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20.03.2012

07:20 Uhr

Presseschau

Belohnung für die Zocker

VonDaniel Lenz

Die Entscheidung des internationalen Derivateverbands zur Fälligkeit von Kreditausfallversicherungen sorgt für ein großes Medienecho. Doch das Votum bleibt umstritten. Die Presseschau.

2,5 Milliarden Dollar sollen als Kreditausfallversicherungen gezahlt werden. Wer sich mit den sogenannten CDS gegen einen Zahlungsausfalls Griechenlands abgesichert hat, kann sich glücklich schätzen. dpa

2,5 Milliarden Dollar sollen als Kreditausfallversicherungen gezahlt werden. Wer sich mit den sogenannten CDS gegen einen Zahlungsausfalls Griechenlands abgesichert hat, kann sich glücklich schätzen.

Wer sich mit einer Kreditversicherung gegen einen Zahlungsausfall Griechenlands abgesichert hat oder damit spekuliert, kann nach dem Schuldenschnitt aufatmen: Der internationale Derivateverband ISDA teilte mit, dass die Gläubiger mehr als drei Viertel des Nominalwerts der Anleihen ersetzt bekommen sollen. Marktteilnehmer reagieren erleichtert, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Denn lange war nicht klar ob Kreditausfallversicherungen bei einem Schuldenschnitt überhaupt fällig werden würden. Als sich herausstellte, dass Griechenland die widerspenstigen Gläubiger per Gesetz zum Anleihentausch zwingen würde, musste der ISDA den Schuldenschnitt als Pleite werten. Womit auch die Kreditausfallversicherungen fällig wurden. „Wer mit Kreditausfallversicherungen auf eine Pleite spekuliert hat, ist fein raus“, schreibt das Handelsblatt.

Ähnlich sieht das auch die Financial Times Deutschland und titelt: „Griechenland-Zocker bekommen 2,5 Milliarden Dollar“.

Welche Banken mit CDS auf Griechenland handeln

Deutsche Bank

CDS gekauft („protection buyer“): 4,324 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 4,420 Milliarden Euro

Summe: - 96 Millionen Euro

Quelle: European Banking Authority (EBA)

Commerzbank

CDS gekauft („protection buyer“): 825 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 825 Millionen Euro

Summe: 0

Landesbank Baden-Württemberg

CDS gekauft („protection buyer“): 271 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 216 Millionen Euro

Summe: 55 Millionen Euro

DZ Bank

CDS gekauft („protection buyer“): 636 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 806 Millionen Euro

Summe: - 170 Millionen Euro

NordLB

CDS gekauft („protection buyer“): 0

CDS verkauft („protection seller“): 92 Millionen Euro

Summe: - 92 Millionen Euro

WestLB

CDS gekauft („protection buyer“): 326 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 403 Millionen Euro

Summe: - 77 Millionen Euro

DekaBank

CDS gekauft („protection buyer“): 10 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 20 Millionen Euro

Summe: - 10 Millionen Euro

Österreichische Volksbank

CDS gekauft („protection buyer“): 81 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 35 Millionen Euro

Summe: 46 Millionen Euro

Banco Santander

CDS gekauft („protection buyer“): 214 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 214 Millionen Euro

Summe: 0

BNP Paribas

CDS gekauft („protection buyer“): 214 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 306 Millionen Euro

Summe: - 92 Millionen Euro

Credit Agricole

CDS gekauft („protection buyer“): 9 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 48 Millionen Euro

Summe: - 39 Millionen Euro

Societe Generale

CDS gekauft („protection buyer“): 2,454 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 2,457 Milliarden Euro

Summe: - 3 Millionen Euro

Royal Bank of Scotland

CDS gekauft („protection buyer“): 3,375 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 3,152 Milliarden Euro

Summe: 223 Millionen Euro

HSBC Holdings

CDS gekauft („protection buyer“): 1,725 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 1,482 Milliarden Euro

Summe: 243 Millionen Euro

Barclays

CDS gekauft („protection buyer“): 4,372 Milliarden Euro

CDS verkauft („protection seller“): 4,451 Milliarden Euro

Summe: - 79 Millionen Euro

Unicredit

CDS gekauft („protection buyer“): 817 Millionen Euro

CDS verkauft („protection seller“): 1,116 Milliarden Euro

Summe: - 299 Millionen Euro

Quelle: European Banking Authority (EBA)

In einer Restwertauktion hat die ISDA den Marktwert für die ausgefallenen Griechen-Bonds, den so genannte Recoverywert, vorläufig mit 21,75 Cent je Euro festgelegt, melden das Handesblatt und die Financial Times Deutschland.

In einem Interview mit der Börsen-Zeitung kritisiert Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret die Inhaber griechischer Anleihen und fordert einheitliche Bedingungen bei Staatsanleihen. „An den Märkten für griechische Staatsanleihen ist schon seit einiger Zeit zu beobachten, dass Anleger gezielt Tranchen kaufen, die nach internationalem Recht und nicht wie das Gros der Papiere nach griechischem Recht emittiert wurden, um so zum Beispiel über eine Sperrminorität für einen freiwilligen Schuldenschnitt zu verhindern“, heißt es in dem Artikel.

Kommentare (2)

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Machiavelli

20.03.2012, 08:46 Uhr

Wer ist ein Zocker?
Menschen wie Du und Ich die auf Ereignisse reagieren oder die nach zu erwartenden Ereignissen agieren.
Die wahre Zocker sind die Politiker die sich eine so krumme Konstruktion wie die Europäische Währungsunion, ohne die dazu unentbehrliche Fiskalunion, ausgedacht haben.
Um sie beim Namen zu nennen: Mitterand und Kohl.

Account gelöscht!

20.03.2012, 08:57 Uhr

@Machiavelli ... interessanter Nick für so einen Kommentar! ;)

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