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19.08.2011

07:38 Uhr

Presseschau

Air Berlin ist nicht die Bahn, Herr Mehdorn

Die Wirtschaftspresse ist überrascht über den Wechsel an der Air-Berlin-Spitze und weiß nicht, was sie davon halten soll. Auch das Schuldendrama beschäftigt die Blätter: Sie rüffeln den ungehörigen Jean-Claude Trichet.

Großes Thema in der Presse: Der Wechsel von Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn an die Spitze von Air Berlin. Quelle: dapd

Großes Thema in der Presse: Der Wechsel von Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn an die Spitze von Air Berlin.

Nicht allzu lange ist es her, da wiesen Air-Berlin-Offizielle noch einen Bericht des manager magazins zurück, nach dem die Zeit von Gründer Thomas Hunold ablaufe. Am Donnerstag trat Hunold überraschend zurück. Ebenfalls überraschend: sein Nachfolger wird Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.

Bahnchef Mehdorn heiße mit echtem Vornamen Hartmut, erinnert die Onlineredaktion der Süddeutschen Zeitung. Mit seiner Funktion sei er so verschmolzen gewesen, dass ihn manche noch zwei Jahre nach seinem Abgang für den Bahnchef hielten. Zeit, dass die Konstellation aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verschwinde, findet das Blatt. Der Job, als Nachfolger von Joachim Hunold die kriselnde Fluggesellschaft Air Berlin zu sanieren, passe auch eigentlich viel besser zu ihm als die Tätigkeit bei der Bahn, glaubt die SZ. „Tatsächlich ist es für Mehdorn eine Rückkehr zu seinen Anfängen, manche werten es gar als die Erfüllung eines Traumes.“ Schon als Kind sei er oft zum Flughafen Tegel geradelt, um Starts und Landungen zu beobachten. Die Fluggesellschaft seines Freundes Hunold sei zudem Vorbild für den umstrittenen Sparkurs bei der Bahn gewesen.

Auch die WirtschaftsWoche sieht den Wechsel des Ex-Bahn-Chefs als Rückkehr zu seinen Wurzeln. Rechnet aber mit ihm ab: So kühn Mehdorn zum weltweiten Logistiker aufgestiegen sei, so wenig habe er bei den Millionen von Menschen reüssiert, die sich täglich in überfüllten und verspäteten Zügen auf den Weg zur Arbeit machen. Unter ihm sei die Bahn zum Hassunternehmen avanciert, er selbst sogar zum unsympathischsten Deutschen, erinnert das Blatt und hält ihm den abgeblasenen Börsengang ebenso vor wie den Datenskandal wenig später. „Nun steht Mehdorn wieder im Fokus. Erneut hat er eine schwere Aufgabe.“ Kein Job, mit dem Mehdorn seien ramponierten Namen aufbessern könne, weiß das Blatt. „Aber immerhin kann der Ex-Bahnchef nun ungeniert in den Flieger steigen.“ Dass er nicht die Bahn nehme, werde Mehdorn nun keiner verübeln.

Hartmut Mehdorn: Der Abgeschriebene ist zurück

Hartmut Mehdorn

Der Abgeschriebene ist zurück

Hartmut Mehdorn entwickelte sich als Bahn-Chef zum Prügelknaben der Republik. Doch jetzt ist er wieder da - als Übergangschef der Fluggesellschaft Air Berlin. Was viele nicht wissen: Die Branche kennt er gut.

Die Entscheidung Körbers, die Geschäfte in die Hände des früheren Bahn-Chefs Hartmut Mehdorn zu legen, könne man nur als einen Akt der Verzweiflung bezeichnen, bemängelt das manager magazin. Fachlich sei der Neue für die Aufgabe ungeeignet. „Seine Erfahrungen als ehemaliger Airbus-Manager stellen in Wahrheit keine wirkliche Qualifikation dar“, kritisiert die Onlineredaktion des Wirtschaftsmagazins. Schließlich sei Flugzeugbau ein Industriegeschäft, während Fluglinien im Dienstleistungsgewerbe operierten. Und dass er „vom diffizilen Geschäft mit Service am Kunden nichts versteht, hat er bei der Deutschen Bahn hinreichend bewiesen.“ Das Aufsichtsgremium erwarte von Mehdorn, dass er die bereits beschlossenen Sparmaßnahmen und Restrukturierungen zügig vorantreibt. Laufe es gut, werde er nur den Übergang regeln – „zu einem qualifizierten neuen Chef, vor allem aber einem neuen Eigentümer“. Laufe es schlecht, müsse man wohl Abschied von einer durchaus beliebten Fluglinie nehmen. „Es wäre schade drum.“

Der Rücktritt von Air-Berlin-Chef Joachim Hunold sei chaotisch und womöglich auch spontan gewesen, stellt die Financial Times Deutschland fest. „In jedem Fall aber ist dieser Abgang für den Unternehmer, der Air Berlin zu einem veritablen Lufthansa-Rivalen aufgebaut hat, unwürdig“, findet die FTD. Hunold und seine Führungskräfte hätten den Wechsel koordinierter abwickeln sollen. Angeblich habe Hunold erst am Morgen seinen Rücktritt beschlossen. Nachdem er immer bestritten habe, dass er alle wichtigen Entscheidungen vorrangig mit sich selbst ausmacht und andere zu wenig einbinde, habe er mit seinem Abgang aber bewiesen, dass an dieser Darstellung etwas dran sei. Von seinen 9000 Mitarbeitern sähen viele in Hunold eine Art Vaterfigur. Sie müssten aus der Presse erfahren, dass er gehe. „Schade, dass Hunold sich diese Chance vergeben hat.“

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

19.08.2011, 08:49 Uhr

Joachim Hunold tritt zurück und Hartmut Mehdorn wird neuer Interimschef.

- jener Mehdorn, der die Bahn kaputtsparte
- jener Mehdorn, der die Wartungsintervalle verlängerte
- jener Mehdorn, der das Personal ausdünnte
- jener Mehdorn, der Schuld an der Misere der Bahn ist
- jener Mehdorn, der Schuld an der Misere der Berliner S-Bahn ist.

Dieser Mehdorn soll/will air Berlin "sanieren"?
Da wird/wurde der Bock zum Gärtner gemacht!
Hasta la vista, AB!

Zitat:
Geschmeidige Diplomaten sind sie beide nicht. "Rambo der Lüfte" nennen Kritiker Joachim Hunold. Als mindestens so hemdsärmelig und machtbewusst gilt sein Manager-Kollege Hartmut Mehdorn. Insofern können die Mitarbeiter der Fluggesellschaft Air Berlin auf einen konstanten Führungsstil setzen: Mehdorn soll Hunold als Chef der Airline ablösen.
Zitat Ende:

OK, Mehdorn mag nicht so umgänglich sein wie ein Gutmensch, er mag auch ab und an cholerisch wirken, aber das ist nun mal seine Natur! Wer widerspricht, der fliegt!

Zitat:
Mehdorns Aufgabe ist klar definiert: Air Berlin braucht eine harte Sanierung.
Zitat Ende:

Dann werden bald "untaugliche" Klimaanlagen eingebaut, Stellen gestrichen, der Service zurückgefahren und an den Ticketschaltern/check-in wird eine "Service Gebühr" fällig!
Die Wartungsintervalle werden verlängert oder fallen weg und unrentable Strecken werden gestichen. Das hat AB schon angekündigt.

Hallo Herr Mehdorn, wenn in einem Flieger die Klimaanlage ausfällt, ist das nicht so einfach wie im Zug. Auch einfach anhalten klappt nicht!

Es kommen harte Zeiten auf AB zu.

Durchschnittsverbraucher

19.08.2011, 09:38 Uhr

Ob Hunold oder Mehdorn, ob Billigflüge oder anderes Billigprodukt, wenn Verbraucher nicht endlich begreifen, dass ALLES einen Preis, hat wird es weniger dieser Supermanager geben.Auch müssen Verbraucher daran denken, dass hinter Unternehmen, Banken etc. Menschen stehen "nur" kleine Angestellte, die sich über Lohnerhöhungen freuen. Wloher nehmen, wenn nicht stehlen?

Account gelöscht!

19.08.2011, 09:57 Uhr

Mein Urlaub ist leider schon gebucht! Das wird aber der letzte Flug mit Air Berlin sein!

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