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14.09.2011

07:38 Uhr

Presseschau

Das Bild vom "hässlichen Deutschen" in Europa

VonDaniel Lenz

Der Koalitionsstreit um einen möglichen griechischen Schuldenschnitt dominiert die internationale Berichterstattung. Die Kommentatoren lassen kein gutes Haar an einer Regierung, die ihre Glaubwürdigkeit verspielt.

Erst monatelanges Zögern, nun plötzlich ein handfester Koalitionskrach: Die schwarz-gelbe Regierung findet keine einheitliche Antwort auf die Griechenland-Frage. dpa

Erst monatelanges Zögern, nun plötzlich ein handfester Koalitionskrach: Die schwarz-gelbe Regierung findet keine einheitliche Antwort auf die Griechenland-Frage.

Entgegen den Bemühungen der Kanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt der Koalitionspartner FDP die Debatte über eine mögliche Insolvenz Griechenlands in der Öffentlichkeit fort. In der Financial Times Deutschland erklärt FDP-Generalsekretär Christian Lindner, die Menschen in Deutschland, die Finanzmärkte und die Griechen bräuchten langfristig Klarheit. „Das geht nicht dadurch, dass man ein Schweigegelübde ablegt“. Der Hinweis auf die unruhigen Finanzmärkte, so Lindner gegenüber der FTD, sei „nur der Versuch, eine überfällige Debatte über einen nicht wünschenswerten, aber möglichen Zahlungsausfall Griechenlands zu unterbinden“.

„Noch ein paar Tage weiter so, und das Bild vom ,hässlichen Deutschen’ ist in Europa perfekt“, kommentiert die Zeit die „unqualifizierten Äußerungen“ der „liberalen Boygroup“ aus Rösler und Lindner, des CSU-Präsidiums sowie von EU-Kommissar Günther Oettinger – der in der Bild-Zeitung zu bedenken gegeben habe, „die Flaggen von Schuldensündern vor den EU-Gebäuden auf Halbmast zu setzen“. In diesem Klima sei Deutschland in Gefahr, seine europäische Glaubwürdigkeit zu verlieren. Doch Kanzlerin und Finanzminister müssten hilflos zusehen, wie sich gerade das bürgerliche Lager, „das doch bisher auf wenig so stolz sein konnte wie auf seine Treue zu Europa“, selbst zerlege.

„Panik und Verzweiflung“ erkennt der frühere Politiker-Berater Michael Spreng in seinem Blog Sprengsatz als Gründe für die Äußerungen von Philip Rösler zur „geordneten Insolvenz“ Griechenlands. Der FDP-Chef und Wirtschaftsminister wolle kurz vor der Berlin-Wahl, die für die FDP desaströs auszugehen drohe, ein populistisches, europakritisches Signal senden. Dabei gefährde das Gerede über eine „geordnete Insolvenz“ eine „geordnete“ Rettung Griechenlands, die nur aus einem radikalen Schuldenschnitt, aber einem weiteren Verbleib Griechenlands in der Eurozone bestehen könne. Röslers – und analog dazu Horst Seehofers – Einlassungen demonstrierten nur, dass sich die schwarz-gelbe Koalition im Zustand der Auflösung befinde. „Angela Merkel hat nicht mehr die Kraft und die Macht, die beiden kleineren Partner zu disziplinieren.“

Die Frankfurter Rundschau stellt die Vermutung in den Raum, Rösler habe mit seinen Äußerungen einfach testen wollen, ob seine FDP mit etwas mehr Euroskepsis wieder in den Umfragen steige und auf diesem Weg bei den Wahlen besser punkten oder überhaupt überleben könne. Dies sei allerdings ein „riskantes Spiel“ und drohe die Partei zu zerreißen. „Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher hätte vermutlich Schwierigkeiten, sich nicht mit Grausen abzuwenden.“

Kommentare (26)

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Machiavelli

14.09.2011, 08:06 Uhr

In Deutschland scheint man sich sorgen zu machen über "Das Bild vom hässlichen Deutschen in Europa".
Dabei kommt es nicht auf "das Bild" darauf an sondern auf die Tatsachen.
Lügen haben bekanntlich kurze Beine.
Durch die perfekt organisierte Verleumdungskampagne der deutschen Medien (auf Anweisung der Großindustrie vermute ich) gegen andere Euroländer ist der Deutsche (ein wesentlicher Teil) tatsächlich hässlich geworden.
Die primitive und giftige Leserkommentare beweisen es.
Die Rechnung wird aber nicht aufgehen, was sich die Wirtschaftsgroßmacht Deutschland davon verspricht ist Europas Beherrschung.
Das wollen aber weder die Europäer selbst noch würden es die USA oder China oder irgend ein anderes Land gut heißen.
Es wird ein irreparablen Schaden für die Zukunft Europas bleiben.
Die deutsche Medien sollten dem deutschen Volk reinen Wein schenken damit das herrschende Gefühl das Deutschland mehr Nachteile als Vorteile durch den Euro hat abgebaut wird.
Es ist aber gerade am Anfang der Krise gerade das Gegenteil passiert. Anscheinend strebt das deutsche Geldadel immer noch nach deutscher Führung in Europa.

Account gelöscht!

14.09.2011, 08:11 Uhr

Ich denke und glaube, die internationale Presse, sollte sich den Ländern widmen, die diese Probleme verursacht hat, und nicht immer neue Nebenkriegsschauplatze zu machen. Seit Monaten wenn nicht schon seit Jahren, wird auf der BRD herum getrampelt???
Wir versuchen jedem auf der Welt zu helfen, jetzt übernehmen wir die Schulden anderer Länder, und trotzdem ist diese Presse mit uns nicht zufrieden.
Mann spuckt der Kanzlerin ins Gesicht, mit abfälligen Bemerkungen zu ihrer Figur!
Aber in gleichem Atemzug, erwartet man Finanzielle Hilfe von ihr, was für eine Unverschämtheit???
Ich persönlich erwarte von der Regierung, einfach mehr Standhaftigkeit gegenüber unseren sogenannten Freunden, und auch einmal das Wort nein.
Ich persönlich bin gegen weitere Rettungsschirme innerhalb der EU, genauso will ich keine weiteren Hoheitlichen Aufgaben an die EU abtretten.
Basta.
Alternativlos.
Danke

Account gelöscht!

14.09.2011, 08:15 Uhr

@Macchiavelli
So ein Blödsinn! Deutschland strebt nach gar keiner Herrschaft. Es geht einfach darum, was das für ein europäisches Haus sein soll. Alle leben über ihre Verhältnisse, und dann kommen sie mit der Rechnung bei den Deutschen an? Und das soll gut gehen? NEIN, das wird es nicht! Die Deutschen lassen sich nicht versklaven für eine Idee der "Vereinigten Staaten von Europa", die nur als Idee, als Utopie existiert! Was soll das denn sein?
Es ist jetzt jedenfalls so, dass Deutschland einfach für den Euro zahlen soll. Aber warum denn? Der Euro kostet Deutschland jedes Jahr(!) schon jetzt 250 Mrd. Euro - Deutschland blutet aus. Widerlegen Sie mal die Argumente eines Prof. Spethmanns - die werden schön ignoriert, damit der Michel nicht wach wird.
Der Euro ist für Deutschland extrem schädlich - er vernichtet den deutschen Wohlstand. Die Sozialdividende einer starken DM wird dem Arbeiter vorenthalten, die kommende Inflation frisst die Ersparnisse komplett auf. Die deutschen Medien bescheißen die Bevölkerung wie unter den Nazis und wie unter den Sozialisten im Osten... es hilft nur nichts: die Bevölkerung weiß es besser. Das ist übrigens nicht der Boulevard, sondern es ist das VOLK! WIR SIND DAS VOLK!

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