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26.09.2011

08:13 Uhr

Presseschau

Europa steht am Pranger

VonPeggy Pfaff

Die internationale Presse sieht Europa bei den Gesprächen von IWF und Weltbank auf der Anklagebank. Die Uneinigkeit und die drohende Rezession in der Euro-Zone gefährdeten die ganze Welt. Die Presseschau.

Die internationale Presse warnt vor einem wirtschaftlichen Abwärtsstrudel, den die europäische Schuldenkrise verursachen könnte. Armin Dahl

Die internationale Presse warnt vor einem wirtschaftlichen Abwärtsstrudel, den die europäische Schuldenkrise verursachen könnte.

Düsseldorf„Europas Uneinigkeit gefährdet eine Lösung der europäischen Schuldenkrise“ bilanziert das Wall Street Journal nach den Treffen von Finanzministern und -experten sowie Vertretern des IWF und der Weltbank am Wochenende in Washington. Differenzen führender europäischer Politiker verhinderten ein Weiterkommen. Zwar hätten sie bekräftigt, den Europäischen Rettungsfonds weiter aufstocken zu wollen, doch dazu müssten alle 17 Mitglieder der inzwischen zwei Monate alten Übereinkunft zustimmen, gibt die Zeitung zu Bedenken: „Die harte Opposition in Deutschland könnte die Umsetzung des Plan blockieren.“

Zu Recht hätten Banker und IWF-Vertreter am Wochenende über die Politiker geklagt: „Sie handeln nur aus Eigeninteresse, und erzeugen so desaströse, kollektive Ergebnisse.“ Folglich habe „Angststimmung“ auf der IWF-Tagung geherrscht.

„Die Euro-Zone steht kurz vor der Rezession“, hat die britische Financial Times als deutliches Signal von den „düsteren Tagungen“ des IWF und der Weltbank mitgenommen. Europas Schuldenkrise sei das derzeit dringlichste Problem, es bestehe die Gefahr, dass der Kontinent die ganze Welt mit nach unten reiße. Presseberichten zufolge schienen Politiker in Deutschland und Frankreich aufzuwachen und die Dringlichkeit der Lage zu erkennen. „Sie denken vielleicht über drastischere Maßnahmen und Schritte nach, möglicherweise auch über eine griechische Staatspleite.

Doch die daraus resultierenden Verluste würden eine Rekapitalisierung europäischer Banken nötig machen, und das hieße letztlich „finanzieller Transfer von den stärkeren zu den schwächeren Euro-Zone-Mitgliedern.“ Doch in Deutschland habe sich in dieser Frage die Haltung nicht geändert. Auch die andere Möglichkeit - die EZB zum Aufstocken des Europäischen Rettungsfonds zu nutzen, und nicht Gelder der einzelnen Regierungen - stoße nicht auf viel Zustimmung.

Welche Großbanken im Visier der Ratingagenturen sind

Italien

Standard & Poor's hat am Mittwoch den 21. September die langfristige Kreditwürdigkeit von sieben italienischen Instituten herabgestuft und deren Ausblick mit negativ bewertet. Darunter sind auch Größen wie Mediobanca und Intesa SanPaolo, die von der Bonitätsstufe „A+“ auf „A“ rutschten. Die Ratingagentur drohte, dass noch acht weitere Häuser abgewertet werden könnten - unter anderem die größte italienische Bank Unicredit. Die Herabstufung der Geldhäuser ist in diesem Fall eng verknüpft mit der Bewertung der Staatsbonität. Anfang der Woche stufte S&P Italien ebenfalls von „A+“ auf „A“ ab.

Frankreich

Ins Visier der Ratingagentur Moody's gerieten am 14. September zwei der drei französischen Großbanken. Die Kreditwürdigkeit der Crédit Agricole und der Société Générale wurde jeweils um eine Stufe auf „Aa2“ beziehungsweise auf „Aa3“ herabgestuft. Das entspricht immer noch einer sehr guten bis guten Bonität. Begründet wurde die Entscheidung mit den Engagements der Banken in Griechenland. Die Ratingagentur erwägt wegen der angeschlagenen Finanzmärkte eine weitere Abstufung der Noten. Beim Marktführer BNP Paribas wurde die Frist für die Überprüfung verlängert.

Griechenland

Während italienische und französische Banken trotz Herabstufung noch über eine gute Bonität verfügen, steht die Kreditwürdigkeit griechischer Geldhäuser seit dem Sommer auf „Ramschniveau“. Am Donnerstag den 22. September hat Moody's acht Institute nochmals um zwei Stufen herabgestuft - sie stehen aufgrund der Schuldenkrise und drohende Pleite des Landes kurz vor einem Zahlungsausfall. Die EmporikiBank, eine Tochter der französischen Credit Agricole, und die General Bank notieren nun bei „B3“, die National Bank, die EFG Eurobank, die Alpha-Bank, die Piräus Bank, die Attica Bank und die ATE bei „Caa2“.

USA

Nach Einschätzung von Moody's würde die US-Regierung eine aktuelle Bankenpleite möglicherweise nicht auffangen. Mit der Warnung ging eine Herabstufung einher: Die Ratingagentur attestierte der Bank of America, dem größten Geldhaus der USA, statt eines guten Ratings („A2“) nur noch ein befriedigendes („Baa1“). Auch Konkurrent Wells Fargo rutschte leicht von „A1“ auf “A2“ - immer noch eine gute Bonität.

Deutschland

DDie französische Société Générale rutschte im Moody's-Rating auf „Aa3“ - das entspricht der Bonität der Deutschen Bank. Von Standard & Poor's erhält Deutschlands größtes Geldhaus ein „A+“, von Fitch ein „AA-“. Die Einstufungen sprechen für eine gute bis befriedigende Bonität. Die Commerzbank als Nummer zwei erhält von den drei Ratingagenturen jeweils eine „befriedigende“ Beurteilung. Keine private deutsche Großbank wurde während der Zuspitzung der Euro-Krise in diesem Jahr in ihrer langfristigen Bonität herabgestuft.

Spanien, Portugal, Irland

SPANIEN, PORTUGAL und IRLAND: In den drei anderen PIIGS-Staaten neben Italien und Griechenland ist die Situation unterschiedlich. Moody's senkte die Bewertung der Anleihen von 30 spanischen Instituten im März dieses Jahres um eine oder mehr Stufen. Die beiden Großbanken Santander und BBVA waren von der Abstufung aber nicht betroffen. Ihre Bonität ist nach wie vor gut. Die größte portugiesische Bank, Caixa Geral de Depósitos, wurde dieses Jahr dagegen von allen drei Ratingagenturen jeweils zweimal abgestuft. Ihre Bonität wird durchgehend als befriedigend bewertet.

Die Kreditwürdigkeit mehrerer großer irischer Institute wie der Bank of Ireland oder der Allied Irish Banks wurde durch die Fast-Pleite des Landes 2010 von Moody's auf „Ramschniveau“ herabgestuft.

„Die Schuldenkrise in Europa wird die USA mit sich nach unten ziehen“, ist sich der australische Business Spectator sicher. „Beide Wirtschaften sind eng miteinander verwoben. Wenn Europas Wirtschaft signifikant einbricht, wird der US-Export nach Europa ebenfalls einbrechen. Immerhin exportierten die USA 2010 Güter im Wert von 412 Milliarden Dollar in die EU.“ In der Folge werde der handelsgewichtete Euro weiter sinken, der Dollar werde aufgewertet, US-Exporte würden dann noch teurer. „Außerdem haben US-Banken 113 Milliarden Dollar an europäische Länder verliehen, Griechenland, Irland, Portugal und Spanien.“

Die Markttumulte hätten schon jetzt negative Auswirkungen auf US-Renten- und Anlageinvestements. „Doch was in Europa passiert oder entschieden wird, kann Amerika nicht beeinflussen. Die USA sollten sich deshalb vorbereiten und Jobs schaffen, Arbeiter unterstützen, und eine gute Fiskal- und Währungspolitik betreiben, um sich gegen eine von Europa herüber schwappende Rezession zu wappnen“, rät das Blatt.

Kommentare (4)

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Pendler

26.09.2011, 09:28 Uhr

Also das alles läuft ab, wie nach Drehbuch.

Ein alter Wahlspruch der Illuminati sagt ja, dass man erst eionmal das totale Chaos erzeugen muss, damit das Volk dann nach der strngen Hand, also mehr Gesetze und Einschränkungen schreit.

Der aufgeklärte Bürger schreit förmlich damach, dass man ihn als Sklaven hält

CEFA

26.09.2011, 10:14 Uhr

Nett,
verdreht man Ursache und Wirkung sind die Anderen am eigenen Desaster Schuld!

Zahlt endlich Deutsche oder lasst wenigstens die Geldpresse laufen, wir wollen nicht für unsere Fehler selber geradestehen. Ich vermisse noch die Nazi Nummer, oder hab ich die verpasst?

Account gelöscht!

26.09.2011, 16:54 Uhr

"Zu Recht hätten Banker und IWF-Vertreter am Wochenende über die Politiker geklagt: „Sie handeln nur aus Eigeninteresse, und erzeugen so desaströse, kollektive Ergebnisse.“"

Alles klar, die asozialen Bankster und Gelddruckjunkies werfen irgendjemandem vor aus Eigeninteresse zu handeln. Konkrete Namen bitte: wer wirft hier wem etwas vor und welchen Anteil hat das Handeln der betreffenden Person in der Vergangenheit an den Ursachen der Finanzkrise und welches Interesse hat diese demzufolge davon mit einem "haltet den Dieb" abzulenken.

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