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16.01.2012

07:16 Uhr

Presseschau

„Europa rast in Richtung Nirgendwo“

VonPeggy Pfaff

Die internationale Presse diskutiert Bedeutung und Auswirkung der Herabstufungen durch Standard & Poor’s für mehrere europäische Staaten, hält das Krisenmanagement der EU aber immer noch für äußerst mangelhaft. Die Presseschau.

Für die Financial Times hat die Rezession gerade erst begonnen. Reuters

Für die Financial Times hat die Rezession gerade erst begonnen.

„Das Standard & Poor’s ein paar Eurozone-Länder herabgestuft hat, war keine Überraschung. Doch was überrascht ist, dass in kaum einen Nachrichtenartikel dazu gesagt wurde, warum die Ratingagentur so pessimistisch in die Zukunft blickt“, meldet sich Paul Krugman in seinem NYT-Blog zu Wort. S&P’s habe betont, dass der letzte Euro-Rettungsplan nicht an die Ursache der Finanzkrise heran gehe, an die Finanzprobleme und Verschwendung in den Peripherie-Ländern. Bei diesem Ungleichgewicht zwischen dem EU-Kern und der Peripherie harte Sparprogramme aufzulegen, sei falsch. „Sparen allein führt zu sinkender Nachfrage, wachsender Sorge bei den Verbrauchern um ihren Job und ihre Löhne.“ Doch wie habe Bundeskanzlerin Angela Merkel reagiert: Sie habe noch rigidere Sparprogramme gefordert. „Europa rast immer noch in Richtung Nirgendwo.“

„Die Ironie dabei ist aber, dass S&P’s gerade die Länder nicht herabgestuft hat, die lange Zeit Überschüsse erwirtschafteten und das Ungleichgewicht vergrößerten“, kontert der britische Economist: Deutschland, die Niederlande, Finnland und Luxemburg. Ihr Handelsgeist mache sich offenbar noch immer bezahlt. Die Herabstufung sei nicht „das Ende der Welt“, doch die Investoren werden ihn nicht mit einem Schulterzucken abtun, meint das Blatt. „Es ist ein großes Loch in das ohnehin arg gebeutelte Netz des Euro-Stabilitäts-Fonds, dieser wird nun nur noch von drei Ländern mit einem Triple-A gestützt, die nicht einmal die Hälfte des BIPs der EU darstellen.“ Das Vertrauen in europäische Anleihen werde deshalb weiter leiden.

„Nach der Herabstufung kommt die Abwärtsspirale“, glaubt die Financial Times. Im Zuge dessen würde die Wirtschaftsleistung der EU sinken, die Schulden steigen, und neue Herabstufungen folgen: „Die Rezession hat gerade begonnen.“ Die Krise und der Versuch, sie zu lösen, seien offenbar in zwei völlig getrennten Welten anzusiedeln: „Angela Merkel mahnt nun eine noch schnellere Neufassung des EU-Vertrages an, aber das ist irrelevant. Es wird nur den Trend zu pro-zyklischem Sparen verstärken, wie Griechenland zeigt.“ Der EU-Gipfel im Dezember sei die letzte Chance gewesen, um das „System von Grund auf neu zu starten.“ Doch sie sei vertan worden. „Die Liquiditätsspritze der EZB allein wird nicht reichen: Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir eine europäische Finanzbehörde brauchen, die Steuern erhebt und Gelder zuweist. Doch das wird natürlich passieren.“

Kommentare (4)

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Machiavelli

16.01.2012, 08:22 Uhr

In den drei Jahrzehnten vor der Euro-Einführung fand eine stärkere Integration zwischen den 6 Gründer-Ländern statt als seither. Dass Deutschland seine Steuerhoheit mit anderen Ländern teilt (dies würde eine Fiskalunion bedeuten), deren wirtschaftliche und geopolitische Interessen nicht mehr unbedingt deckungsgleich mit den seinen sind, erscheint nur schwer vorstellbar. Und selbst wenn – Deutschland würde im Gegenzug Bedingungen stellen, die die anderen Länder abschrecken könnten.
Jedoch kann die Eurorettung nur durch eine echte Fiskalunion gelingen.
Die "Schuldenbremse" ist für die Eurorettung nur das was eine Sonnebrille zum Blauen Auge ist, liebe Frau Merkel.
Gerne würde wissen warum damals Mitterrand und Kohl diese Schienunion gewählt haben, wahrscheinlich hatte damals Mitterrand gedacht Frankreich würde sich weiter durchsetzen können.
So ein großer Staatsmann war er anscheinend doch nicht.
Am Ende werdne wir die Bildung eines Mittel- oder Kerneuropa um Deutschland und eine Union pour la méditerrannée um Frankreich-Italien-Spanien sehen.
Also eine Zweiteilung Europas.

Account gelöscht!

16.01.2012, 09:02 Uhr

Bei den Autoren des "hb" greift offenbar zunehmender Schwachsinn um sich; hier nur zwei Zitate aus dem obigen Artikel:
"Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir eine europäische Finanzbehörde brauchen. ... Doch das wird natürlich passieren". (???)
"erziele die Mafia Jahresumsätze von etwa 140 Milliarden britischen Euro und Gewinne von mehr als 100 Milliarden Euro." Pardon, aber wer seinen Artikel so nachlässig redigiert, sollte gefeuert werden oder zur Bild-Zeitung gehen. Das geht nicht, das geht ÜBERHAUPT nicht!

Account gelöscht!

16.01.2012, 09:56 Uhr

<zitat>
Einem Bericht der italienischen Anti-Kriminalitäts-Initiative SOS Impresa zufolge, erziele die Mafia Jahresumsätze von etwa 140 Milliarden britischen Euro und Gewinne von mehr als 100 Milliarden Euro.
</zitat>
Umsätze in britischen Euro? Aber die Gewinne sind dann in italienischen Euro, oder?

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