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17.08.2011

07:24 Uhr

Presseschau

„Euro-Zone nicht über den Berg“

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse begrüßt die neuen europäischen Zielvorgaben aus Paris und Berlin, glaubt allerdings nicht daran, dass der Drei-Punkte-Plan kurzfristig für eine Beruhigung der Märkte sorgt.

Ganz im Fokus der internationalen Wirtschaftspresse: das Treffen von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in Paris. Quelle: AFP

Ganz im Fokus der internationalen Wirtschaftspresse: das Treffen von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in Paris.

Gemeinsame Wirtschaftsregierung, verbindliche Schuldenbremse in allen 17 Euro-Ländern und eine Finanztransaktionssteuer  - in der Financial Times begrüßt Pimco-Chef Mohamed El-Erian die neuen Zielvorgaben aus Paris und Berlin. Sollten diese umgesetzt werden – was noch unklar sei –, würde ein Europa entstehen, das besser integriert, fiskalisch diszipliniert und möglicherweise auch kleiner sei. Dass Deutschland einmal mehr die Position vertrete, dass ausgeglichene Haushalte und wirtschaftspolitische Kontrolle wichtiger seien, als weitere Schecks auszustellen, sei kaum verwunderlich – wohl aber, dass Frankreich diese Position gutheiße. „Ich vermute, dass dies ein Zeichen für die Alarmglocken ist, die mit dem Markt-Debakel der vergangenen Woche zusammenhängen.“

Das Pariser Treffen könnte die Euro-Zone und die EU insgesamt in eine neue Phase führen, kommentiert die Wirtschaftswoche die Ergebnisse des Treffens von Nicolas Sarkozy und Angela Merkel. Bisher seien die nationalen Egoismen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik eines der größten Hindernisse für ein weiteres Zusammenwachsen Europas – sie seien sogar verantwortlich gewesen für die nun aufgebrochenen Euro-Spannungen. Gleichwohl dämpft das Blatt die Hoffnung auf kurzfristige Effekte: Der Drei-Punkte-Plan werde nur mittel- und langfristig wirken. „Kurzfristig ist die Euro-Zone längst noch nicht über den Berg und das Schreckgespenst der Euro-Bonds nicht gebannt.“

Aus Sicht des Economist sind die Chancen schlecht, dass die von Merkel & Co. vorgegebenen Ziele kurzfristig umgesetzt werden können. „Obwohl sich die Aktienmärkte in Europa bis zum Dienstag-Abend von ihren Verlusten erholt hatten, wird der Gipfel nur wenig dazu beitragen, die nervösen Investoren dahingehend zu beruhigen, dass die Staatschefs der Eurozone auch nur einer einem Ausweg aus der Krise näher gekommen seien.

Deutsche Wirtschaft ausgebremst

Nachdem das Statistische Bundesamt das Wachstum der deutschen Wirtschaft nach einem starken Jahresauftakt im zweiten Quartal lediglich auf plus 0,1 Prozent taxiert hat, warnt die Financial Times Deutschland davor, gleich von einem Absturz zu sprechen und den Alarmknopf zu betätigen: Die Exporte seien weiter gestiegen, auch die Investitionen, nur am Privatkonsum hapere es. In dieser Situation rät das Blatt, die Bürger stärker an den „fetten Gewinnen“ der Unternehmen zu beteiligen. Außerdem fehle die Gewissheit, dass die Euro-Zone nicht bald in eine Rezession stürze. „Bisher haben die Regierungschefs diese Zuversicht nicht vermitteln, ja noch nicht einmal einen Weg aufzeigen können, um diese Gefahren zu bannen. Gelingt das nicht bald, nimmt die Konjunktur heftig Schaden“, lautet das Fazit der FTD.

Kommentare (4)

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Juergen

17.08.2011, 08:54 Uhr

Für Euro-Bonds gibt es keine rechtliche Grundlage im Vertrag von Lissabon, sondern ein Verbot (Art. 125 AEUV). Und wenn mit der Änderung des Art. 136 AEUV eine Transferunion eingeführt werden soll, dann bedarf es dazu der demokratischen Legitimation der Bevölkerungen, inklusive Volksabstimmungen (Irland und evtl. Deutschland)! Frau Merkel MUSS sich dabei an das Urteil des BVerfG vom 30.06.2009 halten und die beiden jetzigen Gesetze zu den "Rettungsschirmen" werden vom BVerfG und dem europ. Gerichtshof überprüft. Es war damit klar, das die nicht gewählte EU-Kommission keine größere Kompetenzen bekommen KANN!

MikeM

17.08.2011, 08:59 Uhr

Warum wird nirgendwo folgendes erwähnt:

Finnland erhält als Absicherung für seine Teilnahme am Griechenland-Rettungsschirm eine Barsicherheit in Höhe des finnischen Anteils. Diese wird auf ein Konto in Finnland gezahlt und im Falle eines Ausfalls Griechenlands von Finnland einbehalten. So haben sich die Finnen aus dem System verabschiedet und der deutsche Anteil erhöht sich entsprechend.

Die deutschen Medien schweigen ... das sagt alles.

Roland

17.08.2011, 09:38 Uhr

In einem weiteren Kommentar rät die Financial Times, die Euro-Bonds auch ohne Deutschland und die gleichgesinnten Länder Niederlande, Österreich, Finnland und Slowakei sowie ohne Griechenland aufzulegen. Die verbleibenden elf Länder könnten einen stattlichen Bond-Markt kreieren, mit makroökonomischen Zahlen, die nur geringfügig schlechter ausfielen als die der gesamten Eurozone. In Deutschland würde dies dazu führen, dass einerseits die Finanzierungsvorteile via Staatsanleihen geringer ausfielen; andererseits könnte dies bei den Wählern dazu führen, dass sie mehr Angst davor haben, in Europa ins Hintertreffen zu geraten, statt zum Zahlmeister Europas zu werden.

Anmerkung: Der Witz des Jahres. Da bin ich mal gespannt, wer diese Bonds gern kauft. Der deutsche Wähler hat mit 100 %-iger Sicherheit keine Angst davor in Europa ins Hintertreffen zu geraten.

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