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01.07.2011

07:12 Uhr

Presseschau

Bestenfalls nur Griechenland-Gewinner

VonMidia Nuri

Die internationale Presse sieht nach wie vor schwarz für Griechenlands Sparanstrengung. Nun wird debattiert – wem nutzt das neue Rettungspaket und wer bezahlt es? Und wird am Ende doch noch alles gut? Die Presseschau.

Wohin geht die Reise für Griechenland - und die EU? Quelle: dpa

Wohin geht die Reise für Griechenland - und die EU?

Den von Griechenland neu geforderten Ausstieg aus der Eurozone spielt Les Echos gedanklich durch: „Dieses extreme Szenario wird immer wieder als Lösung der Probleme genannt, die Griechenland aus seinem Schuldenberg erwachsen.“ Tatsächlich wäre die Rückkehr zur eigenen Währung die leichteste Übung, räumt das Blatt ein: „Der Übergang zum Euro war nicht schwierig, der Weg zurück dürfte genauso leicht sein.“ Es seien jedoch die Folgen, die einen solchen Schritt gefährlich machten.

Die neue (alte) Währung würde in einem defizitären Staat wie Griechenland automatisch abgewertet, aufgrund des Gefälles zwischen den Deviseneinnahmen und den Devisenausgaben. Importe würden sich verteuern, Exportpreise jedoch nicht, um konkurrenzfähig zu bleiben – die Schulden würden somit wachsen. Fazit: „Der Abschied vom Euro könnte vielleicht funktionieren, wenn es dem Land gut geht, nicht aber, wenn es dem Land schlecht geht. Es ist ein Fehler zu behaupten, er könne gegen die Schuldenkrise helfen.“

Dass die deutschen Banken sich nach langem Hängen und Würgen freiwillig an der Rettung Griechenlands beteiligen, dafür hätten sie kaum großes Lob verdient, findet die Financial Times Deutschland. „Schließlich waren sie sich des hohen Risikos bewusst, als sie hellenische Staatsanleihen kauften.“ Jetzt wollten sie die Hälfte langfristig reinvestieren, und das auch noch doppelt abgesichert. Natürlich sei eine Bank kein Wohlfahrtsinstitut, doch die Anteilseigner sollten auch nicht vergessen, dass in Griechenland der Euro, das Schicksal zahlreicher Banken, ja letztlich das weltweite Finanzsystem auf dem Spiel stehe. Da sei es keine Heldentat, systemerhaltend zu agieren.

Der Beitrag der hiesigen Banken über zwei Milliarden Euro sei jedenfalls gemessen an der addierten Bilanzsumme der Geldinstitute „Peanuts“. Die Hauptlast schulterten auch in diesem Fall die Euro-Staaten. Sie garantierten den Banken, ohne Schrammen davonzukommen und sogar mit einer Verzinsung von bis zu acht Prozent rechnen zu dürfen, hält das Blatt fest.

Griechenlands Sparplan werde gewöhnliche Griechen mit seinen Ausgabenkürzungen und vorangetriebenen Privatisierungen zu hart treffen. Und er werde Griechenland zu Rezession, Zwietracht und Staatspleite treiben, ist der Economist überzeugt. Er sei zum Scheitern verurteilt. Griechenlands Wirtschaft wieder besser ans Laufen zu bringen, erfordere weit größere Veränderungen an einem dysfunktionalen Staat, ist das Blatt überzeugt. Griechenlands Politiker gingen davon aus, die EU werde schon weiter Geld herüberreichen, solange sie nur so täten, als reparierten sie ihr Land.

Wer werde schon bei Griechenland den Stecker ziehen wollen, wenn das ein Ansteckungsrisiko für die Eurozone mit sich bringe?, fragt sich das Blatt. Jedes Quartal, bevor die Eurozonenländer und der IWF die nächste Hilfstranche auflegten, müssten sie entscheiden, ob Griechenland auf dem richtigen Weg sei. „Jedes Quartal wird es klarer werden, dass die Antwort Nein ist.“

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