm für Handelsblatt, dpa

Hans-Jürgen Jakobs

Morning Briefing

Merkels Anti-Trump-Satz

VonHans-Jürgen Jakobs

Angela Merkel ruft die Europäer zu mehr Eigenständigkeit auf, Indiens Premierminister Modi bekennt sich zum Freihandel und Jared Kushner steht im Fokus der Russland-Ermittlungen. Was heute sonst noch wichtig ist.

MünchenGuten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Schwiegersohn des US-Präsidenten. Reuters

Jared Kushner

Schwiegersohn des US-Präsidenten.

Taormina auf Sizilien ist schön, das Wetter stimmte und G7-Treffen pflegen schöne Bilder zu liefern. Doch die zwei sizilianischen Tage mit Donald Trump waren offenbar gruppendynamisch so fordernd, dass Angela Merkel nun fürs Geschichtsbuch festhält: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei.“ Diesen Ami-Go-Home-Satz fabrizierte die Kanzlerin im CSU-Bierzelt in München-Trudering, wo Horst Seehofer ihr zujubelte. Auf den neuerdings handzahmen Parteichef kann sie sich, anders als auf Trump, verlassen - im Wahlkampf jedenfalls „ein Stück weit“.

Indiens Premierminister Reuters

Narendra Modi

Indiens Premierminister

Anders als der anscheinend pathologisch bockige US-Präsident bekennt sich Indiens Staatsführer Narendra Modi freudig zu Freihandel und Klimaschutz. „Wir gehören zu den offensten Volkswirtschaften der Welt und wollen uns weiter in globale wirtschaftliche Netzwerke integrieren“, sagt er im Handelsblatt-Interview. Solche Schalmeienklänge sind die beste Therapie für die Trump-geschädigte Angela Merkel, die an diesem Montag Modi in Berlin trifft.

Senior Editor

Hans-Jürgen Jakobs

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In Washington wiederum bleibt Donald Trump wenig Zeit, seine jüngste Neun-Tage-Reise zu verarbeiten. Er blickt nun nicht mehr auf den Papst, sondern in die Augen seines Schwiegersohns Jared Kushner und sieht hier vor allem eins: die Krise seiner eigenen Macht. Der 36-jährige Senior Adviser soll über einen neuen Geheimkanal zu Russland verhandelt und zudem bei der Angabe des eigenen Vermögens teure Kunstwerke verschwiegen haben. Das Weiße Haus bastelt inzwischen verzweifelt an einem Abwehrring gegen die reitenden Skandalboten und empfiehlt dem Commander-in-Chief, öfter mal nicht zu twittern.

Ex-US-Außenministerin. Reuters

Hillary Clinton

Ex-US-Außenministerin.

Hillary Clinton beobachtet das Ganze mit belustigter Abscheu. An diesem Donnerstag will die unterlegene Präsidentschaftskandidatin auf der Buchmesse „Book Expo“ in New York Tacheles reden. Schließlich muss sie die Neugier auf ihr im Herbst beim Verlag Simon & Schuster erscheinendes Buch steigern. Darin will die Politikerin darlegen, wie schmutzig, vielleicht auch wie Kreml-gesteuert der US-Wahlkampf war. Einen Titel gibt es noch nicht. Ein Adenauer-Klassiker bietet sich an: „Alle Wege führen nach Moskau.“

Im Spiegelsaal. AFP

Schloss Versailles

Im Spiegelsaal.

In Versailles, dem Sonnenkönigsort, empfängt der neue französische Präsident Emmanuel Macron an diesem Montag seinen russischen Kollegen Wladimir Putin. Es scheint eher eine Reise in die Vergangenheit als eine in die Zukunft zu sein. Anlass der Begegnung ist eine Ausstellung über einen Besuch des Zaren Peter der Große in Frankreich vor 300 Jahren. Vielleicht hilft bei der aktuellen Zaren-Nummer ja ein Blick auf die Wirtschaft: „Wenn es sich um Geld handelt, gehört jeder der gleichen Religion an“, wusste Voltaire.

Rechtzeitig vor Start seiner geplanten kabarettistischen Tournee im Sommer ist Peer Steinbrück Warm-Upper in eigener Sache. Der abgehalfterte SPD-Politiker nennt die Hundert-Prozent-Wahl seines Nachfolger-Kanzlerkandidaten Martin Schulz zum SPD-Chef unterm Strich „vergiftet“, die Partei habe plötzlich auf „Wolke sieben“ gesessen und die Leute würden sich wundern: „Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?“ Redet da jetzt Erich Steinbrück-Kästner? Altkanzler Gerhard Schröder jedenfalls nennt den Stand-up-Comedian, der mal Finanzminister war, laut „Bild“ ein wenig gallig einen „Spießbürger, der versucht, sich einen intellektuellen Anstrich zu geben - und das mögen wir nicht“.

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Start in die Woche, vielleicht sogar auf Wolke sieben. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor

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