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23.12.2011

07:43 Uhr

Presseschau

Der „Geiz-ist-geil-Präsident“

VonPeggy Pfaff

Die internationale Presse ist von Christian Wulffs Bußgang nicht überzeugt: Er habe das Amt beschädigt und werde wohl kein großer Bundespräsident mehr werden. Die Entschuldigung sei das Mindeste, was man erwarten konnte.

Wulff hat sich öffentlich für seinen Umgang mit der Kreditaffäre entschuldigt. Die internationale Presse überzeugt das trotzdem nicht. dapd

Wulff hat sich öffentlich für seinen Umgang mit der Kreditaffäre entschuldigt. Die internationale Presse überzeugt das trotzdem nicht.

„Eine Entschuldigung war das, was man wenigstens erwarten durfte“, urteilt die Financial Times Deutschland über Christian Wulffs Erklärung am Donnerstag. Denn erst habe der Bundespräsident das Parlament Niedersachsens „gelinkt“, dann habe er in den letzten Tagen der Öffentlichkeit ein „moralisch angreifbares Selbstbildnis“ vermittelt: „Da war ein Bußgang nötig.“ Dennoch bleibe die Frage: „War’s das?“

Immerhin sei seine „Vorweihnachtsansprache“ von neuen Enthüllungen begleitet worden. Wulff habe inzwischen das Image eines „schnöden Schnäppchenjägers“, eines „Geiz-ist-geil-Präsidenten“. Mit jedem Vorwurf, den er nicht ausräumen könne, werde ihm seine Würde mehr und mehr geraubt. „Wulff hat sich in eine Lage manövriert, aus der er - trotz Entschuldigung - nur noch schwer herauskommt.“

„Gerade noch gerettet“, befindet die Zeit nach der Erklärung Wulffs. Als Katharsis könne diese jedoch nicht dienen: „Zu durchsichtig ist Wulffs Versuch zu trennen zwischen seiner Vergangenheit als Landespolitiker und Ministerpräsident und seiner Gegenwart als Bundespräsident.“ Und zu deutlich bediene sein Hinweis auf 250 „nach bestem Wissen und Gewissen“ beantwortete Einzelfragen die vorweihnachtliche Stimmung: „Nun lasst es doch mal gut sein!“

Da bleibe ein ambivalenter Eindruck zurück: Er habe sich entschuldigt, er solle im Amt bleiben. Doch der selbst gewählte Auftrag Wulffs, einen Beitrag dazu zu leisten, die „anstehenden Herausforderungen zu bewältigen“ in Deutschland, Europa und der Welt, wirke deutlich zu groß. „Ein Bundespräsident, so wie ihn sich die Mehrheit der Bürger vorstellt, wird Christian Wulff wohl nicht mehr werden.“

„Christian Wulff hat Vertrauen verspielt. Eine Entschuldigung kann das nicht mehr reparieren. Ein Rücktritt wäre konsequent“, meinen dagegen die Salzburger Nachrichten. Deutschland müsse sich fragen, ob es den „richtigen Mann“ zum Bundespräsidenten gewählt habe. „Kanzlerin Angela Merkel entschied sich für einen puren Parteipolitiker, den jetzt eine klassische Politikaffäre ins Schleudern bringt.“ Das könne dem Amt nur schaden, weil sein Inhaber über dem Parteienstreit stehen sollte. Doch Wulffs enttäuschender Umgang mit dieser Geschichte zeige ihn als einen Parteipolitiker, der in kleinster Münze zurückzahle.

250 Einzelfragen habe Wulff beantwortet, doch Antworten auf die „immer noch bohrenden Fragen“ vermisst die Wirtschaftswoche nach wie vor: „Wieso durfte der väterliche Freund Egon Geerkens nach seiner Mithilfe bei der Hausfinanzierung auf Delegationsreisen der Landesregierung mitfahren? Wieso war er zu Zeiten dabei, in denen er gar nicht mehr aktiv unternehmerisch tätig war?“ Zudem seien mit seiner Erklärung neue Fragen aufgetaucht, z. B. ob Wulff bei der BW-Bank Sonderkonditionen erhalten hat. Doch der Bundespräsident habe die Chance verpasst, gleich aktuell Antworten zu geben.

Kommentare (31)

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Jochen

23.12.2011, 08:32 Uhr

Seit wann erhalten deutsche Autobauer ihren Lohn in Dollar?

anindimsch

23.12.2011, 08:41 Uhr

Ja, da hats der schlecht bezahlte Ministerpräsident doch gut gehabt: ich habe für meine Hypothek die "Normalzinsen" zahlen müssen.... aber Herr Wulff kennt eben die richtigen "Schmierlappen" ... das ist kein Bundespräsident, das ist ein Beleidigung für jeden Bürger und eine Blamage für Deutschland.

politikinteresse

23.12.2011, 08:45 Uhr

wer bitte hat hier das Wort "Entschuldigung" gehört? Ich nicht. Es war eine Rede von "bitte habt mich wieder lieb". Wenn Herr Wulff "Haarspalterei" betreibt, so muss das Wort Entschuldigung auch so gesehen werden. Nein das ist kein Präsident der das deutsche Volk vertritt. Und CDU, CSU, FDP will wieder ihre Ruhe mit einem Präsidenten der abnickt was Frau Merkel und Herr Schäuble beschließen. Präsident von Merkels Gnaden kann nur bedeuten das weiter geklüngelt wird wenn er bleibt.

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