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18.02.2012

15:03 Uhr

Presseschau

Der Fall Wulffs wird zur Falle Merkels

Für die Bundeskanzlerin bedeutet der Rücktritt ihres Getreuen Christian Wulff einen politischen Rückschlag, so die Ansicht ausländischer Medien. Von der nächsten Präsidentenwahl hänge auch ihre eigene Zukunft ab.

Der französische „Figaro“ beschäftigt sich mit Christian Wulff. Screenshot

Der französische „Figaro“ beschäftigt sich mit Christian Wulff.

Der Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff ist am Samstag auch in ausländischen Medien mit Blick auf die Folgen für Kanzlerin Angela Merkel kommentiert worden. Die französische Zeitung „Le Parisien“ schreibt: „Der Rücktritt stürzt das Land nicht in eine politische Krise, weil der Präsident in Deutschland nur eine repräsentative Rolle hat, aber er ist eine Schmach für Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Wulff extrem unterstützt hat.“. „Le Figaro“ analysiert: „Welche politischen Schäden diese Affäre hinterlässt, wird davon abhängen, wie schnell es Bundeskanzlerin Merkel schafft, einen Konsenskandidaten zu finden.“

Auch die Zeitungen in Großbritannien nehmen die Konsequenzen des Rücktritts für die Bundeskanzlerin in den Fokus: „Daily Mail“: „Peinlich für Merkel - Deutscher Präsident tritt blamiert zurück, nachdem er versucht hatte, die Presse zu vereinnahmen.“ „Independent“: „Deutscher Präsident geht nach Kreditskandal - Die Entscheidung des 52 Jahre alten Konservativen zurückzutreten ist ein peinlicher Schlag für Kanzlerin Merkel, die ihren Vertrauten vor 18 Monaten persönlich für den weitgehend zeremoniellen Posten ausgesucht hatte.“ „The Guardian“ schreibt: „Christian Wulff wurde von Angela Merkel als Staatsoberhaupt ausgesucht, aber konnte den Streit über unpassende Verbindungen zu Geschäftsleuten nicht abschütteln.“

Die tschechische Zeitung „Dnes“ schreibt am Samstag über den Rücktritt von Christian Wulff: „Angela Merkel und ihre Koalition aus Christdemokraten und Liberalen haben die Funktion des Präsidenten für Machtspiele missbraucht. Nun zeigt es sich, dass ein derart kaltblütiges politisches Kalkül letzten Endes kontraproduktiv ist. Über die derzeitige deutsche Kanzlerin heißt es, sie überlege ihre politischen Schritte wie ein Schachspieler analytisch über mehrere Züge im Voraus. Es muss ihr daher klar sein, dass von der Wahl eines neuen Staatsoberhaupts jetzt sowohl ihr eigenes als auch das Schicksal der Koalition abhängt. Sie muss auch im Interesse der Sache eine Persönlichkeit finden, zu der die Deutschen aufsehen können.“

Die linksliberale bulgarische Zeitung „Sega“ am Samstag urteilt ähnlich: „Wulffs Rücktritt ist ein schwerer Schlag für die Kanzlerin Angela Merkel und ihre Christlich Demokratische Union (CDU), weil gerade Merkel vor zwei Jahren im Parlament durchgesetzt hatte, dass der Konservative Christian Wulff - erst beim dritten Anlauf - gewählt wurde. (...) Merkel musste nun ihren geplanten Besuch in Rom absagen, wo sie die Krise in der Eurozone erörtern sollte. Sie erklärte, dass sie mit den Oppositionsparteien zusammen arbeiten möchte, um einen Konsens-Kandidaten für Wulffs Nachfolger zu finden. Mit diesem ungewöhnlichen Schritt will Merkel wahrscheinlich versuchen, eine potenziell zerreißende nationale Debatte über Wulffs Nachfolger zu einem Zeitpunkt zu vermeiden, wenn sie sich auf die Bewältigung der Schuldenkrise in der Eurozone konzentrieren möchte.“

Bürger begrüßen Wulff-Rücktritt

Video: Bürger begrüßen Wulff-Rücktritt

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Zur Suche nach einem neuen Bundespräsidenten schreibt die niederländische Zeitung „NRC Handelsblad“ (Abendzeitung) am Freitag: „Die große Frage ist, welche Lehre Bundeskanzlerin Merkel aus dem Fiasko der letzten zwei CDU-Bundespräsidenten zieht. Sie hatte Wulff mit Macht durchgedrückt, obwohl die SPD und die Grünen mit dem parteilosen Ostdeutschen Joachim Gauck eine ausgezeichnete Alternative boten. Aus parteipolitischen Gründen ging sie nicht darauf ein und Wulff begann mit einem Fehlstart. (...) Nun will sie mit SPD und Grünen nach einem gemeinsamen Kandidaten suchen. Hoffentlich hält sie Wort, auch wenn ihre Parteifreunde in CDU und CSU verschärft in den eigenen Reihen suchen. Und hoffentlich hat die Opposition nicht vergessen, dass sie vor zwei Jahren einen Kandidaten präsentierte, der über den Parteien stand.“

Der rechtsliberale Mailänder „Corriere della Sera“ verbindet am Samstag den Rücktritt von Christian Wulff mit der deutschen Haltung in der Schuldenkrise: „Unser Urteil in solchen Affären hängt letztlich von der Reputation eines Landes ab und dabei vor allem von dem Image, das es der Welt von sich geben will. Und deshalb erscheint uns der Fall des deutschen Bundespräsidenten schwerwiegender als die aufsehenerregenden Vorfälle in anderen Demokratien (...) Wir haben zwar Schlimmeres gesehen. Aber all dieses geschieht, während die Kanzlerin und ihre Minister Griechenland und anderen Ländern der Eurozone Lektionen in öffentlicher Moral erteilen. In der Art und Weise, wie die Deutschen in der Schuldenkrise gehandelt haben, hat es eine Arroganz gegeben, hinter der sich ein Gefühl der Überlegenheit verbarg. „Ein Bad der Bescheidenheit“ zu nehmen, das würde die Lösung der griechischen Krise begünstigen und Europa mehr Luft zum Atmen geben.“

Kommentare (41)

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LITTLE_ASSHOLE

18.02.2012, 11:29 Uhr

Endlich ist dieser Wullf im Schafspelz enttarnt, entlarvt und bekommt hoffentlich seine "Gerechte Strafe" (200.000,00 Euro) Pension im Jahr, das ungerechte "Perverse Deutsche System".

Jetzt hoffe ich mal, dass noch mehr von dieser Sorte wegkommen, denn sie dienen nicht dem Volk, sondern ihrer "Mafia" ( Macht aus finanziell infantiler arroganz)

Hoffentlich bekommt jetzt jeder dieser Wölfe und Scheinheiligen die sich mit Christlich oder sonstigem Schmücken, endlich mal die Lektion ihres Lebens, dass sie den einfachen Menschen durch ihr perverses System schon lange zumuten, wie z. B. Hartz IV, etc..

Die Menschen sind nicht gerecht, weder Justiz noch sonstige Moralapostel wie Päpste, etc..
Deshalb wäre es sinnvoll, wenn es wie nach Darwin zugehen würde und durch die natürliche Auslese oder durch ein natürliches Ereignis, dieser ganzen “gequirlten Scheiße“ namens Mensch und die Systeme der Politik und Eliten endgültig ein Ende gemacht würde.

Es gab schon zuviel Lügen, Krieg, Leid, Ungerechtigkeit!

Wie lange soll noch so weitergemacht werden?

Seid ihr glücklich, dass es euch Gut geht, weil eure Politiker den Entwicklungsländern gar keine Chance geben sich zu entwickeln? Uns geht es doch nur so Gut, weil es anderen dafür schlecht geht. Dieser Wohlstand ist auf dem Rücken der Schwachen u.a. Griechenland, Afrika, Osteuropa, Billiglöhner erkauft! Wie lange kann so etwas funktionieren?

Nein es ist nicht nur Deutschland, es gibt diverse andere Länder die keine Spur besser sind, deshalb Reset und weg damit.

21.12.2012 it’s Time to say Goodbye

debrasseur

18.02.2012, 11:35 Uhr

Georg Schramm 4 Präsident ! Keiner hat je in Deutschland so offen die Probleme ausgesprochen und unters Volk gejubelt.

Es wäre eine Bereicherung für die Ethik und Humanität, zumal ein sehr bürgernaher Präsident !

Wo ein Wille da ein Weg. Ich befürchte jedoch manche halten dies als Scherz, dabei wäre es geradezu eine Notwendigkeit für dieses Land, jemanden zu haben, der die Finger auf die Wunden legt !

Thomas-Melber-Stuttgart

18.02.2012, 11:39 Uhr

Bei Empfängern staatlicher Leistungen erwartet man, daß sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Die Bundespräsidenten als "Transferleistungsempfänger de luxe" sollte man (sofern noch nicht im Rentenalter) entsprechend einsetzen.

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