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06.09.2011

06:59 Uhr

Presseschau

„Eine Krise ohne Retter in Sicht“

VonMaxim Kireev, Mitarbeit: Kerstin Herrn

Die Angst vor einer Zuspitzung der Schuldenkrise geht um. Grund ist der katastrophale Börsenstart zu Wochenbeginn. Im Fokus steht dabei einmal mehr die deutsche Politik und die Diskussion um Euro-Bonds. Die Presseschau.

Untergehender Euro: Die Gemeinschaftswährung befindet sich in der Krise, doch es ist kein Retter in Sicht. ALIMDI.NET / Martin Moxter

Untergehender Euro: Die Gemeinschaftswährung befindet sich in der Krise, doch es ist kein Retter in Sicht.

Nach dem katastrophalen Börsenmontag sieht das US-Magazin Forbes den Euro letztendlich in die Ecke getrieben. Die Märkte verlangten nun eine Entscheidung, wie die Schuldenmisere gelöst werden solle. Verschiedene Entwicklungen verdichteten sich zu einer düsteren Kulisse. Zum einen hätten die Zinsen auf griechische Anleihen die 50-Prozent-Marke überschritten, italienische Anleihen seien mittlerweile höher verzinst als spanische – und das, obwohl die EZB solche Papiere aufgekauft habe. „Der Montag war dabei nur ein Vorgeschmack darauf, wie die Börsen versuchen könnten, Deutschland unter Zugzwang zu bringen“, meint das Blatt. Der deutsche Widerstand gegen Eurobonds und ähnliche Instrumente sei so tief verwurzelt, dass nur eine drohende „Kernschmelze“ etwas an dieser Haltung ändern könne. 

Die Welt vergleicht die aktuelle Krise mit der Lehman-Pleite und stellt fest, dass heute im Gegensatz zu 2008 kein Retter in Sicht sei. Die dramatischen Kursverluste, insbesondere bei den Finanztiteln, zeigten, dass Investoren die Sicherheit fehle. Die Erkenntnis, dass Griechenland nicht mehr zu retten sei, setze sich mehr und mehr durch. Gleichzeitig habe sich die Sorge um eine konjunkturelle Schwächephase zu einer Rezessionsangst ausgeweitet. Die Parallelen zur Lehman-Krise seien bedrückend. Allerdings habe damals ein Schulterschluss aus Politik, Notenbanken und internationalen Organisationen die Vertrauenskrise besiegt. Heute herrsche Einigkeit nur über die Brisanz der Situation. 

Die Händler, die diese Woche aus dem Urlaub zurückkehrten, seien nicht gerade mit guter Laune gestartet, kommentiert das britische Magazin Economist den gestrigen Börsentag. Die Kursrutsche seien teilweise auf die schlechten Arbeitsmarktzahlen aus den USA zurückzuführen, doch Europas Probleme seien größtenteils selbstverschuldet. Gespräche zwischen Griechen und internationalen Gläubigern seien gescheitert, da die Athener Regierung ihre Sparpläne nicht einhalte. Auch die Italiener schreckten vor ihren bereits verabschiedeten Sparmaßnahmen zurück. „Plan A – die Länder senken ihre Schulden durch Finanzdisziplin – scheint immer weniger umsetzbar“, schreibt das Blatt. Plan B bedeute dagegen, die Deutschen müssten für die Schulden der Peripheriestaaten geradestehen. Nach der fünften verlorenen Regionalwahl in Folge dürfte Angela Merkel einem Blankoscheck skeptisch wie nie gegenüberstehen. Nur die deutschen Konzerne, die nach China exportierten, könnten sich in einer solchen Situation immun fühlen. 

Die britische Financial Times widerspricht der Annahme, dass es lediglich am deutschen Willen und Großzügigkeit mangelt, um den Euro zu retten. Diese Sichtweise baue auf der falschen Annahme einer unbegrenzten Wirtschaftskraft der Bundesrepublik. Schließlich sei die deutsche Schuldenquote höher als in Frankreich, Spanien und Großbritannien. Niemand wisse mit Sicherheit, ob Eurobonds, von vielen als Allheilmittel gepriesen, funktionieren würden. Mit Sicherheit würden diese deutschen Steuerzahlern mehr Kosten aufbürden. „Die Bundeskanzlerin will mit Sicherheit die gemeinsame Währung stützen, ihre guten Absichten sind unzweifelhaft“, schreibt das Blatt. Sie wäre jedoch unklug, Deutschlands eigene politische und wirtschaftliche Stabilität zu gefährden. 

Auch die Börsen-Zeitung stellt fest, dass eine Politisierung des Themas Eurobonds eine sachliche Debatte erschwere. Es sei unbestreitbar, dass deren Einführung ein extrem schwieriges Unterfangen wäre. Vor allem bedürften sie Verfassungskorrekturen und der politischen Unterstützung für ein anderes Europa mit Finanzministerium und Wirtschaftsregierung samt demokratischer Legitimation. „Dafür gibt es derzeit keine ausreichende Unterstützung“, meint das Blatt. Daher sei es besser, zunächst die vereinbarte Aufrüstung des Rettungschirms umzusetzen. Es sei zwar möglich, dass die Währungsunion irgendwann nicht ohne gemeinsame Anleihen auskomme, doch dann müsse Europa auch zu einem großen Integrationsschritt bereit sein.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

06.09.2011, 07:39 Uhr

An die deutschen Befürworter von Eurobonds:
"Die britische Financial Times widerspricht der Annahme, dass es lediglich am deutschen Willen und Großzügigkeit mangelt, um den Euro zu retten. Diese Sichtweise baue auf der falschen Annahme einer unbegrenzten Wirtschaftskraft der Bundesrepublik."
Das lest mal, und denkt drüber nach! Wenn Sie weiterhin Eurobonds fordern, dann zeigt dass, wie widerlich "deutsch" Sie sind: Eine deutsche Überheblichkeit und ein deutscher Größenwahn, als könne diese kleine überschuldete Deutschland den Euro retten. Die Grün-Roten sind widerlicher "deutsch" in diesem Zusammenhang, als sie selbst glauben - eigentlich sogar in der Tradition der deutschen Überheblichkeit und des Größenwahns der Nazis und der Sozialisten im Osten, was "politische Projekte" angeht. Aber immer bis zum Ende durchziehen - bis die größte soziale, wirtschaftliche und politische Katastrophe in Deutschland und Europa seit 1945 besichtigt werden kann...
Das wäre dem britischen Pragmatismus NIE passiert! Die Deutschen haben nichts gelernt. Gar nichts. Und besonders diese widerlichen Rot-Grünlinge schlagen Trommeln, die Goebbels nicht besser hätte bedienen können. Allerdings sind hier CDU und FDP nur geringfügig besser. Alle arbeiten am Untergang und versuchen, das Volk zu betäuben und zu belügen: "Deutschland hat schließlich den größten Vorteil aus dem Euro gezogen." WIDERLICH!

wellensittich

06.09.2011, 07:49 Uhr

Deutschland hat noch! stark prestige trächtige Unternehmen wie Daimler, BMD, AUDI, VW sowie die Maschinen Bauer die Substanz herstellen können & exportieren.
Aber richtig: Damit den Euro zu retten ist nix!
Fischfang in den Dolce Vita Staaten vs. Metallindustrie, wer wird da in der Globalisierung langfristig den kürzeren ziehen? Die Chinesen können sich auch selber ihren Schafskäse und Fische züchten.
Goodbye!

Novaris

06.09.2011, 07:57 Uhr

Sparprogramme sind politisch nicht durchsetzbar. Das Schuldenmachen wird somit weitergehen. Warum auch nicht ?
Der EFSF wird in 2013 in den ESM übergehen. Und der ESM ist nach "Oben"
offen.
Lt. Merkel "wird kein EURO-Staat allein gelassen" und diese Aussage ist ein Blanko-Scheck für Pleitiers.
Die Finanzierung der Schulden wird somit letztendlich über den ESM erfolgen, da anderenfalls die Pleite des Schuldenstaates droht --- lt. Merkel mit der Folge des Zusammenbruchs der EURO-Zone, was nicht geschehen darf.
Deutschland wird vorhersehbar über den ESM unwiderruflich in Geiselhaft genommen werden und am ESM finanziell ausbluten sowie politisch zerbrechen.
Ist diese Entwicklung für verantwortliche Politiker unvorstellbar oder wird sie bewußt verdrängt ??
Die politische Situation in Deutschland wird kippen, sollte das Negativszenario eintreten, mit harten Konsequenzen für die derzeit herrschende politische Klasse; denn die EURO-Rettung wird - wie von der Regierung vorgesehen - von der Bevölkerung mehrheitlich nicht gewollt.
Jeder sollte sich darüber im Klaren sein, daß Deutschland zuletzt nicht "gerettet" werden kann sondern die EURO-Rechnung den wütenden Deutschen präsentiert würde.

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