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09.01.2009

07:54 Uhr

Internationale Presseschau vom 9.12.2008

Tabubruch statt Tsunami im Bankenmarkt

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert kontrovers den massiven Staatseinstieg bei der Commerzbank. Izvestia führt den Gasstreit auf innenpolitische Querelen in Kiew zurück. China Daily versichert, dass die Weltwirtschaftskrise der chinesischen Autobranche nur wenig anhaben könne. Fundstück: Anschubpaket für Knut.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtchaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtchaftspresse.

Die Neue Zürcher Zeitung ist nicht begeistert von der Beteiligung des Bundes an der Commerzbank, durch die ein „von Anfang an realitätsfremder Plan“ – unter schwierigsten Rahmenbedingungen aus zwei ertragsschwachen Banken mit sich stark überlappenden Geschäftsfeldern eine schlagkräftige Einheit zu formen – doch noch zustande komme. Die Sperrminorität des Bundes könnte jetzt dazu führen, dass die Bank künftig in erster Linie politisch opportune, auf eine „Besänftigung der Volksseele“ zielende Auflagen erfüllen müsse. Als Profiteur der gegenwärtigen Entwicklung macht das Blatt die Deutsche Bank aus. „Denn für ein Institut gibt es wohl keinen eindrücklicheren Beweis von Solidität und Vertrauenswürdigkeit als den, eine so tiefe Krise aus eigener Kraft durchzustehen.“

Auch Bild in Berlin schimpft über den massiven Staatseinstieg bei der Bank: Wieder einmal müssten die Steuerzahler ausbaden, was Bankmanager angerichtet hätten. So habe sich die Commerzbank am Kauf der Dresdner Bank völlig überhoben. „Dass dieser Deal jetzt mit Steuerngeldern gerettet wird, ist der eigentliche Skandal! Seit gestern steht fest: Die Finanzkrise ist noch lange nicht ausgestanden und nimmt immer beängstigendere Ausmaße an!“

Die Zeit begrüßt den massiven Staatseinstieg bei der Commerzbank, zu der es keine Alternative gebe. Das Problem der Commerzbank und ihrem Fusionspartner Dresdner Bank bestehe darin, dass ihr Kapital wegen der Finanzkrise schmelze. „Wenn der Staat nichts tut, muss die Kreditvergabe eingeschränkt, die volkswirtschaftlich sinnvolle Fusion abgesagt und das Institut schlimmstenfalls abgewickelt werden.“ Der Preis dieses Szenarios wäre ein neuer „Finanztsunami“ sowie noch weniger Kredite für die Unternehmen. Die jetzt investierten Steuermilliarden seien gut angelegt: Das Volksvermögen steige, außerdem lasse die Regierung sich in harter Währung bezahlen, in vollwertigen Commerzbankaktien. „Sie kann damit Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen und sicherstellen, dass das Geld der Steuerzahler nicht verschwendet wird.“

Aus Sicht der Süddeutschen Zeitung bricht der Bund mit dem Einstieg bei der Commerzbank ein wirtschaftspolitisches Tabu, denn noch vor einem halben Jahr wäre es unvorstellbar gewesen, dass eines der großen Kreditinstitute in Deutschland teilweise verstaatlicht. „Deutlich wie nie zuvor wird damit den Bundesbürgern vor Augen geführt, wie schlecht es um die Banken des Landes bestellt ist. Ein Institut nach dem anderen taumelt: erst BayernLB und Hypo Real Estate, nun auch HSH Nordbank und Commerzbank“, blicken die Münchner zurück. Und prognostizieren, dass auch hierzulande bald, ähnlich wie in den USA oder Großbritannien, weitere Banken teils oder ganz verstaatlicht würden. „Die Bundesregierung, die anfangs davor zurück geschreckt ist, wird unter dem Druck der Finanzkrise auch dieses wirtschaftspolitische Tabu brechen müssen.“

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