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25.01.2010

08:23 Uhr

Presseschau

„Ben Bernanke ist durch Feuer gegangen“

VonPeggy Pfaff

Die internationale Wirtschaftspresse protokolliert die aktuelle Diskussion über die Wiederwahl Ben Bernankes zum Chef der Fed. Report on Business macht Hedgefonds und Private Equities als mögliche Gewinner der Obama-Bankenreform aus. Forbes kritisiert das „Banken-Gehabe“ von General Electrics. Les Echos sieht den Euro demaskiert. Fundstück: Die Karriere tötet die kunstvolle Hausfrau.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

„Selbstdarstellungssucht, Berechnung, engstirnige Politik“ - das ist nach Meinung von BusinessWeek der Hintergrund zur aktuellen Diskussion über die Wiederwahl von Ben Bernanke zum Chef der US-Notenbank (Fed). Über Partei- und Ideologiegrenzen hinweg gebe es Befürworter und Gegner, doch sei damit zu rechnen, dass Bernanke ein zweites Mal antreten dürfe - auch wenn rund ein Dutzend Senatoren gegen ihn stimmen werde. Paul Volcker, eins selbst Fed-Chef, meine, dass Bernanke „durch Feuer gegangen sei“: „Er ist gerade jetzt um ein Vielfaches qualifizierter für den Job als vor vier Jahren.“ Sicher habe Bernanke auch Fehler gemacht, aber er habe „jede Ideologie beiseite geschoben und grundsätzlich alles richtig gemacht, vielleicht hat er sogar die Weltwirtschaft vor dem Abgrund bewahrt“, meint das Blatt. Immerhin sei die Mehrzahl der Wirtschafts- und Finanzexperten für ihn, keiner werde in den Finanzkreisen weltweit derart respektiert wie er.

Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes sieht in Bernanke das jüngste Opfer des populistischen Kampfes gegen Boni und Gewinne an der Wall Street - und der derzeitigen US-Arbeitslosenquote von zehn Prozent. „Bernankes Job ist im Grunde genommen ein unpolitischer. Aber wenn Politiker schon nicht die Gewinne der Banken beschränken oder neue Jobs schaffen können, so können sie doch wenigstens auf Bernanke einprügeln.“ Bernanke sei nicht das einzige Opfer, auch US-Finanzminister Timothy Geithner werde angegriffen, maßgeblich wegen seiner Rolle bei der Rettung von AIG. Beide hätten sich nun bereit erklärt, misstrauische Congress-Mitglieder persönlich zu besänftigen. Doch letztlich würde ihnen vor allem eins helfen: eine Besserung der Arbeitslosenquote.

Die Financial Times hat sich bei Wirtschaftsexperten umgehört - und erfahren, dass diese eine Nichtbestätigung Bernankes äußerst kritisch sehen: „Die Zurückweisung Bernankes als Fed-Chef würde von Ökonomen als Angriff auf die Unabhängigkeit der Fed gewertet.“ Auch die Märkte könnten seine Nichtberufung zur zweiten Amtszeit als weitere Unsicherheit in der ohnehin ungewissen Zukunft der Weltwirtschaft deuten. Ein Mitglied des Bankenkommittes des US-Senats befürchte sogar, dass ein Nein gegenüber Bernanke die Wirtschaft in erhebliches Trudeln bringen werde.

„Seit Gründung der Federal Reserve 1913 wurde noch nie ein Kandidat, den der Präsident vorgeschlagen hatte, vom Senat abgelehnt“, merkt die Süddeutsche Zeitung zum Streit über Bernanke an. So gelte es wahrscheinlich, dass er letztlich doch seine Mehrheit bekomme. „Sie wird aber viel dünner ausfallen, als noch bis vor kurzem erwartet, und dies dürfte seine Position in den kommenden Jahren schwächen.“ Auch US-Präsident Obama schade die fehlende Zustimmung zu Bernanke von derzeit 15 US-Senatoren. Und schließlich verunsichere die Diskussion auch die Märkte: „Der Konflikt um die Notenbank-Führung dürfte die Aktienkurse zunächst einmal drücken.“ Denn von den Märkten werde Bernanke als positiv für die US-Wirtschaft gesehen; die Unsicherheit über seine neue Bestätigung habe nun die Verkaufswelle beschleunigt.

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