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05.08.2011

07:20 Uhr

Presseschau

EZB muss schon wieder Doktor spielen

Die internationale Presse beschäftigt sich mit den Marktturbulenzen und den Gegenmaßnahmen der EZB, L'Expansion analysiert die Zukunft von IWF-Chefin Christine Lagarde und die Financial Times betrachtet Angela Merkel und Barack Obama als heimliche Seelenverwandte. Fundstück: Joschka Fischer als chinesisches Krokodil.

Börsenhändler in Frankfurt am Main. Quelle: dapd

Börsenhändler in Frankfurt am Main.

Eine dritte Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank noch in diesem Jahr sei trotz der neuen Eskalation der Schuldenkrise und anhaltender Turbulenzen an den Finanzmärkten „nicht vom Tisch“, meint Reuters, nach die EZB den Leitzins für die 17 Euroländer bei 1,5 Prozent beließ. Aus der Notenbank sei zu hören  gewesen, man beobachte Entwicklung der Preise weiter „sehr genau“, eine Formulierung, die für gewöhnlich signalisiere, dass sie auf Sicht von zwei bis drei Monaten die Zinsen erhöhen könnte, allerdings „ohne sich festzulegen“. Den Banken allerdings habe die EZB bessere Planungssicherheit verschafft, indem sie ein „eigentlich längst weggelegtes Instrument“ wieder auspacke: Sie werde den Geschäftsbanken zusätzlich für sechs Monate Geld leihen - zu einem an die Leitzinsentwicklung gekoppelten Zinssatz. Die EZB habe auch angedeutet, ihr umstrittenes Anleihekaufprogramm wieder aufnehmen zu wollen. Sie kaufe nun wohl portugiesische und irische Papiere, habe aber keine Pläne für den Kauf von Staatsanleihen aus anderen Ländern.

„Der Patient wurde nun einige Male eingeliefert, und anfangs hat der Arzt Fehler gemacht. Er hat zwar einige Bypässe gelegt (Ankauf von Staatsanleihen), aber nur unwillig, damit der Patient nicht stirbt (Staatspleite),“ vergleicht die Financial Times Deutschland die Aktivitäten der EZB mit der Arbeit eines Mediziners. Immerhin habe der Arzt es hinbekommen, dass der Patient woanders nachhaltige Hilfe bekomme, dank dem Rettungsfonds EFSF. Doch jetzt liege der Patient schon wieder in der Notaufnahme.  An den Märkten sei Panik ausgebrochen und es sei pragmatisch, ja unvermeidlich, dass die EZB eingreife und dem Markt mit dem umstrittenen Ankauf von Staatsanleihen Liquidität zur Verfügung stellt. Allerdings wüssten nun auch alle Investoren, welcher Weg bei der Lösung der Krise eingeschlagen werde: „Die Schulden werden monetarisiert“. Im Grunde habe die EZB den Fehler von vor drei Jahren nun wiederholt die Geldpolitik zu früh zu straffen. Der pragmatischen Arzt habe nun „seinen Ruf lädiert“, meint das Blatt.

 José Manuel Barroso esse am liebsten Makkaroni, weil er durch die Löcher weiter reden kann, frotzelt die Börsen-Zeitung. Der EU-Kommissionschef lasse wenig Chancen aus, sich zur Schuldenkrise zu Wort zu melden. Unklar bleibe indes, was ihn geritten habe, als er die Ergebnisse des letzten Gipfels nun als „unvollständig“ herabstufte. Denn zugleich fordere er eine zügige Überprüfung „aller Elemente“ der EFSF, also auch seine Kapitalausstattung. Es gäbe gute Gründe, zu fragen, ob das EFSF-Volumen für eine effektive Marktpflege für Spanien und Italien reiche. Aber erstens habe Barroso überhaupt keine Karten im Spiel, denn darüber entschieden andere, zweitens wisse er nur zu gut, welche politischen Schwierigkeiten Finnen, Niederländer oder Deutsche hätten, zu Hause  die noch ausstehende Aufstockung der EFSF auf effektiv 440 Milliarden Euro überhaupt zu rechtfertigen. Sei ihm wirklich an einer noch stärkeren Ausweitung des Schirms gelegen, so das Blatt, „bringt ihn eine Politik der öffentlichen Bekanntmachung gewiss nicht voran“. Aber egal, welche Motive den Portugiesen nun getrieben hätten: „Schweigen wäre Gold gewesen“.

Kommentare (1)

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Buerge-r

05.08.2011, 17:55 Uhr

"Allerdings wüssten nun auch alle Investoren, welcher Weg bei der Lösung der Krise eingeschlagen werde: „Die Schulden werden monetarisiert“. "

... also letztlich über Inflation (z.B. bei destabilisierenden Finanzderivaten, Assetpreisen und mittelfristig Verbraucherpreisen) auf den europäischen Bürger umgelegt! Es wird immer schwerer für das Bundesverfassungsgericht, auch wenn es unbedingt will, zu ignorieren, dass der Euro ein instabiles und die europäische Desintegration beförderndes Akkumulat der polit-ökonomischen Inkompetenz, Wunschträumerei und Ignoranz ist. Er bedroht gleich 3 Grundsätze der deutschen Vefasstheit: europäische Integration, Währungsstabilität und Schuldenbremse.

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