Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2009

09:00 Uhr

Internationale Presseschau vom 30.1.2009

Ratlosigkeit in Davos

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse sucht beim Weltwirtschaftsforum vergeblich nach Auswegen aus der Wirtschaftskrise. Das Wirtschaftsmagazin Challenges zweifelt am Erfolg des gestrigen Generalstreiks in Frankreich. Die Süddeutsche warnt die Regierung davor, sich in der Finanzkrise als Hollywood-Held aufzuspielen. Fundstück: Allianz der Schnüffler.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der Business Report aus Südafrika registriert eine „trübe Stimmung“ am zweiten Tag des Weltwirtschaftsforums von Davos – einerseits weil die Nachrichten, die von der Außenwelt ins Alpendorf vordringen, ebenfalls ernüchternd seien, andererseits, weil von Veranstaltung zu Veranstaltung der Eindruck stärker werde, dass hier keine Lösungen hervorgebracht würden. „Natürlich hat das WWF nie eine Aussicht darauf gegeben, dass sich seine (...) Referenten zu einer Lösung durchringen könnten. Aber dennoch gab es die verzweifelte Hoffnung, dass dieser ganze Reichtum und die ganze Macht, die sich in ein Alpen-Skidorf quetscht, schließlich doch einen Plan ausarbeitet, um der Rezession zu entfliehen.“ Doch stattdessen hätten sich die Gäste in Platitüden und allzu offensichtliche Statements geflüchtet.

Die Neue Zürcher Zeitung ist genervt von der seit Jahrzehnten geführten Diskussion über Werte beim WWF – in diesem Jahr erneut vom Präsidenten Klaus Schwab sowie Großbritanniens Ex-Premierminister Tony Blair angestoßen. Der Aufruf zu einer Anpassung der Wertvorstellungen und zu mehr Verantwortungsgefühl sei indes missverständlich. „Er trifft nur jene, die in der letzten Zeit über Jahrhunderte bewährte Werte vergessen oder über Bord geworfen haben. Das waren und sind, auch wenn das mediale Getöse gelegentlich anderes vermuten ließe, doch nicht allzu viele.“ Der Anpassung der Werte hält das Blatt eine Rückbesinnung auf die von Religionen und Philosophien erörterten Laster und Tugenden – im Christentum u.a. Habgier, Hochmut und Maßlosigkeit – entgegen. „Mit einer Orientierung an diesem anthropologischen Erfahrungsschatz ersparte man sich manche vollmundigen Debatten.“

Der Standard unterhält sich in Davos mit dem US-amerikanischen Fondsmanager George Soros über die Wirtschaftskrise und entsprechendes Krisenmanagement. „Ich habe erwartet, dass die Krise bis an den Rand des Abgrundes reicht, aber nicht darüber hinaus“, kommentiert Soros das Ausmaß der Krise. „Wir sind weitermarschiert. Eigentlich ist das Finanzsystem kollabiert. Es gibt jetzt eine künstliche Lebenshilfe.“ Im Kampf gegen die Krise empfiehlt Soros einen globalen Rettungsplan, um besonders die aufstrebenden Länder darin zu unterstützen, sich an Konjunkturankurbelungsmaßnahmen zu beteiligen und eigene Pakete zu schnüren. Außerdem müsse die EU Bad Banks installieren. „Wenn sie das nicht macht, dann dürfte der Euro diese Krise nicht überleben.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×