Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.03.2012

07:53 Uhr

Presseschau

Die „Mutter aller Brandmauern“ versagt

VonDaniel Lenz

Kaum erklärt sich Berlin bereit, mehr Geld für Europas Rettungsschirm herzugeben, wird eine noch höhere Aufstockung gefordert. Die Medien bezweifeln, dass sich die Märkte von den Riesenbeträgen beeindrucken lassen.

Ein mit neuen Milliarden aufgepumpter Euro-Rettungstopf könnte die Risiken nur verdecken, statt sie zu lösen. dpa

Ein mit neuen Milliarden aufgepumpter Euro-Rettungstopf könnte die Risiken nur verdecken, statt sie zu lösen.

Kaum hat sich Berlin bereit erklärt, mehr Geld für den europäischen Rettungsschirm ESM zur Verfügung zu stellen, ist eine weitere Aufstockung auf dem Tisch: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fordert von der Euro-Zone eine Verdoppelung der Stütze für Krisenländer auf eine Billion Euro. „Die Mutter aller Brandmauern sollte in Stellung gebracht werden“, zitiert die Welt OECD-Generalsekretär Angel Gurría.

Im Kommentar winkt die Welt ab: Die Forderungen basierten auf dem fundamentalen Denkfehler, dass sich die Investoren an den Märkten von solchen Riesenbeträgen beeindrucken ließen, ohne zu hinterfragen, ob die Europäer dieses Geld wirklich aufbringen könnten. Tatsächlich sei der Mega-Rettungsfonds weniger wert als die Sparergarantie, die Angela Merkel zu Beginn der Finanzkrise verkündet hatte.

Das Wall Street Journal meint, in der Eurozone sei man unterschiedlicher Meinung, wie solche Aufrüstungs-Signale auf den Märkten ankommen: Wirkt die große Firewall ab- oder erschreckend?

Die vorübergehende Vergrößerung der Euro-Rettungsschirme stößt bei Ökonomen auf große Skepsis. „Letztlich wird die Währungsunion nicht durch Hilfspakete, sondern nur durch Reformen in den Peripherieländern gerettet“, sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, dem Handelsblatt. Mehr Geld beruhige die Märkte immer nur kurzfristig. Mehr Geld entspanne auch die italienischen Abgeordneten. „Aber nur mit Angstschweiß auf der Stirn stimmen sie Montis Arbeitsmarktreformen zu, die die weitgehende Unkündbarkeit italienischer Angestellter beenden soll“, fügte Krämer hinzu. 

Max Josef Strauß, Sohn des CSU-Urgesteins Franz Josef Strauß, erklärt im Handelsblatt, dass vergrößerte Rettungsschirme kein Mittel zur Bewältigung der Euro-Krise seien. Kanzlerin Angela Merkel werde den Deal, der in Kopenhagen geplant sei, als Durchbruch verkaufen. In Wahrheit verzocke sie das Geld der Steuerzahler.

Eckdaten auf einen Blick: Planspiele für den Rettungsschirm

Eckdaten auf einen Blick

Planspiele für den Rettungsschirm

Die Euro-Retter feilen an den Details für den Rettungsschirm. Bislang hat sich Deutschland gegen eine Kombination Handelsblatt Online fasst die wichtigsten Fakten zum Rettungsschirm zusammen.

Das Manager Magazin will mit dem Vorurteil der Politiker aufräumen, sie könnten die Krise endgültig lösen. Die Dauerkrise des Euro-Raumes werde erst dann vorüber sein, wenn die gigantische Verschuldung auf ein erträgliches Niveau gesenkt werde. Aktuell stecke die Euro-Zone in einer Abwärtsspirale: Hohe Schulden bremsten das Wachstum, eine schrumpfende Wirtschaft aber könne sich nicht aus den Schulden befreien, sondern türme immer mehr Verbindlichkeiten auf. (s. auch „Menschen und Meinungen“)

Kommentare (36)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Cassandra

28.03.2012, 08:08 Uhr

Warum sollten sie dich Märkte auch beeindrucken lassen? Die Probleme werden durch die Geldfluten ja nicht gelöst, sondern noch weiter verschlimmert. Die Schuldner haben noch höhere Schulden und der Willen zum Sparen und vernünftigen Wirtschaften ist endgültig dahin. Das Beispiel Griechenland wird jetzt Schule machen - Schulden machen bis zum Zusammenbruch und dann Entschuldung auf Kosten der Allgemeinheit. Die Zockerbanken wissen, sie werden sowieso vom Steuerzahler gerettet, also werden sie Risiken eingehen, die nur schief gehen können.

Account gelöscht!

28.03.2012, 08:18 Uhr

Toll, wenn hinter dem Rettungsschirm solche selbst hochverschuldeten Kaliber wie Spanien und Italien stehen und bürgen sollen!?

Außerdem, weil alle wissen, dass das sowieso keiner zahlen kann. Wo soll das Geld denn herkommen? Wenn irgendwas von dieser Summe fällig wird, müssen alle nur noch mehr Kredite aufnehmen und das selbe Spiel beginnt von vorn. Aber leider merkt das ja keiner in Berlin! Die Kreditgeber sind doch selbst Kreditnehmer und über beide Ohren verschuldet!!!

Wahrheit

28.03.2012, 08:19 Uhr

Bis jetzt habe ich Frau Merkel u. Co. noch für mehr oder weniger klaubwürdig gehalten. Doch nun mit der Zusage, die Rettungsschirme zusammen zu legen und der proptem Forderung der anderen Staaten die Haftungssummer zu erhöhen, zweifele ich so richtig an der Wahrnehmung unserer Politikt über die Folgen für das Volk. Als Politiker lässt sich mit dem Geld fremder Leute sehr einfach handeln, wenn es dann zum total Ausfall kommt und die Damen und Herren abgewählt werden, ist es Ihnen mehr oder weniger egal, denn die Diäten die Sie bekommen sind sicher und ein evtl. gut dotierter Job in der Wirtschaft kann ja auch noch folgen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×