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29.07.2011

07:14 Uhr

Presseschau

„Es wird alles noch viel schlimmer“

VonBarbara Bierach

Die internationale Presse diskutiert weiter das US-Vorgehen in der Schuldenkrise, das WSJ beleuchtet Deutschlands Angst vor dem Zensus und die BusinessWeek erklärt Steuerbetrug zu Indiens Nationalsport. Die Presseschau.

Die Schuldenkrise in USA belastet den Dollar schwer. Quelle: dpa

Die Schuldenkrise in USA belastet den Dollar schwer.

WiesbadenInsgesamt 14 führende Topmanager der Wall Street redeten US-Präsident Barack Obama und dem US-Kongress ins Gewissen, schreibt die Finanical Times. Sie warnen vor „ganz schweren Konsequenzen“ einer Zahlungsunfähigkeit. Manager wie Lloyd Blankfein von Goldman Sachs und Jamie Dimon von JPMorgan Chase forderten in einem Brief eine Einigung noch in dieser Woche. Die Banker seien auch deswegen so verschreckt, weil sich die US-Notenbank weigere, Details eines Notfallplans für den Fall einer Zahlungsunfähigkeit oder einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA offenzulegen.

Beides wäre eine schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit der USA und die Zuversicht der Unternehmen und Investoren, klagen die Manager. Die Fed halte sich in der Schuldenkrise so auffällig zurück, weil sie „sich fürchte, ein Signal in den Markt zu senden, dass sie mit einer Herabstufung oder gar mit einem technischen Staatsbankrott“ rechne, schreibt das Blatt.

Die Wirtschaftsagentur Bloomberg äußert Verständnis, dass  sich der Chairman der Federal Reserve, Ben Bernanke, so augenfällig von den politischen Streitereien um eine Erhöhung der Schuldengrenze distanziert. „Würde er sich einmischen und eine bestimmte Steuerstrategie oder ein spezifisches Sparprogramm vorschlagen, würde er bloß Politiker verärgern und die Märkte in Aufruhr versetzen.“ Der Chef der Fed müsse über den Dingen stehen.

Sich von dem ganzen Theater fern zu halten, gebe Bernanke und seinen Kollegen künftig auch mehr Freiheit, ein weiteres Stimuluspaket in die stotternde US-Wirtschaft zu pumpen oder ein solches wieder abzublasen. Im Übrigen habe das Ansehen der Fed 2008 schon darunter gelitten, dass sich die Notenbank in die Rettung der angeschlagenen Banken eingemischt habe, es sei einfach smarter, dieses Mal am Spielfeldrand stehen zu bleiben.

Die BusinessWeek fragt sich fassungslos, was erst in Zukunft werden solle, wenn noch größere Schulenprobleme drohen, wenn das politische System jetzt schon so versage. Der gegenwärtige Krach spiegle ja nur die Vergangenheit, eine ehrliche Analyse der künftigen Situation würde die Realität jenseits der gegenwärtigen „apokalyptischen Visionen“ der Republikaner und Demokraten zeigen: „Es wird alles noch viel schlimmer“.

Die wahre Bedrohung für die langfristige wirtschaftliche Gesundheit der USA schlage ja erst am Ende dieser Dekade durch, wenn steigende Gesundheitskosten pro Kopf und eine alternde Bevölkerung zusammentreffen und aus Arbeitnehmern Versorgungsempfänger würden. Die gegenwärtigen Zahlen des Finanzministeriums, „das die Verschuldung am 25. Juli so sorgfältig mit 14,342,841,083,049.67 Dollar angegeben hat“ enthalte ja noch nicht einmal die Sozialversicherung, die der Staat künftigen Generationen jetzt schon schulde.

Kommentare (3)

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nachgerechnet

29.07.2011, 10:10 Uhr

"...Indien verliere etwa 14 Billiarden Rupien oder 314 Billiarden Dollar jedes Jahr durch Steuerhinterziehung..."

Gemäß tagesaktuellem Kurs wohl eher 317 BILLIONEN US-Dollar, ab naja knapp daneben.

Die Zahl kommt mir trotzdem reichlich hoch vor. Mit den hier möglichen Einnahmen könnte man ja gleich noch die USA mit sanieren...

nachgerechnet2

29.07.2011, 10:37 Uhr

... das BIP von Indien in 2009 lag übrigens bei 1,2 Billionen US-Dollar (gem. http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlandsprodukt).

Würde sagen, die möglichen Mehreinnahmen könnten tatsächlich die halbe Welt sanieren! ;-)

Unsere Staatsverschuldung liegt ja bekanntlich bei etwa 2 Billionen EUR, bei den Italienern ähnlich, nehmen wir noch die USA mit ihren 14 Billionen USD dazu. Manoman, schwierig so viel Geld loszuwerden. Bleiben ja immernoch 300 Billionen USD übrig....

Wer recherchiert sowas? Oder gab's mal wieder Probleme bei den Trennzeichen "." und ","...?

arroganteUSA

30.07.2011, 22:31 Uhr

Es liegt nicht an Obama und auch nicht an seinen Widersachern.
Das ganze System ist falsch!
Den Christen ist das Zinsennehmen verboten, aber sie mißachten dieses Gesetz. Jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen.
Die USA sind pleite!
Der Staatsbankrott besteht schon lange weil den Zinsen kein Gegenwert gegenübersteht. Geld zu drucken u die Verschuldungsgrenze anzuheben ist falsch weil es ein Luftgeschäft ist.

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