Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2009

08:57 Uhr

Internationale Presseschau vom 14.1.2009

Frankreich denkt, Deutschland handelt

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert wohlwollend das zweite Konjunkturpaket der Großen Koalition, wundert sich aber über die vorgezeigte Harmonie. Vremya feiert den Sieg Russlands im Informationskrieg gegen die Ukraine. Das WSJ begrüßt den Plan der Citigroup, ein Drittel der Geschäftsbereiche abzustoßen. Fundstück: keine Blödheit der Vielen.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtchaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtchaftspresse.

Die Süddeutsche Zeitung kommentiert wohlwollend das zweite Konjunkturpaket der Großen Koalition. Zwar würden die vieldiskutierten "Steuersenkungen im Bonsai-Format" jetzt für Enttäuschung bei den Bürgern sorgen. Jenseits aller Phantomdiskussionen habe die Regierung jedoch ein Bündel geschnürt, das durchaus das Zeug habe, die tiefste Rezession seit dem Krieg zumindest abzumildern. Der wichtigste Beschluss sei der Umbau der Kurzarbeit, der dazu beitragen werde, dass diesmal weniger Menschen entlassen werden als in früheren Krisen. Fazit der Münchner: Mit ihren beiden Konjunkturpaketen im Gesamtvolumen von 75 Milliarden Euro werde Deutschland seiner Bedeutung als größte Volkswirtschaft der EU gerecht - und zwar schneller, als mancher "selbstverliebte Präsident" dies noch vor kurzem zu erkennen vermocht habe. "Um es mit den Worten des Franzosen Nicolas Sarkozy zu sagen: Frankreich denkt, Deutschland handelt."

Das Wirtschaftsblatt aus Österreich vergleicht die österreichischen und deutschen Konjunkturpakete. Während der österreichische Weg "nebulös" sei - Kanzler Werner Faymann plane ein Krisenpaket von acht Milliarden, beziehe dabei aber die Länderhilfen mit ein, was zeige, dass die Entlastung insgesamt zu gering sei -, lobt das Blatt den hohen Anteil an Infrastruktur­investitionen im deutschen Paket. Öffentlichen Ausgaben hätten gegenüber Steuersenkungen den Vorteil, dass sie schnell auf eine kränkelnde Konjunktur einwirkten. Abgabenentlastungen könnten zwar gerade in Krisenphasen von verängstigten Konsumenten gespart werden, zwängen aber öffentliche Institutionen und Sozialversicherungsträger zu Kostensenkungen. "Und sie sind nachhaltig. Sie wirken länger und entlasten nachfolgende Generationen. Der Investitionstropf dagegen darf nicht abgehängt werden, solange die ­Krise auch dauern mag."

"Ihr gemeinsamer Auftritt war ein seltsamer Start in Deutschlands Superwahljahr", beobachtet der Reuters-Blog die Pressekonferenz von Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. Während im Wahlkampf voraussichtlich die wirtschaftspolitischen Unterschiede der Parteien betont würden, sei es für einen Laien gestern schwer gewesen, sich vorzustellen, dass beide aus unterschiedlichen Parteien stammen. "Wann nehmen die beiden Top-Kandidaten für das Kanzleramt endlich ihre Boxhandschuhe und kämpfen um den wichtigsten Job im Land? Wie lange wird die gemeinsame Front halten", fragt Reuters abschließend.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×