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27.01.2010

09:05 Uhr

Presseschau

Der überraschende Abschied von der Novartis-Spitze

VonMidia Nuri

Die Internationale Wirtschaftspresse reflektiert den überraschenden Rücktritt von Novartis-Chef Daniel Vasella. Die Financial Times Deutschland betrachtet Hapag Lloyd als heißen Anwärter auf Platz 2 des Peinlichkeitswettbewerbs - hinter Opel. Financial Times befürchtet einen Handelskrieg. Fundstück: Mit wem zwitschert Gates denn?

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der überraschend scheidende Novartis-CEO Daniel Vasella habe sein Unternehmen schon immer gern gut durchgeschüttelt, stellt das US-Wirtschaftsmagazin Forbes fest. "Nun strukturiert er sich selbst um." Bis zuletzt habe "Big Pharma?s bester Boss" keinen der beiden als mögliche Nachfolger auserkorenen Kandidaten über seine Pläne informiert - neben dem nun ernannten neuen CEO Joe Jimenez auch Vasellas langjährige rechte Hand Jörg Reinhard. "Sie müssen Übergangsphasen sehr kurz halten, sonst haben Sie viele Kollateralschäden", zitiert das Blatt Vasella.

"Die Überraschung ist Daniel Vasella gelungen", stellt die Börsen-Zeitung fest. Seit Jahren schon werde er wegen seines Doppelmandats als CEO und Verwaltungsratspräsident von Novartis und seines hohen Lohns in der Schweiz als Paradebeispiel für einen macht- und geldbesessenen Manager hingestellt. Seinetwegen sei eine Initiative "gegen die Abzockerei" gestartet worden, die den Lohnexzessen Einhalt gebieten soll. "Und dennoch ist es Vasella gelungen, mit seinem jetzt angekündigten Abgang als CEO Anfang Februar alle zu überraschen", erkennt die B.Z. an. "Mit seinem Schritt nimmt Vasella seinen Kritikern Wind aus den Segeln und hat den Weg für einen unvoreingenommeneren Blick auf die unter ihm erbrachte Leistung frei gemacht." Und das sei ein Unternehmen in blendender Verfassung, in einem "Wachstumszyklus, der die Pharmakonkurrenz zurzeit alt aussehen lässt", nach einer beeindruckenden Transformation. Selbst Franz Humer, Präsident des im Gegensatz zu Novartis mit seinen fünf Divisionen lediglich auf zwei Geschäftsbereiche gestützten Konkurrenten Roche, habe anerkannt: "Beide Wege können zum Erfolg führen", zitiert die Zeitung. "Nachdem ihm das kaum noch einer zutrauen mochte, hat er den Abgang als CEO doch noch rechtzeitig geschafft - zu einem vielleicht fast perfekten Moment", bilanziert die Zeitung.

Auch das Wall Street Journal blickt wohlwollend auf das, was der scheidende Novartis-CEO Daniel Vasella in seiner 14-jährigen Amtszeit aus dem Pharmakonzern geformt hat: Die Bereiche, die seinerzeit 55 Prozent seiner Umsätze in den Bereichen Chemie, landwirtschaftlichen Produkten oder anderen nicht gesundheitsbezogenen Produkten einbrachte, stieß er ab. Gleichzeitig habe er das Geschäft von Novartis in mehr Ecken des Gesundheitsmarktes hinein diversifiziert. "Über die Jahre wendete er Milliarden Dollars auf, um Impfstoffhersteller und Generika-Unternehmen zu kaufen, aufgrund der Überzeugung, dass das zukünftige Wachstum im Gesundheitsbereich zunehmend von Produkten abseits der traditionellen Markennamen wie Diovan, Lipitor oder Prozac kommen werde, so das Blatt. Mit Joe Jimenez als seinem Nachfolger übernehme nun ein relativer Pharma-Neuling das Ruder. Der Amerikaner habe den bis kurz zuvor noch als Nachfolger gehandelten Novartis-Veteran Jörg Reinhardt vor allem wegen seiner internationalen Erfahrung ausgestochen, zitiert das Blatt Nunmehr-Ex-CEO Vasella. Während sich Reinhardt nun außerhalb des Konzerns neu orientiere, werde Jimenez wichtigster Job nun sein, den Verlust des US-Patentschutzes von Novartis wichtigstem Präparat 2012 zu bewältigen, der Bluthochdruckpille Diovan. Die dann durch zunehmend billige Nachahmerpräparate absackenden Verkaufszahlen werde er "durch wachsende Verkaufszahlen in Emerging Markets ausgleichen und indem er neue Medikamente gegen Krebs und andere Krankheiten auf den Markt bringen werde", zitiert das WSJ Jimenez.

Bedeutend kritischer klingt da der Kommentar des schweizerischen Wirtschaftsmagazins Cash. Es betrachtet den Rücktritt Vasellas als "Sieg für die kritische Aktionärsgruppe um die Anlagestiftung Ethos, welche die Abschaffung des Doppelmandates seit Jahren gefordert hatte" und interpretiert den Rücktritt so, dass Novartis auch die Ethos-Forderung nach einer konsultativen Abstimmung über das Vergütungssystem nun akzeptiere. Einen Kulturwandel erwartet das Blatt nun nicht. "Vasella hat sich zwar jetzt aus der Schusslinie genommen. Aber er wird ohne Zweifel ein starker Verwaltungsratspräsident sein - wie fast alle Firmenchefs, die vorher das CEO-Amt ausgeübt haben", kommentiert das Blatt. Ob Vasella von exekutiven Zwängen und Pflichten loslassen könne? Fest stehe: Der künftige CEO Joe Jimenez werde keinen leichten Stand haben. Und Aktionäre wie Ethos wohl auch in Zukunft ein waches Auge auf Novartis halten.

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