Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.03.2011

07:45 Uhr

Presseschau

Beendet den Amoklauf der GDL

VonDaniel Lenz

Der Streik der GDL erntet in den Medien einhelliges Kopfschütteln, EADS hortet das Geld und verspielt die Zukunft, ein Insiderprozess belastet McKinsey und große Menschen verdienen besser. Die Presseschau.

Presseschau: „Die Informationspolitik der japanischen Regierung erinnert an Tschernobyl-Katastrophe.“ Quelle: dpa

Presseschau: „Die Informationspolitik der japanischen Regierung erinnert an Tschernobyl-Katastrophe.“

Seit 4 Uhr müssen sich Bahnreisende deutschlandweit auf drastische Einschränkungen im Berufsverkehr gefasst machen. Die Gewerkschaft GDL hat einen sechsstündigen Streiks im bundesweiten Personenverkehr angeordnet.

Das Hamburger Abendblatt meint, das Verhalten der streikenden Lokführer sei für Bahnreisende nicht mehr nachvollziehbar. Zwar wolle die Gewerkschaft GDL einen einheitlichen Flächentarifvertrag für alle Zugführer durchsetzen. Doch statt die Privatbahnen ins Visier zu nehmen, die sich vor allem dagegen sperrten, konzentriere sich die GDL in ihrem Arbeitskampf nun erneut auf die Deutsche Bahn und ihre Millionen von Kunden. „Da drängt sich der Verdacht auf, dass die Reisenden vor allem deshalb zu Geiseln der Gewerkschaft werden, weil sich mit Streiks beim Marktführer die größte Wirkung erzielen lässt. Würden ausschließlich kleine Bahnen wie der Metronom oder die Nord-Ostsee-Bahn bestreikt, dann dürfte dies kaum jemanden scheren.“

Auch die Financial Times Deutschland zeigt wenig Verständnis für das Vorgehen der Gewerkschaft, die ein ganzes Land als Geisel nehme, um die eigenen Lohnforderungen durchzusetzen. „Mit der von ihr systematisch betriebenen Eskalation hat sie das Recht verwirkt, noch als ernsthafter Gesprächspartner betrachtet zu werden.“ In dieser Situation solle die Bahn sämtliche juristischen Möglichkeiten prüfen, um den „Amoklauf“ der GDL zu stoppen. Die Politik müsse dagegen das Streikrecht dahingehend korrigieren, dass solche Generalblockaden nicht mehr möglich seien.

Die Südwest Presse zweifelt daran, dass die GDL ernsthaft einen Kompromiss suche – immerhin habe die Gegenseite bereits Vorschläge präsentiert. Sollte die Gewerkschaft stattdessen auf eine bedingungslose Kapitulation der Gegenseite abzielen, widerspräche dies unserem Tarifsystem völlig. Auch dass sich die Konkurrenten der Bahn untereinander nicht einig seien, seien denkbar schlechte Voraussetzungen, auf absehbare Zeit eine Lösung zu finden. „Es ist keiner zu sehen, der diesen gordischen Knoten zerschlägt. Doch letztlich schaden auch die Lokführer sich selbst: Kunden, die jetzt abwandern, könnten auf Dauer verloren sein.“

EADS hortet sein Geld - und verspielt seine Zukunft

„Zuviel Geld vernichtet Geld“, konstatiert das französische Wirtschaftsmagazin Challenges mit Blick auf die Übernahmepolitik von EADS. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern habe seine Kasse mit derzeit 11,9 Milliarden Euro prall gefüllt. Doch die Veranwortlichen hüteten sie wie ein Zerberus: Sowohl Finanzdirektor Hans-Peter Ring als auch Großaktionäre wie Lagardère und Daimler fürchteten offenbar eine Abwertung ihres Kapitals. „Lagardère legte sein Veto ein, als EADS 2007 die United Industrial Corp (UIC) übernehmem wollte.

2008 das gleiche Spiel: Aktionäre, auch wenn nicht offiziell bestätigt , verhinderten die Übernahme von Comtech.“ Die Gründe kenne man: EADS müsse sein Vermögen halten, um Kunden von Airbus zu ködern, der Konzern brauche Handlungsspielraum für sein A350-Programm, das A-Rating der Ratingagenturen müsse gehalten werden, und schließlich sei es riskant, einen amerikanischen Konkurrenten zu schlucken, das Pentagon könnte Aufträge stornieren. „Doch früher oder später wird EADS seine Kasse plündern müssen, will der Konzern sein Ziel, auch 2020 zehn Milliarden Euro Umsatz in den USA zu machen, erreichen. EADS wird einen amerikanischen Wettbewerber schlucken müssen, erst recht nach der Niederlage bei den Aufträgen für Tankflugzeuge.“ Konkurrenten wie Boeing, Lockheed oder Northrop werden nicht zögern, Geld in die Hand zu nehmen, warnt das Blatt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×