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03.02.2011

07:29 Uhr

Presseschau

„Dies ist nicht die Armee der Demonstranten“

VonDaniel Lenz

Die internationalen Medien kommentieren die Gewalteskalation in Kairo und untersuchen dabei besonders die Motive der Armee, die nicht eingreift. Den Offizieren gehe es offenbar weniger um schnellen Wandel als um Stabilität. Dies bremse die demokratische Protestbewegung, schütze das Land aber auch vor radikalen außenpolitischen Veränderungen.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse. Quelle: dpa

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Die britische Financial Times analysiert großflächig die Rolle der Armee, die gestern signalisert habe, dass sie keinen schnelleren Wandel "anstiften" werde. Der 470.000 Köpfe starken Armee gehe es weniger um Macht als um Stabilität. Sie würde jede rechtsstaatliche Regierung unterstützen, auch eine von der muslimischen Bruderschaft geführte. Der Wunsch der Armee nach Stabilität habe einerseits zur Folge, dass nur kontrollierte Vorstöße in Richtung Demokratie bevorzugt werden. Andererseits werde sich die Armee radikalen außenpolitischen Veränderungen wiedersetzen - sie sei hochgradig von der Belieferung der US-Armee abhängig.

Der Standard wundert sich nicht über den gewaltsamen Auftritt der Pro-Regime-Demonstranten in Kairo. An ihrem Auftauchen sei höchstens erstaunlich, dass es so spät erfolgt sei. "Offenbar war die Überraschung beim Ausbruch der Unruhen so groß, dass es eine ganze Weile dauerte, bis sich die Mubarak-Fans ihrer Liebe zum Präsidenten besannen - beziehungsweise daran erinnert wurden", vermuten die Wiener. Doch die Eskalation erfolge in einem sehr sensiblen Moment: Sowohl zwischen zwischen Armee und Demonstranten als auch zwischen unterschiedlichen Gruppen der Protestbewegung sei zuletzt ein kleiner Abstand entstanden, in den die Provokateure vordringen wollten. Fazit der Wiener: "Die Schlacht von Mittwoch mag das Regime gewonnen haben, den Krieg wird es jedoch gerade wegen dieser Schlägerszenen verlieren."

Wie wollten Amerikaner und Europäer jetzt noch mit dem langjährigen Partner in Kairo zusammenarbeiten, fragt die Süddeutsche Zeitung mit Blick auf den an seinem Amt klebenden Hosni Mubarak. Und kritisiert die Armee, auf die das Volk gehofft habe und die jetzt ihre Hände in Unschuld wasche. Dass die Soldaten bei den Krawallen nicht eingegriffen hätten, begründeten die Offiziere offenbar damit, dass sie die Demonstranten am Morgen aufgefordert hätten, nach Hause zu gehen. "Will heißen: selbst schuld."

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