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21.03.2012

08:06 Uhr

Presseschau

„Augenwischerei der Deutschen Bank“

VonDaniel Lenz

Das Geldhaus kommt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Die Medien widmen sich kritisch mit dem Nachhaltigkeitsbericht, den Ermittlungen wegen Zins-Manipulation und der Kalkulation rechtlicher Risiken.

Josef Ackermann, Noch-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, will das Image seiner Bank aufpolieren. dpa

Josef Ackermann, Noch-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, will das Image seiner Bank aufpolieren.

Glänzen will das Institut mit ihrem Nachhaltigkeitsbericht, in dem das Institut verkündet, sich bei Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen künftig zurückzuhalten. Doch die Verbraucherorganisation Foodwatch erkennt darin eine halbherzige Entscheidung. Denn die Deutsche Bank verzichte nur auf neue börsengehandelte Anlageprodukte – die bestehenden Produkte würden fortgeführt und verschärften weiterhin die Hungerkrise in der Welt, zitiert News

Der Report sei ein „Meisterwerk des Marketings, der Public Relations und der Augenwischerei“, schimpft die Financial Times Deutschland. So heiße es im Bericht beispielsweise, der Derivatemarkt sei weniger ein Problem, als viel mehr die Lösung, weil er helfe Preisschwankungen abzuschwächen und deshalb einen „wichtigen Beitrag zur allgemeinen Wohlfahrt leisten können“.

In den USA und Europa wird gegen die Bank wegen möglicher Manipulationen der Interbanken-Zinssätze ermittelt, meldet das Handelsblatt. Es geht um mögliche illegale Absprachen des Libor- und des Euribor-Zinssatzes, an denen die Deutsche Bank beteiligt  gewesen sein sollen. Das Wall Street Journal widmet sich den erstmals von der Deutschen Bank präsentierten rechtlichen Risiken, die die Bank auf insgesamt drei Milliarden Euro taxiere. Nach Einschätzung einiger Analysten sei dies allerdings konservativ gerechnet worden. Da die Bank noch zehn bis 15 Milliarden Euro beschaffen müsse, um die künftigen Eigenkapitalauflagen zu erfüllen, könnten rechtliche Probleme diese Bemühungen schnell sprengen.

In einem Kommentar widmet sich das Wall Street Journal dem teuren Ausscheiden von Hugo Bänziger und Herrmann-Josef Lamberti aus dem Banken-Vorstand. Um Vorstände loszuwerden, seien zwar immer „große Kirschen“ vonnöten. Das Duo erhalte aber so viel Geld, dass es für die Aktionäre beinahe günstiger wäre, die beiden blieben bei der Bank an Bord.

Kommentare (1)

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Hartmut.Rast

21.03.2012, 09:00 Uhr

Würden wir endlich mit dieser Menschen verachtenden Bio-diesel Politik aufhören, dann müßten wir uns auch nicht über Preisspekulationen auf Nahrungsmittel aufregen.

Doch wenn wertvolle Anbauflächen mittlerweile sogar direkt den Farmern in Afrika entzogen werden, so lange werden auch die Preise für Mais und Mehl steigen. Hinzu kommt noch, daß die Agrarkonsortien der Dorfbevölkerung die Brunnen leerpumpen und immer tiefer ans Grundwasser gehen um die Rapsfelder zu bewässern.

Wir alle sind mit unserer gleichgültigen Haltung verantwortlich für das zunehmende Elend in der Dritten Welt und tragen mit zu den Unruhen bei, weil sich zu viele Menschen mittlerweile schlichtweg kein Brot mehr leisten können.

In meinen Augen unterstreicht nichts so sehr die Dekadenz und Überherblichkeit der westlichen Welt als mit vollem Magen auf steigende Lebensmittel zu spekulieren und zuzusehen, wie andere verhungern.

Stattdessen bemühen wir uns auf Nebenkriegsschauplätzen die Bankrotterklärung unseres Wertesystems zu vertuschen.

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