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27.10.2011

08:22 Uhr

Presseschau

„Bitte mehr Respekt für Angela Merkel“

VonDaniel Lenz

Die Beschlüsse des EU-Gipfels stoßen auf geteiltes Echo. Während die deutsche Presse Kanzlerin Merkel zunehmend den Rücken stärkt, zeigen sich britische Medien wenig begeistert von den Ergebnissen. Die Presseschau.

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EU-Gipfel: Schuldenschnitt kommt

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WiesbadenNach stundenlangen Verhandlungen haben sich die Euro-Staaten auf einen Plan zur Lösung der Schuldenkrise geeinigt. Die Banken müssen auf die Hälfte ihrer griechischen Schulden verzichten und mit über 100 Milliarden Euro rekapitalisiert werden. Die Euro-Staaten steuern an Sicherheiten für neue Anleihen 30 Milliarden Euro bei. Der Euro-Krisenfonds EFSF soll seine Mittel künftig auf bis zu einer Billion Euro vervielfachen können.

Selten sei auf einem europäischen Gipfel mit Vertretern des Bankenverbandes IIF so hart verhandelt worden, rekapituliert die Financial Times Deutschland. Dabei seien die Banken erpresst worden: Nach Mitternacht hätten Nicolas Sarkozy, Angela Merkel, Jean-Claude Juncker und andere gesagt: Wenn Ihr keinen freiwilligen Schnitt macht, werdet ihr eben gezwungen – die vereinbarten 50 Prozent Schuldenschnitt seien laut Merkel „das einzige Angebot“ gewesen, das auf Ebene der Regierungschefs unterbreitet worden sei. „Es war wie im schönsten Mafia-Film ein Angebot, dass man nicht ablehnen kann.“ Unter dem Strich seien die EU-Regierungschefs „ein ganzes Stück weitergekommen“. Seit dem Chaos-Treffen vor einer Woche in der Alten Oper in Frankfurt seien viele Streitpunkte erst einmal ausgeräumt worden. Dennoch sei die Euro-Krise nicht vorbei.

Der britische Guardian geht davon aus, dass die Aufstockung des Euro-Krisenfonds EFSF nicht ausreichen werde. Das Ergebnis des Gipfels in diesem Punkt sei weit von dem entfernt, was auf den Märkten erhofft worden sei. Die europäische Bankenaufsicht EBA habe erklärt, dass rund 70 größere Banken in Europa zusätzliches Kapital benötigten. Die Hilfe für die Banken sei laut EBA notwendig, um ihre Ausleihmöglichkeiten 2012 fortzusetzen und eine Spirale von Entschuldung und einer anschließenden Kreditklemme zu verhindern. Dies würde sonst auch die Realwirtschaft negativ treffen. Bei den Bankern selbst werde das Gipfel-Ergebnis für Frustration sorgen, da sie nach dem Willen der EU notfalls auch auf Dividenden und Boni verzichten sollen, bis dass genug Kapital aufgebracht wurde.

Die Welt fordert von den Deutschen mehr Respekt für die Kanzlerin, „die Tag und Nacht ohne Schonung der eigenen Physis versucht, mit der Währung die Fundamente unseres Wohlstands zu retten.“ Hierzulande habe sich in die Kritik an Angela Merkel und ihrer Regierung ein „raunziger Ton“ eingeschlichen, der etwas Anmaßendes habe. Dass viele Bürger „fast kindlich Ansprüche stellen, ohne Maß und Mitte zu kennen“, führt die Welt auf eine „paternalistische Sorglosgesellschaft“ zurück. Schlusswort der Welt: Die Deutschen müssten der Kanzlerin vertrauen, dass sie die deutschen Interessen, die von den europäischen nicht zu trennen seien, listig vertrete.

Kommentare (24)

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sporty_BN

27.10.2011, 08:37 Uhr

Das eigentliche Problem der Staatsverschuldungen der Länder wurde noch nicht angegangen.
Es ist nur wieder alles verschoben worden auf die Zukunft und Italien, Frankreich werden die nächsten Länder sein, die Hilfe benötigen.

Satiriker

27.10.2011, 08:43 Uhr

Für ein kaputes System wurde Zeit gekauft. Die gigantische Anhäufung von Reichtum bei wenigen, bei gleichzeitig steigender Armut und steigender Bildungsungerechtigkeit darf noch etwas weiter gehen. Respekt Frau Merkel!

Eierkopp

27.10.2011, 08:45 Uhr

Die Banken sind sicher schwer getroffen, wiees der Guardian schreibt. Vermutlich sind Commerzbank und Deutsche Bank daher zur Zeit die größten Gewinner im DAX.

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