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05.05.2011

07:11 Uhr

Presseschau

Barack Obama schürt Verschwörungstheorien

VonMaxim Kireev

Die Internationale Presse fordert die Veröffentlichung der Fotos von bin Ladens Leiche, ohne die zentrale Fragen offen blieben, die europäische Idee gerät in Brand und die Deutsche Bank steht am Pranger. Die Presseschau.

Barack Obama: Der US-Präsident steht in der Kritik, weil er die Fotos von Bin Ladens Leiche bisher nicht veröffentlichen lässt. Quelle: dapd

Barack Obama: Der US-Präsident steht in der Kritik, weil er die Fotos von Bin Ladens Leiche bisher nicht veröffentlichen lässt.

Die Entscheidung des Präsidenten Barack Obama, die Fotos des toten Osama Bin Laden zurückzuhalten, sei nur das letzte Glied in einer Kette von Fehlern im Umgang mit dem Leichnam des Terroristen, kommentiert das Wall Street Journal. Auch wenn es an seinem Tod keine Zweifel gebe, so seien viele Fragen zu den Umständen unbeantwortet. „Wurde er kaltblütig ermordet? Wurde er von hinten oder von vorne erschossen? Hat er seine Arme zur Kapitulation gehoben? Hat er aktiven Widerstand geleistet“, fragt das Blatt.

All diese Fragen hätten geklärt werden können, hätte man die Leiche Bin Ladens einer gerichtsmedizinischen Untersuchung unterzogen, die bei einer Tötung selbstverständlich sei. Die Seebestattung stelle eine mutwillige Zerstörung von Beweisen dar, die den Verdacht schüre, es gebe etwas zu verstecken. Die Entscheidung, die Fotos zurückzuhalten, sei auf mehreren Ebenen beunruhigend. Die Öffentlichkeit sei reif genug, einen solchen Anblick auszuhalten. Außerdem würde eine Veröffentlichung die muslimischen Befindlichkeiten nicht stärker verletzen als seinerzeit im Fall von Saddam Hussein.

Auch die Washington Post kritisiert die Entscheidung des US-Präsidenten, die Fotos des toten Osama Bin Laden nicht zu veröffentlichen. Zwar sei diese Entscheidung nachvollziehbar und respektwürdig. Der Welt den Beweis für „den Tod des terroristischen Schlächters“ zu liefern, wäre aber die bessere Option gewesen. Auch wenn die blutigen Bilder einige Gotteskrieger und Möchtegerns angestachelt hätten, so hätten sie andere desillusioniert und ernüchtert. „Ihn tot zu zeigen, hätte mit Sicherheit jede Auffassung widerlegt, dass er einen göttlichen Schutz genossen hat“, argumentiert das Blatt.

Auch würde ein fotografischer Beweis einige der Verschwörungstheoretiker verstummen lassen. Doch das wichtigste Argument für die Veröffentlichung sei Bin Laden als das zu zeigen, was er gewesen sei: „kein Gotteskrieger, kein heiliges Etwas, sondern ein irrer Massenmörder, der ein solches Ende wirklich verdient hat“.  

Die Badische Zeitung kritisiert Angela Merkel und Horst Seehofer, die Freude über den Tod Bin Ladens geäußert hatten. Für Opfer und ihre Angehörige müsse man Verständnis haben, wenn sie einräumten, sie hätten ein ganz unchristliches Gefühl von Rache empfunden. „Von Repräsentanten des Staates, zumal wenn sie christliche Wurzeln für sich reklamieren, muss man erwarten, dass sie ihre Worte sorgsamer wägen. Solche Entgleisungen verraten bestenfalls versuchten Populismus, wahrscheinlich aber machen sie sichtbar, dass auch unsere Zivilisation dem alten Testament näher steht, als unsere Fassade der Aufklärung Glauben machen will.“

Die europäische Idee gerät in Brand

Aktuelle Entwicklungen in Europa alarmieren Les Echos: Die Europäische Union und ihr Fundament, die europäische Idee, gerieten mehr und mehr in Gefahr, die Regierungen spielten mit dem Feuer. Ein Signal sei die Zurückhaltung der Europäer gegenüber den Flüchtlingen aus Nordafrika, die über Italien in den Kontinent strömen. „Mit ihrer temporären Aufenthaltserlaubnis können sie überall hinreisen - etwas, was Europa eigentlich auszeichnet.“

Nun überlegten aber Nachbarländer, ihre Grenzen neu zu errichten, und diese Grenzen existierten auch im Geiste der Bürger:  „Das Übernahmeangebot des französischen Milchriesen Lactalis an den italienischen Konkurrenten Parmalat hat eine heftige Abwehrreaktion bei italienischen Politikern ausgelöst.“ Dabei müsse es gerade der europäische Binnenmarkt sein, den die Mitgliedsstaaten fördern sollten. Und schließlich leide auch der Euro: „Ob in Finnland oder Portugal, in Griechenland oder Irland, ja selbst in Deutschland deuten die politischen Debatten darauf hin, dass man immer weniger Anstrengungen unternehmen will, um den Euro zu retten.

Die Einheitswährung wurde geschaffen, damit auf ihr das gemeinsame Leben in Europa aufbaut, doch dieser Einheitsgedanke fehlt heute.“ Der Kontinent riskiere, sich rückwärts zu entwickeln und den Phantomen der Vergangenheit neues Leben einzuhauchen: „Kriege zwischen den Nationen wird es vielleicht nicht mehr geben, aber möglicherweise den alten, mörderischen Hass.“


Kommentare (2)

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Verschwoerungspraxis

05.05.2011, 08:16 Uhr

Dr. Steve R. Pieczenik hatte mehrere einflussreiche Positionen unter drei verschiedenen Präsidenten in der US-Regierung inne und arbeitet derzeit für das US-Kriegsministerim. Gestern war Dr. Steve R. Pieczenik in der Alex Jones-Show und beschuldigte die US-Regierung der Lügen. Er sagte, dass Osama Bin Laden im Jahre 2001 starb und dass er vor einer Grand Jury bezeugen würde, dass 9/11 ein Anschlag unter falscher Flagge gewesen sei, was er direkt von einem hohen General erfahren habe.

Pieczenik kann nicht als Verschwörungstheoretiker abgetan werden. Er war stellvertretender Vizeaußenminister unter Nixon, Ford und Carter und arbeitete auch für Reagan und Bush senior. Zur Zeit ist er Berater für das Kriegministerium. Er ist ehemaliger Hauptmann der US-Navy und entwickelte als Deputy Assistant Secretary of State for Management das grundlegende Regelwerk für die psychologische Kriegsführung, Terrorismusbekämpfung, Strategie und Taktiken für transkulturelle Verhandlungen etc. für das Außenministerium. Weiterhin diente er unter den Außenministern Kissinger, Cyprus Vance, George Schultz und James Baker als leitender Politikstratege.

Pieczenik erzählte schon im April 2002 in einer Alex Jones Show, dass Bin Laden seit Monaten tot sei und dass dies der US-Regierung vor der Invasion Afghanistans bekannt gewesen wäre. Pieczenik arbeitete mit Bin Laden persönlich während der Zeit der sowjetischen Besatzung Afghanistans zusammen.

Koboldo

05.05.2011, 09:41 Uhr

Alles etwas wirr, was der von sich gegeben hat. Richtig halte ich es aber, dass keine Bilder vom Getöteten gezeigt werden, dafür könnten Fotos der Genanalysen veröffentlicht werden, das müsste für eine Bestätigung eigentlich reichen...

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