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19.01.2009

12:54 Uhr

Internationale Presseschau vom 19.1.2009

Eine Müllhalde für Schrottpapiere

VonPeggy Pfaff

Die internationale Wirtschaftspresse wägt das Für und Wider einer "bad bank" ab und benennt Alternativen. Der Daily Telegraph sieht in der Eurozone einen "Volks-Kerker". Der Standard glaubt, dass Russland als klarer Sieger aus dem Gasstreit hervorgeht. Die Times of India zollt China Bewunderung und Respekt. Fundstück: Der Untergang des Hauses 740.

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Angesichts der Spiegel-Meldung, dass die zwanzig größten deutschen Banken wahrscheinlich faule Wertpapiere in einem Volumen von ungefähr 220 Milliarden Euro abschreiben müssten, glaubt die taz, dass die Gründung einer "bad bank" unumgänglich ist: "Eine bad bank bedeutet für den Staat tatsächlich ein gigantisches Risiko, weil er zur Müllhalde für unverkäufliche Schrottpapiere würde. Am Ende aber wird Steinbrück keine Wahl haben: Wenn er keine bad bank gründet, dann wird er einige deutsche Banken komplett verstaatlichen müssen." Auf den Verlusten bleibe der Finanzminister in jedem Fall sitzen, denn das Eigenkapital der Banken sei lächerlich. Und Gewinne machten die meisten Institute auch nicht mehr genug, um die Staatshilfen angemessen zu verzinsen. "Viele Banken waren Scheinriesen und sind jetzt nur noch leere Hüllen." Die USA mache vor, wie die nächste Etappe aussehe: "Der Staat gibt immer neue Anleihen aus, um die Kosten der Finanzkrise zu decken."

Für den San Francisco Chronicle ist die jüngste Ankündigung der US-Regierung, die Bank of America mit weiteren 20 Milliarden US-Dollar zu stützen, Anlass, das "Spiel" der Banken endgültig zu beenden: Nicht eine "bad bank" hält das Blatt für die Lösung, sondern Verstaatlichung: "Der Staat muss aktiv Investor werden und bestimmen, welche Bank gestützt und welche liquidiert wird. Er muss die Vorstände und Aufsichtsräte feuern und die Institute in Hände von Managern geben, die mit Geld umgehen können", fordert das Blatt. Grund seien die nach wie vor miserablen Ergebnisse: "Bislang haben 257 Finanzinstitute staatliche Hilfe in Höhe von 210 Milliarden Dollar erhalten. Und trotzdem mangelt es immer noch an Disziplin, trotzdem häufen sie weiter Verluste an." Zwar habe die Bank of America sich bereit erklärt, der Regierung eine Dividende von acht Prozent auf Frischkapital zu geben und sich freiwillig Restriktionen auferlegt, doch das reicht aus Sicht des Chronicles nicht: "Die US-Regierung sollte radikalere Maßnahmen durchsetzen und direkt eingreifen."

In Großbritannien bewertet die Sunday Times den Plan der Regierung, eine Versicherung gegen die Risiken fauler Kredite mit Steuergeldern zu finanzieren, kritisch. "Hat Premierminister Gordon Brown nicht bereits Milliarden Pfund an Steuergeldern in die Royal Bank of Scotland und in Lloyds TSB/HBOS gepumpt? Will er etwa sagen, dass er von seinen Ratgebern schlecht beraten oder von den Chefetagen dieser Banken gelinkt wurde?" Mit seiner Versicherung wolle er die Banken dazu bringen, wieder Geld zu verleihen. "Wir möchten alle gern glauben, dass dies die letzte Hürde ist, um das Ruder herumzureißen, doch wenn man sich das Maß an faulen Krediten bewusst macht, könnte das wieder nur ein Pflaster sein." Es gebe kein schnelles Heilmittel, denn die britischen Banken zu stützen sei nur Teil der Lösung: "Sie können die Lücken, die zum Beispiel das Verschwinden der deutschen Landesbanken vom britischen Bankenmarkt gerissen hat, nicht auffüllen."

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