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22.01.2010

07:04 Uhr

Presseschau

Banken müssen weg vom Blutsauger-Image

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse zieht eine Zwischenbilanz zu den Quartalsergebnissen der großen US-Banken und überlegt, wie diese ihr Image aufpolieren können. Die Financial Times sorgt sich um Chinas Wirtschaft. Veckans Affärer verfolgt Ericssons Wandel vom Netzwerklieferanten zum Dienstleistungskonzern. Fundstück: Brachiales Ende eines Bankraubs.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Das Manager Magazin zieht eine Zwischenbilanz zu den Quartalsergebnissen der großen US-Banken. Aufsteiger des Jahres unter den vier Riesen im Publikumsgeschäft Bank of America, J.P. Morgan Citigroup und Wells Fargo sei Wells Fargo. DAs Institut habe sich mit der Übernahme des gescheiterten Wettbewerbers Wachovia verdoppelt: 12,3 Milliarden Dollar habe das Institut aus San Francisco 2009 verdient - Rekord - und mit einer Eigenkapitalrendite von zehn Prozent gezeigt, dass auch eine reine Filialbank ohne starkes Investmentbanking hochprofitabel sein könne. Schlimm stehe es indes um den einstigen Marktführer Citigroup, der als einziger der großen Vier noch nicht ganz den Staat als Großaktionär losgeworden sei. "Die Citi ist heute um ein Viertel kleiner als bei meinem Antritt 2007", zitiert das Magazin Bankenchef Vikram Pandit. Doch gesund sei sie damit noch nicht, und viele Geldgeber würden ungeduldig, analysiert das Blatt. "Wenn einer der vier Bankchefs um seinen Job fürchten muss, dann ist es Pandit."

Das Wall Street Journal wundert sich über Goldman Sachs. In der Quartalsbilanz sei unter "Annual Highlight" auch der Anteil der Personalkosten an den Nettoerträgen ausgewiesen - der Anteil sei im Vorjahresvergleich von 48 auf 35,8 Prozent gesunken; seit 2007 sei dieser Posten um 20 Prozent gesunken. Gleichwohl drohe den Goldman-Mitarbeitern keineswegs die Armut - die durchschnittlichen Bezüge lägen bei 498.000 Dollar; 2008 habe diese Summe noch bei nur 340.600 Dollar gelegen. "Jetzt ist die Frage, ob die Almosen von Goldman und die Gehaltskürzungen hoch genug ausfallen, um den Zorn der Öffentlichkeit und in der Politik zu dämpfen, oder ob noch mehr Opfer erforderlich sind", schließt das WSJ.

Für den Wirtschaftsdienst Reuters ist der "U-Turn" von Goldman bei den Gehaltskosten eine Zäsur. Bislang hätten viele Institute ihre hohen Boni damit begründet, dass die Mitarbeiter andernfalls zu anderen Banken wechseln würden. Sollte sich bei Goldman jetzt aber zeigen, dass die Mitarbeiter trotz Boni-Kürzungen bleiben, könnte dies auf die gesamte Wall Street abfärben. "Die Frage ist aber, ob der Schritt von Goldman ein einmaliger PR-Stunt war oder ob das Institut tatsächlich davon ausgeht, dass eine Compensation Ratio unter 40 Prozent langfristig tragfähig ist."

Die Financial Times Deutschland glaubt, dass die größte Herausforderung der Banken in diesem Jahr darin besteht, ihr Image aufzupolieren. Nach den Rettungspaketen und Milliardenbonuszahlungen seien die Sympathiewerte der Branche im Keller, was sich im vierten Quartal gezeigt habe. Bei Morgan Stanley sei der neue Vorstandschef James Gorman zwar stolz über die Ergebnisse, doch das interessiere erst einmal kaum jemanden. Im Fokus lägen die Bonuszahlungen - 62 Prozent der Erträge seien an die Mitarbeiter ausgeschüttet worden. Es gebe nur einen Ausweg aus der "Rufmisere": Stärkere Regulierung, und zwar in drei Schritten: Die Banken müssten über Steuern an den Rettungskosten beteiligt werden; sie müssten im Notfall abgewickelt werden können, damit es keine Erpressung der öffentlichen Hand gebe; schließlich müsse das Wettbewerbsrecht, das während der Krise beispielsweise im Fall der Fusion von Lloyds und HBOS ausgehebelt worden sei, wieder stärker greifen.

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