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13.05.2011

07:14 Uhr

Presseschau

Europas Politiker auf dem Kinderspielplatz

VonMidia Nuri

Die internationale Wirtschaftspresse schaut den Verhandlungen zur Euro-Rettung besorgt zu, die Börsen-Zeitung fordert mehr Macht für den EZB-Chefökonom, und für Sünder gibt es die passende App. Die Presseschau.

Eurokrise: Zeit für einen Plan B Quelle: dpa

Eurokrise: Zeit für einen Plan B

WiesbadenDie EU laufe Gefahr, durch ihre wirtschaftliche Krise einer politischen Krise die Tür zu öffnen, so die Business Times aus Singapur – einer hausgemachten. Problematisch werde es vor allem, wenn die Länder, die gerade mit finanziellen Problemen kämpfen, dem deutschen Beispiel folgten und die Schuldenbremse einführten. Deutschland nämlich wolle die Anleihenmärkte beschwichtigen, indem es schonungslos Staatsausgaben kürze und auch anderen EU-Mitgliedern unbedingt drastische Kürzungen zur Haushaltskonsolidierung nahe lege.

Solche Maßnahmen gefährdeten jedoch das Wirtschaftswachstum und seien geeignet, die politische Einheit Europas zu untergraben. Diese Art der institutionalisierten Sparsamkeit werde Europa sowohl kurzfristig als auch auf lange Sicht enormen Schaden zufügen, ist sich das Blatt sicher. Eine Schuldenbremse à la Deutschland verwandele Sparprogramme in verfassungsrechtliche Regelungen, die es nahezu unmöglich machten in Krisenzeiten stimulierende Konjunkturprogramme zu verabschieden oder Neuverschuldungen zu beschließen.

Während die Tinte unter dem Rettungsabkommen für Portugal trockne, zeige sich, dass die Rettungsaktion für Griechenland und Irland vom vergangenen Jahr gescheitert sei, stellt der Chefökonom des Zentrums für Europäische Reform, Simon Tilford, in einem Gastkommentar in der britischen Financial Times fest. Irland werde am ehesten Investoren von seiner Kreditwürdigkeit überzeugen können. Doch für Portugal und Griechenland werde es spätestens 2013 keine Alternative mehr zu harter Restrukturierung und Abschreibungen von 50 Prozent und mehr der Schulden geben, ist das Blatt überzeugt. Weitere Rettungsaktionen seien unwahrscheinlich.

Außer dem fiskalischen Transfer bleibe nur der Rückzug aus der Währungsunion, ist das Blatt überzeugt, was einen weiteren Haircut für ausländische Anleihegläubiger mit sich bringen werde. Es sei unmöglich, eine Wahrscheinlichkeit hierfür anzugeben. „Aber bei den Hindernissen für fiskalische Transfers zwischen Eurozonenökonomien wäre es unklug, zuviel Geld dagegen zu setzen.“

Wäre der Einsatz nicht so hoch, wäre die Inkompetenz Europas bei der Schuldenkrise der Eurozone schon komisch, findet der britische Economist. Mit Blick auf Griechenland sei eindeutig Zeit für Plan B. Aber statt voran zu machen: ein Hickhack wie auf dem Kinderspielplatz. Den größten Krach hätten Deutschland und die Europäische Zentralbank (EZB). „Deutschlands Politiker wollen Griechenland nicht mehr Geld leihen, ohne beim Rettungsplan die Spielregeln zu ändern.“ Dagegen wolle die EZB mit dem gescheiterten Plan weitermachen. Natürlich sei es vernünftig, sich um die Auswirkungen einer Pleite Griechenlands auf das europäische Bankensystem zu sorgen. Doch die Ablehnung der EZB, eine Restrukturierung der griechischen Schulden zu erwägen, könne die Eurozone vor die Wand fahren lassen.

Kommentare (1)

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MoneyMaster

13.05.2011, 08:30 Uhr

der Euro ist auf Sand gebaut. Die katastrophalen Fehlentscheidungen werden wir auf jeden Fall zu spueren bekommen.
Um so laenger wir mit dem Ausstieg zoegern, um so schmerzhafter wird die Kur!

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