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11.01.2012

07:55 Uhr

Presseschau

Das Ende des Fusions-Zeitalters

VonDaniel Lenz

Die Zeit großer Börsen-Übernahmen ist vorbei. Zu diesem Urteil kommen die Medien nach dem Veto der EU-Wettbewerbshüter zur Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext. Die beiden Parteien hätten aber noch eine Chance.

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Die geplante Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext könnte am Veto der EU-Kommission scheitern. Wie die Financial Times berichtet, haben Beamte von Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia den Kommissaren in einer internen Empfehlung empfohlen, die Fusion zu verbieten, sofern die Unternehmen nicht eine ihrer beiden Derivatebörsen verkaufen. Ein Dorn im Auge der Wettbewerbshüter sei die marktbeherrschende Rolle der Deutsche-Börse-Tochter Eurex und der zur NYSE gehörenden Derivatebörse Liffe, die vereint den börslichen Derivatehandel in Europa dominieren würden.

Im Kommentar schreibt das britische Blatt, die Abspaltung einer der Derivatebörsen würde das Grundprinzip der Allianz unterminieren, da Derivate der lukrativste Teil des Börsen-Geschäfts seien. Die Financial Times zieht zwei Schlüsse aus dem Veto: Einerseits sei möglicherweise die Zeit vorbei, in der Börsen immer größer wurden und dadurch einen größeren Einfluss auf Schlüsselmärkte wie Derivate gewannen; die Regulierer strebten stattdessen mehr Wettbewerb an. Hinzu komme, dass die EU-Kommission offenbar den europäischen und nicht den globalen Markt als Entscheidungsgrundlage genommen hätten.

Somit hätten sie den Hinweis der deutschen und US-Börsen, dass die Allianz ihrer Derivatebörsen Eurex und Liffe auf der globalen Bühne durchaus Wettbewerber wie die CME Group habe, ignoriert. Die Financial Times zeigt sich demgegenüber skeptisch, da die Börsen-Geschäfte rund um die Uhr und ohne geografische Grenzen stattfänden.

Auch Globe and Mail aus Kanada glaubt, dass große M&A-Deals im Börsen-Bereich jetzt die Ausnahme statt die Regel seien, und erinnert an die geplatzten Übernahmen der australischen und kanadischen Börse durch die Börsen in Singapur beziehungsweise London im vergangenen Jahr. In Zukunft würden verstärkt kleinere Deals in den Fokus rücken. So könnte der LSE-Chef Xavier Rolet bald in der NYSE einen Rivalen finden, der sich ebenfalls für das Clearinghouse LCH.Clearnet und die London Metal Exchange interessiere. Gleichwohl könnten die Deutsche Börse und NYSE Euronext am Ende doch noch reüssieren. Sie müssten Joaquin Almunia davon überzeugen, dass Europa ein Gegengewicht zum US-Derivate-Kraftwerk CME Group benötige.

Das Wall Street Journal hält es ebenfalls für möglich, dass der Deal am Ende noch über die Bühne geht. Beide Parteien wollten an der geplanten Allianz festhalten, bis dass die 27-köpfige EU-Kommission bis spätestens 9. Februar ihre Entscheidung treffe. Bei der Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle 2010 habe sich die EU-Kommission ebenfalls über das Urteil der Wettbewerbshüter gestellt und die Allianz durchgewunken – gleichwohl „überlebe“ nur jede zehnte Fusion, die im Vorfeld von Wettbewerbshütern abgelehnt wurde, zitiert das Wall Street Journal aus einer Studie von BMO Capital Markets. „Ein Kollaps des NYSE-Deals wäre eine weitere Enttäuschung auf dem M&A-Markt, der im vergangenen Jahr eine glanzlose Performance hingelegt hat“, lautet das Fazit des WSJ.

Kommentare (1)

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11.01.2012, 09:33 Uhr

Und das wäre gut so. Denn je größer einzelne Unternehmen werden, desto weniger Marktwirtschaft bleibt übrig. An der Überlegung trennen sich gedanklich Kapitalismus und Marktwirtschaft, was immer gern vermischt wird.

Im Kapitalismus ließe sich rechtfertigen, wenn am Ende des 'Integrationsprozesses' ein Kapitalist übrig bleibt, 'der Beste' eben, der dann alles besitzt. Marktwirtschaft aber rechtfertigt Wettbewerb nicht nur als Auswahlprozess. Marktwirtschaft braucht dauerhaft Wettbewerb um zu existieren. Je mehr Wettbewerb, desto mehr Marktwirtschaft. Dieser Aspekt wird von Wirtschaftspolitik bisher deutlich zu wenig unterstützt. Die kümmerlichen Kartellgeseztze reichen bei weitem nicht aus. Ludwig Erhard würde es freuen.

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