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15.11.2011

07:33 Uhr

Presseschau

Ackermanns Angst vor dem Scheitern

VonMaxim Kireev

Die Wirtschaftspresse begrüßt den Verzicht des Deutsche-Bank-Chefs auf den Aufsichtsratsposten. Rätselhaft bleibt der wahre Grund für seine Entscheidung.

Verrückte Tage in der Zentrale der Deutschen Bank. dpa

Verrückte Tage in der Zentrale der Deutschen Bank.

DüsseldorfDie Süddeutsche Zeitung zweifelt an dem offiziellen Grund für den Verzicht Josef Ackermanns auf den Aufsichtsratsposten bei der Deutschen Bank. Das Institut habe erklärt, dass die aktuelle Lage auf den internationalen Finanzmärkten seine volle Aufmerksamkeit verlange. Nach dem deutschen Aktiengesetz brauche ein Vorstand für den direkten Wechsel die Unterstützung von 25 Prozent der Aktionäre. Deren Struktur sei bei der Deutschen Bank zwar zersplittert, wenn Ackermann es jedoch drauf angelegt hätte, dann hätte er die 25 Prozent „ohne großen Zeitaufwand zusammenbekommen“, glaubt das Blatt. Auch die Version, Ermittlungen gegen den Chef der Deutschen Bank wegen Falschaussage hätten ihn zum Rücktritt bewegt, seien in Finanzkreisen dementiert worden. Vielmehr sei Ackermann insgeheim mit der Doppelspitze Anshu Jain und Clemens Börsig nie so recht glücklich gewesen. Nach zehn Jahren an der Spitze der Deutschen Bank wolle er es scheinbar gerne ruhiger angehen lassen.

„Ackermanns Rücktritt ist gut und richtig“, titelt die Financial Times Deutschland und hält die offizielle Begründung für eine Nebelkerze. Ackermann kämpfe momentan an zwei Fronten: gegen die Justiz und Staatsanwaltschaft einerseits und gegen opponierende Fonds, die sich gegen einen sofortigen Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat sperrten, andererseits. Da klinge es wie eine Ausrede, er sei mit der Finanzkrise zu sehr beschäftigt, schließlich sei dies im Sommer nicht anders gewesen, als die Idee ihn in den Aufsichtsrat zu hieven, geboren worden sei. Naheliegend scheine dagegen, dass Ackermann gefürchtet habe, dass seine Unterstützer bei der Wahl zum Aufsichtsrat ihm angesichts der Ermittlungen ihre Stimme versagen. Im Ergebnis sei der Rückzieher gut, denn die Gefahr sei zu groß gewesen, dass Ackermann zu viel Einfluss auf das operative Geschäft genommen hätte.

Die Börsen-Zeitung feiert einen Sieg für das Prinzip der guten Unternehmensführung und nennt Ackermanns Schritt eine „keineswegs kurzfristige Entscheidung“. Der direkte Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat sei aus guten Gründen verpönt, was die Intrigen bei der Deutschen Bank bewiesen hätten. Die aktuelle Personalentscheidung sei allerdings nur ein Ausgangspunkt für neue Spekulationen, welches Lager sich nun durchgesetzt habe. Paul Achleitner, der neue Mann für den Posten des Aufsichtsratschefs, müsse seine Eignung indes noch beweisen. Gegen Achleitner spreche vor allem seine Herkunft als Versicherungsmann, sein unglücklicher Einkauf bei der Dresdner Bank und die mangelnde Kenntnis der Innenpolitik der Bank. Für ihn spreche eine „exzellente Kapitalmarktexpertise“, seine Kontakte zur Politik, zudem werde ihm seine „unprätentiöse Art“ viele Türen in der Bank öffnen. Fazit: Seine Berufung sei ein gelungener Befreiungsschlag für die Bank.

Die Financial Times nimmt die neuen Ministerpräsidenten Italiens und Griechenlands vor dem Vorwurf in Schutz, ihre Ernennung demonstriere die undemokratische Natur des europäischen Projekts. Trotzdem seien sie vielleicht diejenigen, die schwierige Entscheidungen treffen könnten. Ihre Biografien seien erstaunlich ähnlich: Ökonomen, ausgebildet in den USA. Doch während ihre Qualifikationen den Märkten zusagten, brächten sie die Globalisierungsgegner in Rage. Der Druck auf die Herren Monti und Papademos, Wunder zu vollbringen, sei deshalb besonders hoch. Falls sie scheiterten, bekämen nicht nur in ihren Ländern, sondern in ganz Europa Extremisten beider Flügel starken Zulauf. Allein in Griechenland unterstütze bereits ein Drittel links- oder rechtsextreme Parteien.

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