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15.09.2011

06:40 Uhr

Presseschau

„Europa kurz vor einer Bankenkrise“

Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Crédit Agricole und Société Générale befürchten die internationalen Medien weitere Schockwellen auf dem europäischen Finanzmarkt. Die Hilferufe der Kommentatoren richten sich auch an den IWF, der die Institute stützen solle. Fundstück: Bildhauer und Bücher schreiben statt Banking.

Logos der französischen Banken Crédit Agricole, Société Générale und BNP Paribas. AFP

Logos der französischen Banken Crédit Agricole, Société Générale und BNP Paribas.

DüsseldorfZwar falle das Votum von Moody’s milder aus als erwartet, dennoch seien die großen französischen Banken nicht aus dem Schneider, kommentiert das Wall Street Journal. Vor dem Hintergrund, dass die großen US-Geldmarktfonds in den vergangenen Monaten ihre Anlagen bei französischen Banken heruntergefahren hätten, blieben den Instituten nur wenige Optionen, ihre US-Aktivitäten zu finanzieren. Hinzu komme, dass Moody’s zu stark auf das Engagement französischer Banken in den Schuldenstaaten Griechenland, Irland und Portugal fokussiert habe. Sollte die „Ansteckung“ aber auch auf Italien übergreifen, wären die französischen Institute einmal mehr betroffen, weil sie ein großes Volumen an italienischen Staatsanleihen in ihren Büchern hätten.

Pimco-Chef Mohamed A. El-Erian warnt gegenüber Bloomberg vor einer „totalen Banken-Krise in Europa“. In dieser Situation seien Organisationen wie der Internationale Währungsfonds – der am 23. September mit der Weltbank zusammenkomme – gefragt, den europäischen Banken zu helfen, mit dem Risiko, in der Schuldenkrise des Kontinents zu „versinken“. Mit Blick auf die Weltwirtschaft erklärte El-Erian: „Wir befinden uns in einem synchronen globalen Abschwung. Es gibt sehr wenig Vertrauen in die US- und europäische Wirtschaftspolitik.“

„Darauf haben wir drei Monate mit Spannung gewartet? Die drei Kommentare von Moody‘s zur Notierung der großen französischen Banken sind lächerlich“, kritisiert Les Echos aus Frankreich. Nachdem die Ratingangentur bedrohliche Diagnosen habe erwarten lassen, teile sie nun mit, dass die Institute keinen Krebs, sondern nur die Grippe hätten. Moody‘s habe die Notierung der BNP Paribas nicht angerührt und die der Société Générale nur um eine Stufe heruntergesetzt. Einzig die Crédit Agricole sei wirksam herabgestuft worden, aufgrund ihrer Griechenland-Anleihen. „Das Ganze ist ein Null-Ereignis, und Moody‘s versucht von dieser Inhaltsleere abzulenken, indem die Agentur geschickt auf Liquiditätsprobleme verweist.“ Doch damit steige Moody‘s auf einen „Zug auf, ohne dafür das Ticket bezahlt“ zu haben: „Sie sagen weder, woher die Gerüchte kommen, auf die sie sich beziehen, noch klären sie Widersprüche in der Argumentation.“

In der Financial Times Deutschland mahnt Gustav Horn, Professor für Volkswirtschaft und Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung, die Lehren aus dem Untergang der US-Bank Lehman Brothers vor drei Jahren zu ziehen. „Die wesentliche ist, dass gegen die Instabilität und Panikwellen auf den Märkten nur das glaubhafte Gegensteuern des Staates hilft. Erst dann entsteht neues Vertrauen in die weitere wirtschaftliche Entwicklung, was die Märkte stabilisiert und die Panik beruhigt.“ Dies erfordere allerdings eine stabilere Steuerbasis der Staaten und verbindliche Regeln für die Einhaltung des Inflationsziels in jedem einzelnen Mitgliedsland, statt den Blick auf die Staatsverschuldung zu verengen „und öffentliche Austerität als Allheilmittel zu empfehlen“.

Kommentare (5)

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baroneamarelli

15.09.2011, 07:53 Uhr

So gut wie kein Insider gibt noch einen Pfifferling auf die Einstufungen der Ratingagenturen bei seinen Investment-Entscheidungen. Folgerichtig reagierte der Markt gestern auch kaum auf die Herabstufung französischer Banken.
Lehman Brothers wurde noch einen Tag vor deren Zusammbruch mit der Bestnote bewertet...
Der S&P-CEO wurde nach der Herabstufung der USA ausgetauscht (nichts in der Mainstreampresse zu finden).
Auch dass Deutschland alleine mit seiner Position, eine Erweiterung des Rettungsschirms nicht zuzulassen, ist Unfug. Österreich, die Slowakei, Finnland ratifizieren den Rettungsschirm nicht.

Pendler

15.09.2011, 09:13 Uhr

Ohne Krise kein chaos
ohne chaos keine Verwirrung / Angst

Ohne Angst kann mandem Volk nie näher bringen, dass man die Henkersschlinge der verschärften Gesetze immer enger zieht.

Auch wenn die Wirtschaft und die Banken extrem herunter crashen sollten. Was ist denn schlimm daran, jeder kann shorten. Es gibt null einen Grund, hier in Panik aus zu brechen.

Es sei denn, man glaubt den ganzen Schrott aus den medien.



Account gelöscht!

15.09.2011, 09:19 Uhr

Nur dass die drei Länder zusammengenommen nicht mal ansatzweise soviel Wirtschaftsleistung vorzuweisen haben wie Deutschland! Wo Kuchen sich unterhalten haben eben Krümle nicht zu sagen ...

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