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04.07.2011

07:14 Uhr

Presseschau

„Ackermann ist nicht unersetzlich“

Nach der Entscheidung Axel Webers für die UBS sieht die internationale Presse die Deutsche Bank vor einer Zerreißprobe alttestamentarischen Ausmaßes. Für die Financial Times sind Gewerkschaften nur noch ein Relikt. Les Echos sieht düstere Wolken am chinesischen Autohimmel. Die Presseschau.

Josef Ackermann: Nach dem Weggang von Axel Weber wird die Suche für einen Nachfolger nicht einfacher. Quelle: dpa

Josef Ackermann: Nach dem Weggang von Axel Weber wird die Suche für einen Nachfolger nicht einfacher.

„Es gibt viele, die Josef Ackermann bei der Deutschen Bank für unersetzlich halten - inklusive Ackermann selbst. Das heißt aber noch lange nicht, dass er auch wirklich unersetzlich ist“, schreibt die Financial Times Deutschland. Nach dem Weggang Axel Webers zur UBS scheine Ackermann Aufsichtsratschef Clemens Börsig schnell beerben zu wollen, zwischen den beiden sei ein „alttestamentarischer“ Machtkampf entbrannt: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Dabei würde Ackermann der Bank schaden, wechselte er sofort in das Gremium: „Ein Aufsichtsrat soll den Vorstand überwachen und kontrollieren. Das kann er aber kaum leisten, wenn dieselben Personen noch wenige Monate zuvor selbst das Unternehmen führten.“ Das Aktiengesetz sehe zu Recht eine „Abkühlzeit“ von zwei Jahren vor, diese müsse auch für Ackermann gelten. Danach werde sich zeigen, ob er wirklich so unersetzlich ist - und im Aufsichtsrat gebraucht wird.

Die Financial Times aus London glaubt, dass die Führungsriege der Deutschen Bank kurz davor stehe, einen „Krieg“ mit Ackermann und Börsig zu führen: „Einige von ihnen meinen, dass Börsig gezwungen werden sollte, aufgrund der verpatzten Nachfolgesuche zurückzutreten.“ Ackermann habe sich Weber als Nachfolger gewünscht, ihm seien jedoch die Hände gebunden gewesen, da die Nachfolge bei der Deutschen Bank traditionell vom Aufsichtsrat geregelt werde. „Ackermann soll Insiderinformationen zufolge wütend gewesen sein, dass der Aufsichtsrat sich nicht schneller mit Weber einig geworden ist.“ Weber wäre ein sehr fähiger Mann für den Posten des CEOs gewesen - mit dem Investment-Bank-Chef Anshu Jain an seiner Seite. Die ohnehin angespannte Atmosphäre zwischen Ackermann und Börsig habe sich nun verschärft. „Doch bereits vor der Bekanntgabe der UBS, Weber als Präsidenten gewonnen zu haben, waren viele Banker der Meinung, dass der Prozess zur Nachfolgeregelung bei der Deutschen Bank vergleichbar sei mit der chaotischen Übergabe bei der HSBC im vergangenen Herbst.“

Als Verlust für die Deutsche Bank und für Deutschland wertet die Börsen Zeitung die Verpflichtung von Weber als Präsident der UBS. „Warum hat die Deutsche Bank dem früheren Bundesbank-Präsidenten nicht ein ähnliches Modell angeboten, wie es jetzt die UBS tut?“, fragt sie Zeitung - und fügt hinzu, dass - in der Rechtsform der SE mit einem einstufigen Führungsgremium - Weber als Chairman und Jain als CEO ein „Dream Team“  gewesen wären. Doch dazu hätte es einen Aufsichtsratsvorsitzenden gebraucht vom Typ „Wegbereiter“ - und nicht vom Typ „Kontrolleur“, wie es Clemens Börsig sei. Dies sei seine zweite große Panne bei der Suche nach einem Ackermann-Nachfolger. Doch auch für letzteren sei die Weber-UBS-Personalie eine Schlappe, weil er zuletzt den Eindruck verbreitet habe, dass er sich nun auch persönlich um seine Nachfolge kümmere. Für Deutschland sei Webers Wechsel eine schlechte Nachricht, weil das Land mit ihm „Spitzenpersonal“ an die Schweiz verliere. „Glückwunsch UBS, Beileid Deutsche Bank!“

Aus Sicht des Wall Street Journals wird die Suche für einen Nachfolger Ackermanns auf dem Posten des CEOs nicht einfacher: „Die Deutsche Bank zu führen, erfordert ein unübliches Maß an politischer Intelligenz gepaart mit finanzieller Fachkompetenz.“ Investoren hätten bereits gewarnt, dass eine langwierige, hinter den Kulissen geführte „Nachfolgeschlacht“ der Bank schade und man am Ende womöglich ohne einen starken Nachfolger dastehe. Dass Weber nun aus dem Rennen sei, mache nicht automatisch den Weg für Jain frei: Er spreche nicht fließend Deutsch, deshalb sei seine Wahl nicht wahrscheinlich. „Doch die Investoren sehen in ihm den besten Kandidaten für den Job. Die Frage ist nun, ob es unbedingt ein Mr. Germany sein muss.“ Denkbar wäre eine doppelte Führungsspitze, neben Jain könnte CFO Stefan Krause aufrücken.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

04.07.2011, 09:03 Uhr

Erfahrung im Inverstme Nachdem Weber zur USB gegangen ist, geht die Suche nach einem Nachfolger für Achermann weiter.
Wie wäre es mit dem ehemaligen Chef der HRE, Georg Funke,
Der hat einschlägige Erfahrung im Inverstmentgeschäft

flyingfridge

04.07.2011, 10:19 Uhr

Hieß es nicht kürzlich noch "Too bog to fail" sollte es in Zukunft nicht geben? Das wäre doch die Gelegenheit, die Deutsche Bank zu zerschlagen in mindestens zwei Teile: eine Zockerbude, genannt Investment-Bank, und einen Teil mit den soliden Aufgaben einer Bank wie Einlagen und Kleinkredite.

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