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13.01.2011

07:14 Uhr

Presseschau

„Die EU bereitet sich auf weitere Pleiten vor“

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse gibt nach der Anleiheauktion von Portugal keine Entwarnung. Das Land bleibe, wie der Rest der Eurozone, im Visier der Finanzmärkte. Der umstrittene Vorstoß zur Aufstockung des EU-Rettungsschirms verunsichere außerdem die Märkte und demonstriere die Uneinigkeit in der EU.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse. Quelle: dpa

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Portugals Werben um das Vertrauen der Investoren hat sich gelohnt. Die erste Anleiheauktion des Landes 2011 verlief erfolgreich. Portugal wurde die neuen Staatspapiere leicht los und musste deutlich weniger Zinsen zahlen als befürchtet. Brüssel drängt weiterhin auf eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirms, was in Berlin und Paris für Unmut sorgt.

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman wundert sich in der New York Times darüber, dass die Auktion als Erfolg gewertet werde. Vor dem Hintergrund, dass die Zinsen bei den zehnjährigen Bonds bei immerhin 6,7 Prozent liegen, zeige dies, wie verzweifelt man offenbar angesichts der Situation in Europa sei - "ein so hoher Zinssatz ist fast schon ruinös". Fazit von Krugman: "Noch ein paar mehr dieser Erfolge und die europäische Peripherie wird zerstört."

Auch die britische Financial Times gibt keine Entwarnung. In Portugal fielen aktuell die Dominosteine, in Madrid zeichne sich eine Krise ab; der Rettungsfonds wiederum sei mit 100 Milliarden Euro gefährlich unterfinanziert. "Investoren können das Ticken einer Zeitbombe im Bankensektor hören."

Vor dem Hintergrund der erfolgreichen Anleiheauktion verunsichere EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso mit seinem Vorstoß zur Aufstockung des EU-Rettungsschirms die Anleger, schreibt die Financial Times Deutschland . "Solch ein Vorstoß dürfte nämlich nicht als Zeichen der Stärke interpretiert werden, sondern als Hinweis darauf, dass sich die EU schon mal auf die Pleiten von Spanien, Italien und Belgien vorbereitet." Zwar verteidigt die FTD das Veto von Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, andererseits zeige dies einmal mehr, dass die EU uneinig sei, was nicht zur Beruhigung der Lage beitragen werde.

Auch das Wirtschaftsblatt reagiert verhalten auf das Ergebnis der Anleiheauktion. Da die Resonanz auch angesichts der vorhandenen Risikoaufschläge tatsächlich nicht überwältigend gewesen sei, habe sich an Portugals prekärer Situation "genau nichts geändert". Das Land bleibe, wie der Rest der Eurozone, im Visier der Finanzmärkte. Den Moment des Durchatmens, so die Prognose der Hamburger, würden die Marktteilnehmer "für einen kurzen Rundblick nützen, die Daten der restlichen Euro-Mitglieder durch ihre Excel-Sheets jagen und sich das nächst schwächste Opfer in der Herde herauspicken." Das Blatt spricht sich aus diesem Grund für eine Aufstockung des Hilfsfonds aus, zumindest kurzfristig - auch wenn dies nur ein Bluff sei, mit dem man sich ein wenig Zeit kaufe.

Kommentare (2)

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Jan Amos Komensky

13.01.2011, 09:50 Uhr

barroso ist ein typischer brüsseler Lobbyist. Die Ursachen für den anstehenden bankrott Portugals datieren in seine Zeit als Ministerpräsident.

dosto

13.01.2011, 16:38 Uhr

„Die EU bereitet sich auf weitere Pleiten vor

Kein einziger Staat hat bisher insolvenz angemeldet.

Auch in irland waren es die banken die Pleite machten.
Jetzt gibts halt mehr oder weniger nur noch ne Staatsbank dort.

ich denkemal das Handelsblatt geht eher Pleite.

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