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30.04.2012

07:48 Uhr

Presseschau

Aufräumen in Hellas

VonDaniel Lenz

Während die Euroland-Krise aktuell besonders in Spanien hohe Wellen schlägt, geben die Wirtschaftsmedien ein Update zur Situation in Griechenland. Das Land ist längst nicht über den Berg, doch die Griechen kämpfen tatkräftig gegen die Krise. Die Presseschau.

Parlamentsangestellte richten die griechische Flagge auf dem Parlamentsgebäude auf. Reuters

Parlamentsangestellte richten die griechische Flagge auf dem Parlamentsgebäude auf.

Sechs Monate nach dem ersten Besuch des 20-köpfigen Handelsblatt-Teams haben Reporter erneut das Epizentrum der Euro-Krise besucht. Fazit: Noch nie seien die Chancen so gut gewesen, dass die Griechen ihr Phlegma überwinden. Die Reise führt zu einem Wirtschaftswissenschaftler, der selbst ins Parlament drängt, einem Unternehmenschef, der Arbeitsplätze schafft, einem Behördenchef, der gegen alte Seilschaften kämpft – Menschen, die Beharrungsvermögen durch Tatkraft ersetzt haben. 

In der britischen Financial Times wehrt sich Apostolos Tamvakakis, Chef der griechischen Nationalbank, gegen eine Verstaatlichung von hellenischen Banken. Gleichwohl seien Institute wie NBG, Alpha, Eurobank EFG und Piraeus kurz davor, in die totale staatliche Obhut zu wechseln, analysiert die Financial Times. 

Reuters sorgt sich um den griechischen Tourismus. In diesem Jahr hätten deutsche Touristen so wenige Reisen im voraus gebucht, dass der Gesamtumsatz des Wirtschaftszweiges um fünf Prozent zu sinken drohe.

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung könnten bis zu 200 Milliarden Euro von wohlhabenden Griechen auf Schweizer Bankkonten liegen. Ein Steuerabkommen nach deutschem Vorbild solle zumindest einen Teil des Geldes sichern.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

30.04.2012, 10:00 Uhr

...und heute Morgen kämpfen die Griechen wieder im Handelsblatt, nachdem der Artikel von gestern überarbeitet und natürlich alle kritischen Kommentare mit bereinigt wurden. Nun also noch einmal: Griechenland vermeldet derzeit neue Allzeittiefs in der Industrieproduktion, die Arbeitslosigkeit ist auch im letzten Monat weiter signifikant auf neue Höchstwerte gestiegen, der Tourismus erwartet mit minus 40 Prozent sein schlechtestes Jahr seit Jahrzehnten. Zudem bedroht der Regenmangel (70-Jahre-Tief) des diesjährigen Winters massiv die Ernte. Wir sind auf einer Zielgeraden einer finalen Katastrophe! Dass einzelne Griechen versuchen über die Runden zu kommen ist nur natürlich aber kein Ausdruck für irgendeine Wende. Im Gegenteil: Teile der Eliten prfitieren vom Elend des Landes. Gerade haben sich die griechischen Politiker wieder die Taschen vollgemacht. Solchen Skandale werden in der Westpresse schon gar nicht mehr gemeldet. Wäre aber gut um zu verstehen, dass Rettungsgelder nicht Grundlegendes bewirken werden.

abc

30.04.2012, 10:20 Uhr

Wann waren Sie zuletzt in Griechenland ?

Alex

30.04.2012, 10:22 Uhr

Wie sich die Geschichte wiederholt! Im Jahre 1832 wird von England und Frankreich, den hauptsächlichen Geldgebern des befreiten Griechenlands, der bayerische Prinz Otto, Sohn von König Ludwig I als erster griechischer König eingesetzt. Er sollte Garant für eine Verwaltung sein, die eine spätere Rückzahlung ermöglicht. Sein Vater schickt ihn mit seinen besten Experten der Verwaltung, einer bayerischen Armee und 60 Millionen Franken los. Der bayerische Architekt Friedrich von Gärtner errichtet den Staatspalast nach Anregungen von Klenze und Schinkel. Wir sehen ihn fast jeden Abend in den Nachrichten, mit dem Kommentator auf dem Syntagma-Platz im Vordergrund und lassen uns von der Fassade auf das klassische Griechenland einstimmen. Doch der bayerische Architekt überlegte sich wohl, wie ein Engländer sich die klassische griechische Architektur vorstellt. Die Griechen wurden nie gefragt. Die hätten lieber eine byzantinische Hagia Sophia (natürlich ohne die später dazugebaute Minarette) gewünscht. Doch in der Regierung Ottos war kein einziger Grieche, nur bayerische Technikraten. Diese erreichten tatsächlich 1842 einen ausgeglichenen Haushalt. Doch schon 1843 revoltierten die im Freiheitskampf gegen die osmanische Herrschaft leiderprobten Griechen gegen die „Bavarokratia“ (Griechischer Orginalton Βαυαροκρατία ) . Otto sprach perfekt Griechisch, aber ob er seine tief in der identitätsgebenden orthodoxen Kirche und im Byzantinismus verwurzelte Landeskinder verstanden hat, darf bezweifelt werden. Hat er die tiefe Menschlichkeit in der einfachen Bevölkerung irgendwann einmal spüren dürfen?
Es wird Zeit einmal schonungslos die Realität zur Kenntnis zu nehmen.
Unser Bild von den Griechen liegt zwischen verlogenen Betrügern und gebildeten Kindern von Plato und Alexander dem Großen. Die Krise könnte auch die Chance zu einem realistischen gegenseitigen Verstehen und Neustart in gegenseitiger Wertschätzung werden. Verblendung schafft nur neues Leid.

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