Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.09.2011

07:25 Uhr

Presseschau

„Es wäre Selbstmord, die Griechen alleine zu lassen“

VonMaxim Kireev

Was soll aus Griechenland werden und was würde im Falle einer Staatspleite passieren? Dieses Szenario spaltet die Kommentatoren der Internationalen Medien. Ein weiteres Sorgenkind: Frankreichs Banken.

Bedeutet ein Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone eine Katastrophe für Athen, Deutschland und den Rest Europas? Die Süddeutsche findet: Ja. Armin Dahl

Bedeutet ein Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone eine Katastrophe für Athen, Deutschland und den Rest Europas? Die Süddeutsche findet: Ja.

DüsseldorfDas österreichische Wirtschaftsblatt plädiert für einen „geordneten Default“ Griechenlands und ein „Herausschälen“ des Landes aus der Eurozone. Dies würde den Griechen erlauben, ihre Währung abzuwerten und sich so leichter aus der Krise zu manövrieren. Das Problem sei jedoch, dass über eine solche Option bisher nicht nachgedacht worden sei. Vielmehr sei die Staatspleite immer wieder ausgeschlossen worden. Nun könne endlich darüber diskutiert werden. „Der Plan B, dem sich Europa nun ausgesetzt sieht, ist also keiner, der von den Verantwortlichen geschmiedet wurde, sondern einer, in den sie gerade hineintorkeln“, ätzt das Blatt. Die Regierungen sollten nun ihre Wirtschaftsinstitute ein Szenario durchrechnen lassen, das eine griechische Pleite beinhalte, und entsprechend handeln. „Mit aller Konsequenz“, fordert die Zeitung.

Die Süddeutsche Zeitung hält dagegen und prophezeit im Falle eines Rauswurfes Griechenlands aus der Eurozone eine Katastrophe für Athen, Deutschland und den Rest Europas. Der Wirtschaftsminister Philip Rösler habe auf seiner „rührend anmutenden Suche nach Profil“ die Staatspleite Griechenlands ins Spiel gebracht. „Was das ist, weiß der Neu-Ökonom nicht so genau“, spottet das Blatt. Der Vorschlag sei kein Tabubruch, wofür sich Rösler gern lobe, sondern Eskalation. Die Aktien der in Griechenland engagierten französischen und deutschen Banken seien am Montag bereits abgestürzt. Die Wiedereinführung der Drachme würde das Land keineswegs sanieren. Griechenland sei kein Exportland, das seine Waren dann billiger im Ausland anbieten könne. Stattdessen könnte Athen seine in Euro gemachten Schulden nie zurückzahlen, weil sich die Verbindlichkeiten durch die Abwertung vervielfachen würden. Am Ende könnte sogar die gesamte Währungsunion kippen, was für Deutschland ein „Minusgeschäft“ wäre.

Auch die kanadische Financial Post glaubt nicht an den Nutzen des Rauswurfes. „Wer glaubt, die Wiedereinführung der Drachme würde die goldene Ära der griechischen Wirtschaft wiederbeleben, hat zu lange in der mediterranen Sonne verbracht“, echauffiert sich die Zeitung. Die Einführung der Drachme wäre ein „fiskalischer Alptraum“ für deutsche und französische Banken, die auf großen Teilen der Athener Staatsschulden säßen. „Banken wollen Euros zurück und keine Drachmen“, kommentiert das Blatt. Eine eigene griechische Währung habe sich in der Geschichte oftmals als ein Desaster herausgestellt. „Es wäre Selbstmord, die Griechen mit der Last ihrer Schulden alleine zu lassen“, findet die Zeitung. Die Kosten einer möglichen Staatspleite müssten sich daher auf Steuerzahler und Banken verteilen.

Der Kolumnist der New York Times und Ökonom Paul Krugman kritisiert den Drang der europäischen Politiker, die vermeintlichen Schuldenstaaten zu bestrafen. Die Deutschen seien dabei nicht die einzigen. Das Bild des unmoralischen Schuldners treffe, wenn überhaupt, nur auf Griechenland zu. Spanien etwa habe bis 2008 einen Budgetüberschuss eingefahren. Die Europäische Zentralbank sollte nun die Anleihen der Krisenländer Italien und Spanien aufkaufen – als Ersatz für die fehlende Möglichkeit dieser Länder, ihre Währung abzuwerten. Dies habe die EZB auch getan und sei sofort von den „Moralaposteln“ unter Druck gesetzt worden. Die Vorstellung, dass diese nun weitere Rettungsaktionen blockieren würden, habe eine Panik auf den Märkten ausgelöst. „Die ganze Welt schaut nun zu, ob die EZB das richtige tut und großzügig Kredite vergibt, oder ob die Politiker Europas die Schuldner bestrafen wollen, um sich selbst zu retten“, meint die NYT.

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.09.2011, 07:42 Uhr

Die La Grande Nation, soll ihre Banken alleine Retten, wer Geld für Krieg hat, hat auch Geld für seine Banken.
Kein Geld des deutschen „Boche“

Danke

Account gelöscht!

13.09.2011, 07:58 Uhr

Wie sagte Merkel: Wir sitzen alle im europäischen Boot. Da denke ich, sollte der deutsche Michel auch ordentlich zulangen und Party machen, so lange es geht. Und nebenher noch die Gurte anlegen - denn der Absturz folgt.
Es gibt offensichtlich zwei Probleme: Das Abkacken des FIAT-Money-Systems, das Schöpfen von abstraktem Geld aus dem Nichts durch die Banken, und in Europa als Katalysator der Entwicklung der Euro obendrauf. Hier wird die Katastrophe beginnen - und dann ist nichts mehr, wie es vorher war.
Wer meint, man könne einfach so über die Verhältnisse leben indem man Geld druckt ohne Ende, der inszeniert die Hyperinflation. Was das für Deutschland bedeutet, kann man in Geschichtsbüchern nachlesen...

Account gelöscht!

13.09.2011, 08:24 Uhr

Gold kaufen, und auch noch einen Kartoffelacker dazu. So ist man gewappnet gegen Merkels Ausverkauf von Deutschland und unabhängig von Nahrungsproduzenten. Na ja - vielleicht auch noch ein oder zwei Säue für den Garten hinzu und ein paar Obstbäume?
Dann kann jedem Voraudenkenden die Inflation und die Unterstützung der Feiergriechen egal sein, wenn dabei auch unsere Renten draufgehen werden - wir müssen ja die griechischen Renten mitbezahlen und sind als Deutsche sowieso zu dick, und feiern und richtig leben können wir auch nicht mit unserer Mentalität. Dann doch lieber deutsche Gelder für die Griechen, damit die weiterfeiern können, denn auf wessen Kosten die Griechen feiern, das ist denen doch egal!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×