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29.06.2011

07:46 Uhr

Presseschau

Auf Lagarde warten viele Baustellen

VonDaniel Lenz

Die internationalen Medien attestieren der neuen IWF-Chefin, Christine Lagarde, Flair, Sachkenntnis und diplomatisches Verständnis. Das braucht sie auch, denn auf die Französin warten viele Probleme, die sie lösen muss.

Die französische L'Expansion hat für Lagarde bereits eine Agenda aufgestellt. Quelle: Reuters

Die französische L'Expansion hat für Lagarde bereits eine Agenda aufgestellt.

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde rückt als erste Frau an die Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Verwaltungsrat der Institution entschied sich am Dienstag für die 55-Jährige. Lagarde wird Nachfolgerin von Dominique Strauss-Kahn, der Mitte Mai wegen Vergewaltigungsvorwürfen festgenommen wurde.

Das französische Wirtschaftsblatt L’Expansion stellt für Lagarde eine Agenda auf. Die Französin müsse vorderhand Interessenskonflikte vermeiden, indem sie den Fokus nicht primär auf die Belange Frankreichs und Europas – beispielsweise in der griechischen Schuldenkrise – lege.

Mit Blick auf die Schwellenländer müsse Lagarde verhindern, dass sich diese von den Institutionen von Bretton Woods verabschieden und eigene Kooperationsgremien gründeten. Beim Währungsfonds selbst müsse sie dafür sorgen, dass dieser seine Relevanz behalte, indem sie den Kurs von Strauss-Kahn fortsetze, der aus einem altmodischen Gremium einen unverzichtbaren Akteur des weltweiten Finanzsystem gemacht habe.

Die Wahl Lagardes untermauere lediglich den Status quo, kommentiert die Neue Zürcher Zeitung mit deutlich kritischen Untertönen. Nicht nur sei es unerklärlich, dass nach den Vorfällen um Dominique Strauss-Kahn eine juristisch nicht über alle Zweifel erhabene Person überhaupt portiert worden sei – Hintergrund: Lagarde geriet ins Visier der Justiz, weil sie den konservativen Unternehmer Bernard Tapie in einem Verfahren begünstigt haben soll. Die „Zahlmeister“ des IWF könnten die Wahl Lagardes bereuen, sobald  in Schwellenländern neue Krisen ausbrechen und der IWF auf den Plan gerufen werde oder aber die Schwellen- und Entwicklungsländer die bei IWF-Krediten heilige Gleichbehandlung einforderten.

Les Echos aus Frankreich gibt einen Überblick über die Baustellen, die auf Lagarde warteten: Die Auswirkungen der Krise von 2008 seien noch nicht überstanden, und Europa „kumuliere“ die Probleme aktuell. Als Verfechterin eines „gemäßigten Liberalismus“ werde sie diese Haltung auch bei der Regulierung der Finanzmärkte und der Harmonisierung der internationalen Wirtschaftspolitik einbringen müssen. Schließlich werde sie sich dem Druck der Schwellenländer ausgesetzt sehen, den IWF selbst zu reformieren.

Kommentare (1)

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01.07.2011, 15:14 Uhr

Weshalb Frau Lagarde den IMF Posten besteigen durfte:

10.2.2011 - UK Telegraph

"Dominique Strauss-Kahn, managing director of the International Monetary Fund, has called for a new world currency that would challenge the dominance of the dollar and protect against future financial instability.....

He suggested adding emerging market countries' currencies, such as the yuan, to a basket of currencies that the IMF administers could add stability to the global system....Strauss-Kahn saw a greater role for the IMF's Special Drawing Rights, (SDRs) which is currently composed of the dollar, sterling, euro and yen, over time but said it will take a great deal of international cooperation to make that work."

http://www.telegraph.co.uk/finance/currency/8316834/International-Monetary-Fund-director-Dominique-Strauss-Kahn-calls-for-new-world-currency.html

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