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25.05.2011

10:20 Uhr

Presseschau

Christine Lagarde als Retterin des Euro?

VonMidia Nuri

Die französische Finanzministerin Lagarde will heute wahrscheinlich ihre Kandidatur als IWF-Chefin bekannt geben. Ist sie die Richtige für den Top-Job? Die Kommentatoren der internationalen Medien sind sich uneinig.

Christine Lagarde muss sich teils harsche Kritik von den Medien gefallen lassen. Quelle: dpa

Christine Lagarde muss sich teils harsche Kritik von den Medien gefallen lassen.

Am Mittwoch kandidiert die als Nachfolgerin von Dominique Strauss-Kahn gehandelte französische Finanzministerin Christine Lagarde offiziell für den Posten der künftigen Direktorin des Internationalen Währungsfonds.

Schon jetzt beobachtet Die Welt eine Art Lagarde-Effekt: "Wenn Christine Lagarde einen Raum betritt, stellt sich beim Betrachter das tröstliche Gefühl ein, dass die globale Finanzkrise so schlimm gar nicht sein kann." In diesen Zeiten sei die 55-Jährige nicht die schlechteste Kandidatin. Das französische Kalkül laute, eine Frau könne den Rang Frankreichs sichern und gleichzeitig die Schmach des Strauss-Kahn-Skandals rasch vergessen machen. "Selbst bei den Sozialisten findet man kaum jemanden, der sich ihrer Nominierung widersetzt." Das juristische Nachspiel einer außergerichtliche Einigung mit dem Unternehmer Bernard Tapie kläre, ob Lagarde ihr Amt missbraucht habe, um Einfluss auf die damalige Entscheidung zu nehmen. Ob es zum Prozess komme, entscheidet sich aber erst, nachdem der neue IWF-Chef gewählt sei.

Die britische Financial Times hat Zweifel

Dass Lagarde die richtige Kandidatin sei, bezweifelt dagegen die britische Financial Times . Dominique Strauss-Kahn sei nicht mal von seinem Amt als IWF-Direktor zurückgetreten, da hätten sich die Europäer schon um Christine Lagarde geschart. Das ancien régime habe überlebt. Aber habe während der Asienkrise jemand gefordert, der IWF-Chef müsse ein Asiate sein?, fragt das Blatt rhetorisch. "Ich selbst würde einen Europäer nicht ausschließen, wie viele, die ich respektiere", hält der Kommentator fest. Aber die Zeit sei gekommen, wo die amtierenden Mächte erkennen müssten, dass sie nicht weiter die globale Szene dominieren könnten. Führen sie diese Institutionen dennoch weiter, werde dies das Management der Weltwirtschaft balkanisieren, glaubt das Blatt. Langfristig für niemanden von Vorteil. "Regierungen, die sich dem Wind des Wandels nicht beugen, werden fortgeweht." Die Europäer müssten das erkennen. "Sie werden es nicht tun. Aber es wird sich als großer Fehler erweisen", ist die FT überzeugt.

Ein Forbes-Blogger stellt die Existenzberechtigung von IWF und Weltbank gleich ganz in Frage. Schon John Maynard Keynes solle mal gewitzelt haben: "Ihr Amerikaner seid komisch: Nennt eine Bank einen Fonds und einen Fonds eine Bank." Und so sei es auch: Wie eine Bank reiche der IWF Gelder an klamme Staaten heraus - die diese natürlich zurückzahlen müssten. Wie eine Bank. Die Weltbank dagegen sei gedacht für die, die mit dem strengen IWF-Regime nicht klarkämen. Die Gelder, die sie herausgebe, seien wohltätig, zu Sonderkonditionen oder gar geschenkt. Wie bei einem Fonds. Aber mal abgesehen davon: Ursprünglich sei der IWF gegründet worden, um sicherzustellen, dass die Wechselraten im Gleichgewicht zum Dollarstand blieben. Doch der IWF denke gar nicht daran, seine Mission zu erfüllen. Seit 1973 schon nicht mehr. "Kein Grund, dass die Stätte noch existiert." Keynes habe bei seiner Stichelei nach dem Bretton Woods-Meeting Scham am Werk gesehen. "Die dekolonisierten Länder brauchen keinen Fonds, sie verdienen eine Bank." Das habe diesen Einrichtungen die Tür geöffnet zu sein, was immer sie sein wollen", glaubt der Forbes-Blogger. "Langsam sollten wir sicherstellen, dass sie uns nicht ganz auffressen."

Kommentare (3)

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Karl

25.05.2011, 08:06 Uhr

Der Euro ist nicht zu retten - und schon gar nicht vom korrupten IWF.
Ich bin froh, wenn dieses verlogene EU Zirkus bald ein Ende hat.
Und auch das verlogene weltweite Finanzsystem, basierend auf Fiat-Money.
Ohne Fiat-Money hätte das alles erst garnicht so weit kommen können. Ohne Fiat-Money können keine Kriege geführt werden !!!!!
Doch leider schlafen die Menschen noch und interessieren sich nicht dafür. Es wird erst groß gejammert, wenn es zu spät ist.
DIE GESCHICHTE LEHRT DIE MENSCHEN, DASS DIE GESCHICHTE DIE MENSCHEN NICHTS LEHRT.....

FoCS

25.05.2011, 08:20 Uhr

Man muss halt befürchten, dass Lagarde - ähnlich wie Trichet - wieder vorrangig die Interessen der französchen Banken vertritt.

Legarde-Luegen

25.05.2011, 10:22 Uhr

http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2011/05/christine-lagarde-ist-auch-eine.html

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