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08.07.2011

07:40 Uhr

Presseschau

Ackermanns letzter Kampf

VonPeggy Pfaff

Die internationale Presse fragt: Sind die USA bald zahlungsunfähig? Außerdem kommentiert sie den Machtkampf um die neue Führungsspitze der Deutschen Bank. Ein weiteres Thema: Der Eurozone rennt die Zeit davon.

Ackermann: Kampf um seine Nachfolge. Quelle: dpa

Ackermann: Kampf um seine Nachfolge.

DüsseldorfDas Wall Street Journal porträtiert Anshu Jain, den möglichen neuen CEO der Deutschen Bank. Das Finanzinstitut arbeite fieberhaft einer Nachfolgelösung und favorisiere eine Doppelspitze mit Jain, denn „die Investoren haben die Sorge, dass Jain die Bank verlässt, sollte er übergangen werden.“ Immerhin leite Jain mit dem Londoner Investmentgeschäft den profitabelsten Bereich der Deutschen Bank und steuere den größten Gewinnanteil bei. Dabei könne sich Jain auf seine „Anshu-Armee“ - seine Trader und Banker in London - verlassen. Auch verdiene er schon mehr als Josef Ackermann: „Letztes Jahr hat Jain unterm Strich 7,6 Millionen Euro erhalten, Ackermann 6,3 Millionen Euro.“ Als Jain bei Merrill Lynch angestellt war, habe sein damaliger Boss Edson Mitchell ihn und weitere Kollegen darauf angesetzt, mehr aus der Deutschen Bank zu machen: „Unter der Führung von Merrill Lynch - und somit auch mit Jain - wurde aus dem schläfrigen Darlehensgeber ein in Geschäften und Handel äußerst aktives und fähiges Powerhouse.“

Als „Joker“ für die Deutsche Bank bezeichnet die Financial Times Deutschland Jürgen Fitschen, Regionalvorstand und möglicherweise neben Anshu Jain neuer Vorstandschef des Finanzinstituts. „Bis vor Kurzem war unsicher, ob er überhaupt einen neuen Vertrag erhalten würde. Jetzt steht er vor seinem größten Karrieresprung.“ Fitschen profitiere vom „großen Durcheinander“ bei der Suche nach einem Nachfolger für CEO Josef Ackermann. Er verfüge über „soldatische Qualitäten“, die die Mitglieder des Nominierungsausschusses wohl gerade angesichts des „Tohuwabohu“ schätzen: „Unermüdlich und loyal für die Bank im Einsatz, tief verwurzelt bei der Kernklientel der Bank, den deutschen und internationalen Unternehmenskunden.“ Für die Deutsche Bank sei er viel um die Welt gereist, seine Zeit in London und sein Job als Regionalvorstand würden ihm in der Zusammenarbeit mit seinem möglichen Co-Chef Jain helfen. Und: Ihr Verhältnis gelte als frei von grundsätzlichen Animositäten.

Die Financial Times aus London glaubt, dass den Investoren nicht so wichtig sei, wer als zweiter Vorstandschef benannt wird - viel größere Bedeutung habe, dass Anshu Jain künftig die operativen Geschäfte der Bank leitet. „Er hat lange gekämpft, um die Deutschen davon zu überzeugen, dass er ein fähiger CEO wäre.“ Derzeit lerne er Deutsch - sozusagen als Charmeoffensive - , doch ohnehin habe sich die Stimmung in Frankfurt zu seinen Gunsten geändert, weil klar geworden sei, dass ihm nur wenige, genauso fähige Kontrahenten in der Deutschen Bank gegenüber stehen. Die Wahl Jürgen Fitschens stehe noch nicht fest, Werner Wenning, früherer Bayer-Chef und ebenfalls Mitglied des Nomminierungsausschusses, sei nicht sicher, ob Fitschen geeignet sei. „Er wird bald 63, außerdem kommt er aus dem Umfeld Jains, hinsichtlich ihrer Geschäfterfahrungen würde das Duo keine gute Balance darstellen.“ Ähnliches gelte für CRO Hugo Bänziger. „Bliebe noch Rainer Neske. Immerhin hat er die Investoren mit seinem Handling der Postbank-Übernahme beeindruckt.“

Aus Sicht der Süddeutschen kämpft Josef Ackermann seinen „letzten Kampf“: Für den lange als mächtigsten Mann der deutschen Wirtschaft gehandelten Deutsche Bank-Chef scheine ausgerechnet in der Auseinandersetzung um seine Nachfolge sich nun das Blatt gegen ihn zu wenden. Aufsichtsratschef Clemens Börsig favorisiere Jürgen Fitschen, doch Ackermann würde lieber seinen Intimus Hugo Bänziger an der Seite Anshu Jains sehen. Das Ackermann-Lager fürchte, dass die Kräfte bei einer Doppelspitze Jain/Fitschen nicht richtig ausbalanciert wären. „Fitschen, 62, so die Sorge, müsste nach zwei, drei Jahren gehen, dann könnte Jain die ganz Macht im Konzern an sich reißen.“ Gegen Bänziger spreche aber, dass er bei den Londoner Investmentbankern nicht beliebt sei. Zwar sei er als Risikovorstand fachlich versiert, er könnte aber allzu riskanten Geschäften der Investmentbanker um Jain Einhalt gebieten. „Streit mit Jain wäre in dieser Konstellation von Anfang an programmiert“, zitiert die Zeitung aus dem Umfeld der Bank. Nun hänge alles davon ab, ob Ackermann Tilman Todenhöfer und Werner Wenning im Nominierungsausschuss von seiner Sicht überzeugen könne.

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