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18.01.2011

07:02 Uhr

Presseschau

„Apple ist ein Staat und braucht einen Führer“

VonMaxim Kireev

Die internationale Wirtschaftspresse macht sich Sorgen um Apple wegen der ungewissen Auszeit für Steve Jobs und findet keinen Ersatz für den Firmenchef. Nun rächt sich für manchen Kommentatoren, dass Jobs bei Apple eine übergroße Rolle spielt.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.  Quelle: dpa

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse. 

 

Die erneute Beurlaubung von Steve Jobs aus gesundheitlichen Gründen werfe wieder die Frage nach der Länge der Ersatzbank in Apples Vorstand auf, schreibt das amerikanische Wall Street Journal. Kurzfristig, daran bestehe kein Zweifel, werde Tim Cook das Unternehmen führen, der Jobs bereits 2004 und 2009 vertreten habe. Es sei allerdings unklar, was passiert, wenn Jobs, ein Star-Manager, der wegen seines großen Einflusses auf das Produktdesign und Marketing für viele unersetzbar scheine, länger längere Zeit ausfalle. „Cook ist kein Produktvisionär wie Jobs“, meint das Blatt. Natürlich gebe es noch außer Tim Cook andere fähige Manager bei Apple. „Jobs hat jedoch eine übergroße Rolle bei den Schlüsselentscheidungen gespielt“, rekapituliert die Zeitung. Niemand habe das Gespür gehabt, unnötige Funktionen von Produkten zu streichen, um sie einfacher zu machen, oder die Entwicklung des Marktes abzuwarten, ehe ein Produkt eingeführt werde.

Die Financial Times Deutschland sieht Apple wegen der „Auszeit des Visionärs“ vor großen Problemen. Das Unternehmen brauche Steve Jobs momentan dringender denn je, denn die Konkurrenz bei Handys und Tablet-PCs hole auf. Der Erfolg des Elektronikkonzerns Apple sei eng verbunden mit dem Namen Steve Jobs. Auf sein Konto gehe die Einführung des iPods, des iPhones und schließlich des iPads. Seit Jobs Rückkehr zu Apple im Jahr 1996 sei der Aktienkurs um 8000 Prozent geklettert. Doch allein wegen seiner Auszeit hätten die Apple-Papiere am Montag in Europa um acht Prozent nachgegeben. Jobs Rolle sei gleichzeitig eine Gefahr für Apple. Gerade jetzt, wo Google mit seinem Betriebssystem Android und andere Tablet-Hersteller aufholten, brauche das Unternehmen einen genialen Vordenker. Auch die Branche habe einen der wichtigsten Impulsgeber vorerst verloren.

Der Wirtschaftsdienst Reuters plädiert für eine offizielle Delegierung von Steve Jobs' Macht. Zwar werde das tägliche Geschäft erneut an Tim Cook übertragen, Jobs bleibe jedoch Vorstandsvorsitzender. Diesmal sei die Länge der Auszeit jedoch unbestimmt. „So schmerzhaft es auch sein mag, eine offizielle Machtübergabe wäre besser gewesen“, schreibt Reuters. Die unbestimmte Auszeit lasse die Sorgen bei Investoren und Mitarbeitern dagegen wachsen, weil auch die Sorgen um Jobs Gesundheit größer würden. „Unter diesen Umständen wäre es besser für Apple gewesen, Tim Cook als amtierenden Geschäftsführer zu benennen“, meint Reuters. Jobs Rolle bei Apple sei übergroß, und er sei zweifelsohne der beste Manager im Technologiebereich. Sein Ruf beruhe aber gerade darauf, das Unternehmen auf einer gesunden Basis zu halten. „Auch wenn dies bedeutet, seinen Griff zu lockern“.

Auch das amerikanische Magazin Fortune macht sich Sorgen um die langfristige Entwicklung von Apple in Abwesenheit von Steve Jobs. Auch wenn es dem Unternehmen unter Tim Cook kurzfristig gut gehen werde, der Ausblick sei weniger optimistisch. „Jeder der glaubt Apple könne auch ohne Jobs weiter dahintuckern, täuscht sich selbst“, zitiert das Blatt einen ehemaligen Apple-Manager, der nicht namentlich genannt wird. Apple sei ein Staat und als solcher brauche es einen Führer, heißt es weiter. Sollte Jobs nicht an seinen Posten zurückkehren, werde das Unternehmen zuerst für eine Weile dahinsegeln. Und die Welt werde erfahren, wie talentiert das Management-Team rund um Cook sei. „Danach kommt jedoch die Sintflut“, meint Fortune. Welcher Außenstehende werde so töricht sein, den Job einer Ikone zu ersetzen? Und welcher Insider könnte sich so viel Respekt erhoffen, wie ihn Jobs momentan besitze?

 

Kommentare (1)

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marius

18.01.2011, 08:34 Uhr

ich denke es ist nicht mehr so, dass Apple so sehr von Steve Jobs abhängig ist wie es vielleicht vor einiger Zeit noch war. Tim Cook hat schon bei der letzten Pause von Steve gezeigt wie sehr er auch alleine das Ruder in die Hand nehmen kann, ohne das Schiff gegen einen Eisberg prallen zu lassen. Steve wird die Werte die für ihn den Erfolg ausmachen, mit Sicherheit fest im Unternehmen verankert werden. Dennoch wird das Publikum, im Falle eines Abgangs von Steve, die neue Führungspersönlichkeit erst einmal lieb gewinnen werden müssen.

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