Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.07.2011

07:27 Uhr

Presseschau

„Berlin fiedelt, während Rom brennt“

Wer ist schuld, dass die Schuldenkrise in Irland und Italien eskaliert? Die internationalen Medien sind sich weitestgehend einig: Das zögerliche und chaotische Krisenmanagement der EU-Politik sei eine Einladung für Spekulanten. Mit Sorge erfüllt die Kommentatoren, dass Italien zu groß sei, um von der EU gerettet zu werden. Die Presseschau.

Wer trägt die Verantwortung für die Schuldenkrise? Die Medien sind sich weitgehend einig. Quelle: dpa

Wer trägt die Verantwortung für die Schuldenkrise? Die Medien sind sich weitgehend einig.

DüsseldorfDie Börsen-Zeitung kritisiert das Schuldenkrisen-Management von Europas Politikern, die „kopflos“ agierten. „Seit mehr als einem Jahr ist die Politik eine nachhaltige Lösung der Staatsschuldenkrise schuldig geblieben.“ Statt bei den zahlreichen Krisentreffen substanzielle Fortschritte auf fundamentaler Ebene zu machen, seien lediglich die Hilfspakete in Form von Laufzeitenverlängerungen und Kuponreduzierungen nachgebessert worden. Vor diesem Hintergrund wirkten die gestrigen Beteuerungen von Wolfgang Schäuble, der italienische Haushaltsentwurf sei überzeugend, auf die Märkte nicht beruhigend. „Die haben die Geduld längst verloren.“

Die Financial Times Deutschland berichtet über einen neuen Vorstoß der EU-Finanzminister, die in der Schuldenkrise im Euro-Raum Tabus brächen: Die griechischen Schulden sollen demnach  mithilfe eines groß angelegten Rückkaufs von Anleihen zum Dumpingpreis durch die griechische Regierung reduziert werden; das Geld würden die Griechen vom Rettungsfonds EFSF erhalten; dafür wollten die Euro-Retter eine Einstufung des Landes mit dem Rating „teilweiser Zahlungsausfall“ in Kauf nehmen – auch gegen den Widerstand der Europäischen Zentralbank.

Die britische Financial Times schreibt, Italien sei kein Opfer einer „Ansteckung durch die Märkte“, sondern einer unverantwortlichen Politik. Dabei verweist das Blatt auf den „Gipfel der Verantwortungslosigkeit“, der darin bestehe, dass in Italien Zweifel an der Verabschiedung eines Spar-Haushalts gesät und dass das Land zur Geisel der Wirtschaftsinteressen von Silvio Berlusconi gemacht worden seien. Unter Berlusconi sei das ursprüngliche Plus in Höhe von 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2000 allmählich erodiert; das Land habe das Geschenk der niedrigen Zinsen im ersten Euro-Jahrzehnt verschenkt, ohne ein nachhaltiges Wachstum abzuleiten. Im Gegenteil, heute  liege die Staatsschuldenquote bei 120 Prozent. Als Ausweg regt die Financial Times an, dass die Eurozone explizit Garantien für die gesamten Staatsschulden der Peripherieländer ausspricht. Der Widerstand bleibe, besonders in Berlin. „Doch der muss überwunden werden: Die Geschichte blickt nicht gütig auf diejenigen, die fiedeln, während Rom brennt“.

Nicht die bösen amerikanischen Investoren, die nun auf den Untergang des Euros spekulierten, seien schuld an der Eskalation der Schuldenkrise, versichert das Wirtschaftsblatt aus Österreich. Vielmehr seien die Signale, die von Brüssel und den anderen EU-Hauptstädten aus gesendet würden, geradezu eine „Einladung auf dem Silber-Tablett, auf den finanziellen Untergang der Eurozone zu spekulieren“. Seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 sei nichts Substanzielles zur Krisenbekämpfung auf den Weg gebracht worden, kritisiert das Blatt und nennt Beispiele: „Wo sind die Entwürfe für ein einheitliches Insolvenzrecht bei Banken. Wo sind klare Regelungen für die Abwicklung von Staaten? Wo sind die konkreten Pläne für die Auflage von Eurobonds, mit denen kurzfristige Liquiditätsengpässe in Problemländern gemeistert werden könnten?“

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

DAD

13.07.2011, 09:33 Uhr

Der Plan ist nicht neu, er lag schon Ende des letzten Jahres in einer ganz ähnlichen Form vor. Und um den ersten Tabubruch in dieser Geschichte handelt es sich auch nicht, dass bis ins Frühjahr hinein verkündet wurde, dass EFSF-Mittel nicht dem Ankauf von Anleihen dienen dürfen. Im Prinzip werden hier erstmal echte Eurobonds weitergereicht, für die die Nachbarn mit ihrer Bonität bürgen und künftig beaufschlagt werden.

Neben satten Abschreibungen bei der EZB – anteilmäßig auf die Bundesbank übertragen, trägt der Steuerbürger auch durch die dann fällig werdenden Abschreibungen bei den staatlichen bzw. teilstaatlichen Banken des Bundes durch ein Millardensteuergeschenk bei.

Account gelöscht!

13.07.2011, 09:39 Uhr

Wenn Italien Pleite ist, dann sind Deutschland und die USA schon lange Pleite.Denn anders als in Deutschland und den USA sind die Italiener im privaten Bereich keineswegs verschuldet.

Michel_aus_Berlin

13.07.2011, 10:15 Uhr

Unsere Macher sollen bloß aufpassen,daß sie von den Italienern nicht über den Tisch gezogen werden,
oder zumindestet sofort nach den Leichen im Keller fragen.
Italien ist schon seit etlichen Jahren überschuldet und
hat dies bestimmt nicht ohne Tricksereien geschafft.
Da werden dann die Schulden die nicht sofort sichtbar sind
scheibchenweise präsentiert wenn der Plan zur Rettung fertig ist.Die Kosten braucht man dann nur noch verdoppeln.So läuft das doch!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×