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20.02.2012

10:34 Uhr

Presseschau

Chaos im Hinterhof der Kanzlerin

Die Medien werten den Rücktritt von Christian Wulff und die Einigung auf Nachfolger Joachim Gauck als Niederlage für Merkel: Im Ausland werde sie als „Kaiserin“ hofiert, im „Hinterhof“ herrsche Chaos. Die Presseschau.

Der Rücktritt Wulffs und sein Verhältnis zu Merkel waren häufig Thema der Berichterstattung. dpa

Der Rücktritt Wulffs und sein Verhältnis zu Merkel waren häufig Thema der Berichterstattung.

„Absolutes Chaos in Angela Merkels Hinterhof“ beobachtet das US-Magazin Time nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff. „Sein Rückzug ist ein Seitenhieb für Merkel, den sie gerade jetzt, wo sie Griechenland und andere EU-Staaten zu Disziplin und Sparpolitik anhalten will, nicht gebrauchen kann.“ Die Ermittlungen gegen ihn wegen Vorteilsnahme wären allzu schlechte Publicity vor dem Hintergrund gewesen, dass Berlin sich mit Korruption und Liquiditätskrisen seiner EU-Partner auseinandersetzen muss. „Doch bereits bei Wulffs Wahl hat Merkel an politischem Kapital eingebüßt, drei Wahlgänge hat er benötigt. Nun ist Wulff der zweite Präsident, der unter Merkel zurückgetreten ist.“ Dies sei ein herber Rückschlag für Merkel.

„Üble Zeiten für Angela Merkel“ glaubt Challenges aus Frankreich zu erkennen. „In Europa ist sie inzwischen die allgegenwärtige Patronin des alten Kontinents, in China wurde Kaiserin Angela mit viel Ehrerbietung empfangen. Aber zu Hause, im eigenen Land, scheint sie noch ein wenig mehr als bisher angeschlagen.“ Sie verliere mit Wulff nicht nur „ihren zweiten Präsidenten“ unter ihrer Regierung, der Fall erinnere auch unangenehm an den Abgang von  Karl Theodor zu Guttenberg, der ebenfalls nach wochenlanger Polemik seinen Hut nehmen musste.

Der britische Guardian sieht vor allem die politische Kultur Deutschlands geschädigt: „Die Affäre hat sich mehrere Monate hingezogen, auch, weil die deutschen Politiker sich schwer damit taten, eine Meinung zu finden und zu äußern. Die Zurückhaltung, mit der sie reagierten, ist beschämend.“ Ihr Ausrede dafür sei häufig gewesen, das Amt nicht beschädigen zu wollen. Doch beschädigt worden sei die politische Kultur. Merkel gehe dagegen nahezu ohne Schaden aus der Krise hervor. „Sie gab Wulff stets nur soviel Unterstützung wie nötig - und ist nach Umfragen die derzeit populärste Politikerin im Land.“

Kommentare (6)

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Laienrichter

20.02.2012, 11:10 Uhr

"Absolutes Chaos in Angela Merkels Hinterhof"


Jaja, die Medien bewerten ......... Gibt's auch Nachrichten?

Account gelöscht!

20.02.2012, 11:12 Uhr

Widerliches Demokratieverständnis

Wie zu befürchten war, wollten die Kurfürsten ihr Privileg nicht abgeben. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit hätten die Gestalter des Grundgesetzes bewußt darauf geachtet, daß der BP nicht vom Volk direkt gewählt wird - argumentieren sie. Offenbar ist unsere Demokratie seit 1949 kein bißchen vorangekommen. Zudem war das Argument schon damals nicht richtig. Denn es waren dünkelhafte Politiker, die 1933 Hitler ohne Not die Macht überließen.

Wären sie heute von Dünkel frei, hätten sie zumindest die Direktwahl, noch besser aber die Abschaffung des Amtes betrieben. Durch Merkels Europa und die damit einhergehenden Kompetenzverlagerungen wird selbst das Parlament bald nicht mehr viel mitzureden haben. Ein machtloser BP ist in dieser neuen politischen Landschaft völlig entbehrlich geworden. Das Amt ist - ebenso wie die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin - ein Relikt aus vergangener Zeit, und vergrößert den Wasserkopf, den die Bürger zu ertragen und zu bezahlen haben.

Account gelöscht!

20.02.2012, 12:38 Uhr

Die Jubel-Medien werden sich noch wundern und erst recht die grün-roten Politclowns. Der designierte neue Bundespräsident steht der FDP vermutlich näher als den sozialistischen Einheitsparteien (schwarz/grün/rot/dunkelrot). Nicht ohne Grund hat die FDP für Herrn Gauck Härte gezeigt.

Bin mal gespannt auf das Medienecho, wenn der neue Bundespräsident freiheitliche Positionen vertritt und nicht dem links-sozialistischen Mainstream folgt.

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