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14.12.2011

08:20 Uhr

Presseschau

Christian Wulff - Präsident in der Grauzone

VonDaniel Lenz

Das Urteil der Kommentatoren ist eindeutig: Bundespräsident Christian Wulff hat sein Vertrauen verspielt. Die Medien erwarten weitere Fälle in der „Akte Wulff“ und fordern, im „Hannover-Biotop“ aufzuräumen.

Bundespräsident Wulff droht, sein Ansehen zu verlieren. dapd

Bundespräsident Wulff droht, sein Ansehen zu verlieren.

Bundespräsident Christian Wulff steht im Zusammenhang mit einem Privatkredit immer stärker unter Druck. Auslöser ist ein Bericht der Bild-Zeitung, nach dem Wulff 2008 ein Darlehen von der Ehefrau des Unternehmers Egon Geerkens für ein Einfamilienhaus angenommen hat. Zwei Jahre später habe Wulff – seinerzeit niedersächsischer Ministerpräsident – im Landtag geschäftliche Beziehungen zur Familie Geerkens verneint.

Der Bundespräsident sei keine moralische Instanz mehr, kommentiert die Süddeutsche Zeitung. Die Vorteile, die Wulff durch die Freundschaften zum „dubiosen Finanzjongleur“ Carsten Maschmeyer, Ex-Air-Berlin-Chef Joachim Hunold und eben Geerkens genossen habe, seien zwar rechtlich wahrscheinlich unbedenklich, moralisch aber verdächtig. Dass sich Wulff heute mit Spitzfindigkeiten herausrede, erinnert die Münchner an ein kleines Kind, das auf die Frage, ob es seinen Sandkastenkameraden gehauen habe, antworte: „Nein, das war ich nicht, das war meine Hand.“ Mit Blick in die Zukunft erwartet das Blatt weitere Fälle „in der Akte Wulff“.

In seinem Blog Sprengsatz fordert der frühere Bild am Sonntag-Chef Michael Spreng, dass im „Hannover-Biotop“ aufgeräumt wird. In dem politisch-wirtschaftlichen Netzwerk werde die Verquickung zwischen Spitzenpolitikern, Wirtschaftsbossen und Unternehmern besonders innig gepflegt, erklärt Spreng und erinnert daran, dass sich Ex-Ministerpräsident Gerhard Schröder einst von VW-Chef Piech zum Opernball habe einladen lassen und gleich mit Piech im Lear-Jet nach Wien geflogen sei. Und dass Schröder nach seinen Ausscheiden aus dem Kanzleramt von seinem Unternehmerfreund Carsten Maschmeyer eine Million Euro als Vorschuss für seine Memoiren bekommen habe – demselben Maschmeyer, der auf Mallorca Gastgeber für den ersten Sommerurlaub Christian Wulffs als Bundespräsident gewesen sei.


Die Welt meint rückblickend, eine Auskunft Wulffs über das Privatdarlehen von Geerkens sei damals angemessen gewesen. Zwar habe Wulff das Darlehen als Privatperson erhalten. Doch dadurch, dass er als Ministerpräsident Egon Geerkens mehrfach auf Dienstreisen mitgenommen habe, sei eine berufliche Verbindung gegeben gewesen. „Die Offenlegung des Privatkredits hätte dem Eindruck entgegengewirkt, es gäbe etwas zu verbergen. Dieser Eindruck ist im Begriff zu entstehen.“

Kommentare (20)

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Leopold

14.12.2011, 09:05 Uhr

Es war unseriös und Herr Wulff wusste das. Private Geldgeber sind für einen Politiker nunmalerweise tabu. Und eine halbe Million zu relativ normalen Zinssätzen unter Privatleuten zu verleihen ist auch nicht unbedingt üblich. Das passiert in der Familie oder man verknüpft Erwartungen damit.

Account gelöscht!

14.12.2011, 09:17 Uhr

Für den Staatspräsidenten gelten noch höhere Moralische Ansprüche als für normale Politiker.
Der Kredit war sicher nicht aus Nächstenliebe gegeben.

Das ist Korruption und gehört ausgemerzt!

reallynoregrets

14.12.2011, 09:28 Uhr

Ein das Land würdig vertretender Bundespräsident? Das ist nicht das Niveau eines Deutschland vertretenden Bundespräsidenten, der sich von einem zum nächsten Gönner Urlaube, Flüge etc. spendieren lässt. Meiner Meinung nach sollte er noch vor Weihnachten seinen Hut nehmen.

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