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23.02.2011

07:44 Uhr

Presseschau

Entweder ich oder das Chaos

VonDaniel Lenz

Die internationalen Medien warnen vor einer weiteren Eskalation der Libyen-Krise. Gleichzeitig wird das Ende der Zurückhaltung Europas und deren Bereitschaft zu Sanktionen gegen das Land begrüßt. Die Presseschau.

Presseschau: Die Welt muss sich auf eine weitere Volatilität der Ölpreise vorbereiten. Quelle: dpa

Presseschau: Die Welt muss sich auf eine weitere Volatilität der Ölpreise vorbereiten.

Das Regime von Muammar al-Gaddafi hat seinem eigenen Volk den Krieg erklärt: "Wir werden bis zum letzten Blutstropfen kämpfen", kündigte der Despot am Abend in einer wirren Rede im staatlichen Fernsehen an.

Im US-Magazin Time berichtet der frühere CIA-Agent Robert Baer, dass Gaddafi seinem Sicherheitsdienst befohlen habe, die eigenen Öl-Anlagen zu sabotieren. Zu Beginn sollten einige Öl-Pipelines zerstört werden, um die Verbindung zu einigen Mittelmeer-Häfen zu unterbrechen. Dies solle als Botschaft an die Aufständigen verstanden werden:  entweder ich oder das Chaos. Außerdem habe Gaddafi die Freilassung von militanten islamischen Gefangenen angeordnet, die für Chaos sorgen sollten. Dem Despoten sei zwar klar, dass er das Land nicht mehr mit Hilfe der Soldaten zurückerobern könne – nur rund 5000 von insgesamt 45.000 Soldaten stünden auf seiner Seite. „Was er jedoch schaffen könnte, ist, dass die rebellischen Stämme und Armee-Offiziere ihre Disloyalität bereuen, was Libyen in ein zweites Somalia verwandeln würde. ,Ich habe das Geld und die Waffen, um lange Zeit zu kämpfen', hat Gaddafi angeblich gesagt.“

Das US-Wirtschaftsmagazin Fortune hinterfragt den Anstieg der Ölpreise infolge der Unruhen in Libyen. Investoren erhofften sich, dass die OPEC eingreift und einen weiteren Anstieg der Preise mit einer Erhöhung der Ölproduktion verhindert. Doch es sei zweifelhaft, ob die Organisation erdölexportierender Länder dies aktuell umsetzen könnte. Dies hänge besonders von Saudi-Arabien ab, dem größten Öl-Exporteur der Welt. Nach Einschätzung des US-Öl-Ingenieurs Jeffrey Brown können die Saudis gar nicht den Bedarf der Welt decken; die saudische Produktion sei in drei der vergangenen fünf Jahre zurückgegangen, allein 2009 um elf Prozent, während der saudische Öl-Verbrauch gestiegen sei – seit 2005 um 50 Prozent.

Die britische Financial Times mahnt, die Welt müsse sich auf eine weitere Volatilität der Ölpreise vorbereiten – und gar eine richtige Ölkrise, sollte die Öl-Produktion in Saudi-Arabien oder anderswo unterbrochen werden. Die Rufe nach einer Erhöhung der Binnen-Ölproduktion oder dem Ausbau alternativer Energieträger seien aktuell zu hören, griffen aber zu kurz. Pläne für ein kurzfristiges Krisenmanagement müssten vielmehr bei den strategischen Öl-Reserven ansetzen, die als Puffer eingesetzt werden müssten, um das schrumpfende Öl-Angebot oder unterbrochene Transitrouten zu kompendieren und schließlich die Börsen zu beruhigen.

Die Süddeutsche Zeitung warnt davor, in Gaddafi nur einen durchgeknallten Autokraten zu sehen, der 40 Jahre lang sein Land versklavt habe. Ebenso charakteristisch sei sein sprunghaftes Verhalten. Nicht nur habe der Nationalist gemeinsame Staatsgründungen propagiert, die allesamt  gescheitert seien; außerdem sei er in der Sahararegion mal als Wohltäter und mal als imperialistischer Kriegsherr aufgetreten, während er die Amerikaner anfangs bekämpft und nach dem 11. September 2001 eng mit ihnen zusammen gearbeitet habe. „Gaddafi ist der letzte aus der Reihe der sich selbst verherrlichenden Nationalrevolutionäre des 20. Jahrhunderts.“ Jetzt werde er zum Opfer der Revolution.

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