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14.02.2012

07:38 Uhr

Presseschau

Die hässliche Fratze der Schuldenkrise

VonMaxim Kireev

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die populistischen und nationalistischen Eruptionen in Griechenland. Deutschland müsse sich Nazi-Vergleiche nicht gefallen lassen.  

Aufkleber mit aufgedruckter griechischer Flagge und "Durchfahrt-Verboten-Schild" hängen in Athen. dapd

Aufkleber mit aufgedruckter griechischer Flagge und "Durchfahrt-Verboten-Schild" hängen in Athen.

Die britische Financial Times nimmt die Bundesrepublik in Schutz vor einer Welle des Deutschland-Bashings, die sich vor allem in Südeuropa breitmache. So verglichen griechische Zeitungen das Verhalten  der Deutschen in der Eurokrise mit der Besatzung Griechenlands durch die Nazis. Aber auch der britische Premier David Cameron sage in einer höflicheren Form, dass Deutschland mehr leisten und zahlen müsse, um den Euro zu retten. Von Deutschland werde etwa die Einführung von Eurobonds gefordert, außerdem ein Konjunkturprogramm für die eigene Wirtschaft, um den Import von Gütern aus Südeuropa anzukurbeln. Dabei habe Berlin bereits 211 Milliarden Euro an verschiede Rettungsfonds überwiesen, etwa 70 Prozent des Jahresbudgets. Auch der deutsche Widerstand gegen Eurobonds sei richtig, schließlich würde das Land für die Schulden anderer mithaften, ohne Kontrolle über die Verwendung der Gelder zu haben. Außerdem sei es unklar, wie man Deutsche dazu bekommen soll, südeuropäische Waren zu kaufen. „Vielleicht sollte man Voucher verteilen, die dann gegen einen Pauschalurlaub am Mittelmeer eingetauscht werden können“, ätzt das Blatt. 

Das Wall Street Journal schaut unterdessen nach Griechenland und fragt nach den Schuldigen für die Randale vom Wochenende.  Da seien zunächst die beiden führenden Parteien, von denen eine über den finanziellen Zustand des Landes gelogen und die anderen nichts dagegen unternommen habe. Die Gewerkschaften hätten ihrerseits Reformen stets verhindert und die Wirtschaft mit Streiks paralysiert. Die Anarchisten ließen auch keine Gelegenheit zur Randale aus. Die Griechen seien offenbar nicht in der Lage, zwischen einer weiteren Sparrunde und einem erneuten Bailout oder dem Austritt aus dem Euro zu wählen und die Konsequenzen eines Staatsbankrotts zu akzeptieren. Stattdessen sei es einfacher, ausländische Kreditgeber als Diebe zu bezeichnen – dafür, dass sie die Rückzahlung ihrer Darlehen fordern, die für einen Sozialstaat ausgegeben worden seien, den sich Griechenland hätte allein nie leisten können. Zur Not könne man aber auch den Deutschen die Schuld in die Schuhe schieben.

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Athen in Flammen

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Der australische Business Spectator sieht Griechenland auch nach der erfolgreichen Abstimmung im Athener Parlament über ein neues Sparpaket vor  gewaltigen Herausforderungen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel habe bereits klar gemacht, dass der zweite Bailout an Bedingungen geknüpft sei. Die Griechen müssten noch weitere 325 Millionen Euro sparen; die Politiker sollten sich verpflichten, auch nach den kommenden Wahlen und einem möglichen Regierungswechsel die Sparpläne zu erfüllen, und drittens dürfe das Land seine Verhandlungen mit den privaten Gläubigern nicht beenden. Doch selbst wenn das Land diese Forderungen erfülle, hätten Europas Politiker immer mehr Zweifel an dem Kreislauf aus Sparmaßnahmen und Bailouts für den verschuldeten Staat. Angela Merkel bekomme bereits Gegenwind aus der eigenen Partei, und auch in Frankreich habe sich der ehemalige Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing vor Abgeordneten für einen Austritt der Griechen aus der Eurozone ausgesprochen.    

Die Süddeutsche Zeitung sieht das Sparpaket dagegen als einen wichtigen Schritt in Richtung einer Lösung für die Eurokrise, die nun ihre „furchteinflößende Dimension“ verloren habe. Die griechischen Abgeordneten hätten Fakten geschaffen auf die es in Zeiten von Spekulationen und Vorurteilen ankomme. Deswegen verdiene das Spar- und Kürzungspaket Respekt. Jetzt werde sich kein Land der Eurozone der Hilfe verweigern können. Die Gläubiger müssten nun den Glauben aufbringen, dass der Teufelskreis aus Verschuldung, Rezession und Kredithunger durchbrochen werden könne. Die populistischen und nationalistischen Eruptionen in Griechenland wie auch in Deutschland ließen die zerstörerischen Kräfte ahnen, die die Krise noch freisetzen könne. Die Deutschen müssten sich die Nazi-Beschimpfungen nicht gefallen lassen, weil man viel gegeben habe. „Aber: Ist das nicht eine jämmerliche Pose der Kränkung, gemessen an den eigentlichen Opfern der Krise“, fragt das Blatt?

Kommentare (17)

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gnadenlose_Politik

14.02.2012, 08:58 Uhr

Warum macht man den Nazivergleich? Weil die Merkelsche Politik die Politik Brünings ist, also mit sehr viel Leid gepaart geht und Merkel besteht drauf - alternativlos. Dazu hat man keinerlei Probleme, um Staten das Selbstbestimmungsrecht zu nehmen. Wie die letzte Abstimmung in Griechenland ja auch zeigt. Der von Deutschland ausgehende Sparzwang hat zur Folge, dass Sozialsysteme abgebaut werden in den Ländern. Ausserdem werden Lösungen aufgezwungen, die vielleicht in D passen, aber in anderen Ländern eben nicht. Somit sieht man die Deutschen als gnadenlos an, was die Wirklichkeit auch bestätigt. Eine etwas dezentere Haltung zur Sache wäre schon angebracht gewesen - und wesentlich eleganter. Vielleicht wäre weniger Einmischung in die Angelegenheiten von souveränen Staten angebrachter. Und sollte man sich vorher besser überlegen, wem man Geld leiht und wem nicht. Ausserdem, was macht man eigentlich, um endlich die Probleme im Bankensektor zu beheben? Bis jetzt ist da ja überhaupt nichts passiert, somit ist die nächste Krise doch schon vorprogrammiert.

Account gelöscht!

14.02.2012, 09:06 Uhr

hat man die Südeuropäer endlich für einen Europäischen Bürgerkrieg aufgehetzt?
Nur das ist doch das Ziel der US-Finanzverbrecher. Dann können die US-Rüstungskonzerne die maximalen Gewinne einfahren.
Und die verblödete deutsche regierung macht das Spiel mit!

Account gelöscht!

14.02.2012, 09:14 Uhr

Ich kann mich meinen beiden Vorkommentatoren nur noch anschließen.
Danke

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