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22.02.2010

07:15 Uhr

Presseschau

„Die Piloten haben ein Recht auf Streik“

VonPeggy Pfaff

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Streiks bei der Lufthansa. Das WSJ hinterfragt die Übernahme von Smith International durch Schlumberger. Laut Report on Business ist Kalifornien das Griechenland der USA. La Tribune sieht den Chef der Société Générale angezählt. Fundstück: Alan Greenspans Lack ist ab.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Die Lufthansa-Piloten streikten zu Recht, meint die Financial Times Deutschland. Im deutschen Recht sei ausdrücklich vorgesehen, dass auch Spartengewerkschaften ein Streikrecht hätten. Insofern treffe derjenige, der die Piloten – oder die Krankenhausärzte oder die Lokführer – schlage, immer auch den Gesetzgeber. Für die Piloten erkennt das Blatt jedoch einen Sonderfall: Die Berufsgruppe sitze nicht nur am Schaltknüppel eines Flugzeugs, sondern trage auch im Ausstand eine besondere Verantwortung. „Sie müssen sich und ihre Gewerkschaftsführung fragen, ob vier Tage Dauerstreik zur Durchsetzung ihrer Forderungen ein angemessenes Mittel sind.“ Ob der Gesetzgeber tatsächlich gefordert sei, die Macht der Spartengewerkschaften zu begrenzen, werde sich in den nächsten Tagen zeigen. Es sei gut möglich, dass der öffentliche Druck als Korrektiv bereits ausreiche. „Denn selbst nervenstarken Piloten fällt das Streiken schwerer, wenn sie zu den Buhmännern der Nation werden.“

Aus Sicht des französischen Wirtschaftsblatts Les Echos illustriert der Konflikt bei Lufthansa die wachsende Sorge der deutschen Arbeitnehmer, ihren Job zu verlieren. „Für sie scheint die Erholung der deutschen Wirtschaft, immerhin die Nummer Eins in der Europäischen Union, zu stagnieren.“ Die jüngsten Tarifabschlüsse bei Volkswagen und in der Metallindustrie untermauere dies: „Arbeitsplatzsicherheit im Tausch gegen Lohn- und Gehaltskürzungen scheint derzeit die beste Reaktion auf die Angst der deutschen Verbraucher zu sein.“

Das Manager Magazin geht davon aus, dass sich die volkswirtschaftlichen Folgeschäden des Streiks in Grenzen halten. So habe zwar Lufthansa Cargo mit all ihren Tochtergesellschaften einen Anteil am weltweiten Luftfrachtverkehr von zehn Prozent. Von den 40 durch den Streik betroffenen Flügen habe die Lufthansa jedoch nach eigenen Angaben 90 Prozent neu organisieren können, mit Hilfe von nicht-streikenden Managementpiloten sowie anderen Airlines, die Lufthansa Cargo samt Pilot und Maschine chartere. „Die größten Schäden im Land dürften also in Unsicherheit, Warterei und Umständen bestehen - schlimm genug.“

Der Pilot Jörg Handwerg von der Vereinigung Cockpit verteidigt im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung die Streiks. Zwar würden die Nutzer in Mitleidenschaft gezogen. Andererseits habe man den Streik deshalb so früh genug angekündigt, damit sich die Passagiere Alternativen suchen könnten. Auf die Frage, ob dies der richtige Zeitpunkt für einen so harten Arbeitskampf sei, erklärt Handwerg: „Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Die Lufthansa hat 2008 ihr bestes Ergebnis in der Geschichte mitgeteilt - und das mit unseren bestehenden Tarifverträgen. Damals hat die Lufthansa so viel Gewinn gemacht wie die zweit-, dritt- und vierterfolgreichste Airline zusammen. Es ist völlig überzogen, dass sie sich jetzt als Sanierungsfall darstellt und sagt, der Streik käme zur Unzeit“. Das Lufthansa-Management wolle die Piloten außerdem mit „unfairen Mitteln“ um den erarbeiteten Anteil bringen: Die aufgekaufte Austrian Airlines könnte zur eigenen Konkurrenz aufgebaut werden, falls die AUA oder Lufthansa Italia die Flugstrecken mit billigeren Piloten übernehme. „So sollen unsere Arbeitsverträge ausgehöhlt werden.“

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